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Innere Medizin 13. November 2007

Mehr Lebensqualität durch Heim-Hämodialyse

Die Hämodialyse zu Hause ist ein wichtiger Schritt in die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit für Patienten mit akutem Nierenversagen – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Für die Heim-Hämodialyse (HHD) sind Fähigkeit und Motivation, stabiler Zustand, gut funktionierender Gefäßzugang, eingeschulte und motivierte Betreuung und natürlich Raum und Ausstattung die Voraussetzung. Das britische National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) empfiehlt, allen Patienten die HDD anzubieten, die diese Voraussetzungen erfüllen, aber auch regelmäßige professionelle Betreuung und die Möglichkeit der Rückkehr zur ambulanten Dialyse zu gewährleisten.
Für Menschen mit akutem Nierenversagen ist eine Nierenersatztherapie überlebensnotwendig. Die Hämodialyse ist nach der Nierentransplantation die Maßnahme der Wahl. Das Blut wird über einen künstlichen Shunt zwischen Vene und Arterie in das Dialysegerät geleitet, wo toxische Stoffwechselprodukte durch Osmosewirkung herausgefiltert werden. Die Dialyse prägt in jedem Fall das Leben eines Menschen: sie nimmt nicht nur viele Stunden pro Woche in Anspruch, sondern schwächt auch körperlich und belastet alle Beteiligten psychisch.
Die Dialyse kann in Krankenhäusern, in Dialyse-Units oder zu Hause durchgeführt werden.

Niedrigere Lebensqualitätseinbußen

Während ein britisches Health Technology Assessment (HTA) nur geringe Vorteile der Dialyse-Units gegenüber Krankenhäusern feststellt (Wegzeitersparnis, Patientenzufriedenheit), unterscheidet sich die HHD in einigen Faktoren: Ein systematischer Review bestätigt, dass die Lebensqualitätseinbuße der HHD-Patienten deutlich niedriger ist als bei der Dialyse außer Haus: das subjektive Gefühl von Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit und die Möglichkeit zu beruflicher Tätigkeit überwiegen dem Isolationsgefühl und dem Langzeitstress. Die notwendige Sorgfalt und die möglichen Komplikationen sind gleich wie im klinischen Setting.

Klinische Effektivität und Kosten

Die Evidenz der klinischen Effektivität der HHD ist nicht so eindeutig, doch selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass HHD meist von jüngeren und „gesünderen“ Patienten durchgeführt wird, und dass zu Hause eine höhere Dialysefrequenz und -dauer üblich ist als bei Dialyse außer Haus, ist HHD klinisch zumindest gleichwertig.
Die hohen Initialkosten der HHD durch Umbau, Equipment und Training amortisieren sich bei Langzeitbehandlung und sind zudem in Zusammenhang mit besserer Erwerbsmöglichkeit der Patienten zu sehen. Kosteneffektivität ist im Kontext von Infrastruktur und Gesundheitssystem zu sehen und daher schwer auf andere Länder übertragbar. Die Kriterien Unabhängigkeit, Steigerung der Lebensqualität und Zufriedenheit hingegen sind relativ unabhängig.

Literatur:
NCCHTA/UK 2005: An evaluation of the costeffectiveness and quality of renal replacement; www.hta.ac.uk/execsumm/summ924.htm
NICE/UK 2002/2005: Guidance on home compared with hospital Haemodialysis for patients with end-stage renal failure; www.nice.org.uk

Der Originalartikel erschien im HTA-Newsletter Nr. 61, Oktober 2007. http://hta.lbg.ac.at

Elisabeth Breyer, Ärzte Woche 46/2007

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