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Innere Medizin 5. September 2007

Den Herztod verhindern

30.000 Interessierte informierten sich beim Europäischen Kardiologenkongress (ESC) über den neuesten Stand in Klinik und Forschung. Anlässlich der Veranstaltung unterzeichneten GesundheitspolitikerInnen die Europäische Charta für Herzgesundheit. Österreich verpflichtet sich damit, die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gesundheitsförderndes Verhalten zu unterstützen.

„Solche Kongresse sind wichtig“, betonte Prof. Dr. Kim M. Fox, Präsident des ESC-Kongresses, „so können wir unsere Erfahrung teilen, um ‚Best-practice-Medizin‘ für ganz Europa gleichermaßen zu gewährleisten.“
Die Teilnehmer am Kongresss informierten sich über den neuesten Stand der kardiologischen Forschung, sie bilden Netzwerke zur Optimierung der Behandlung des Herzinfarkts und junge Kollegen und Kolleginnen nutzen das vielfältige Angebot, sich kardiologisch fortzubilden.
„Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Österreich Todesursache Nummer eins“, erklärte Prof. Dr. Robert Schlögel vom Gesundheitsministerium. 2005 sind 32.636 Österreicher daran gestorben. In der Kongressstadt Wien kann die Interventionelle Kardiologie durchaus als vorbildhaft gelten. Empfehlen die internationalen Leitlinien, dass Patienten nach einem Herzinfarkt binnen 90 Minuten in einem spezialisierten Herzkatheterlabor interventionell versorgt werden sollten, wird dieser Wert in Wien mit durchschnittlich 80 Minuten sogar deutlich unterboten.

Zeit ist Leben

Diese rasche Intervention ist es, die die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt von durchschnittlich 13 Prozent auf etwa acht Prozent sinken ließ. Bei Patienten, die 75 und älter sind und keine Begleitkrankheiten haben, wurde die Sterblichkeit dadurch sogar unter fünf Prozent gedrückt, bei älteren Patienten liegt der Wert naturgemäß etwas höher, berichtete der Präsident der Österrreichischen Kardiologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Kurt Huber.
Von den 30 in Österreich bestehenden Katheter-Labors arbeiten etwa 20 akut-interventionell. Für die Gewährleistung einer Spitzenqualität ist es wichtig, dass diese Labors rund um die Uhr arbeiten und ein ausreichend großes Einzugsgebiet haben. Denn, so Huber, „es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Qualität der ärztlichen Notfallintervention und den Fallzahlen“.
Bemerkenswert ist, dass Frauen die Männer bei der Mortalität bereits überholt haben: An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben derzeit 54 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer. Konkret waren im Vorjahr 19.000 Frauen und 13.000 Männer zu beklagen, die kardiovaskulären Krankheiten zum Opfer gefallen sind. Das könnte auch daran liegen, dass die Herzinfarkt-Symptome bei Frauen oft viel unspezifischer sind als bei Männern, und dadurch die Diagnose häufig erst spät gestellt wird. Kleinere Infarkte, erklärte Huber, sind im Gegensatz zu großen Infarkten, die auch große Narben hinterlassen, im EKG kaum zu erkennen. Huber: „Für die Diagnose müsste schon ein 12-Ableitungs-EKG gefordert werden und es sollte ein guter Arzt die Werte interpretieren.“ Wichtig ist für eine verlässliche Diagnose auch, dass mit den Patienten gesprochen wird. „Ein erfahrener Kardiologe wird auch untypische Symptome richtig bewerten und die Notfallbehandlung rechtzeitig in die Wege leiten.“

Charta für Herzgesundheit

Besser ist jedoch die Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schlögel: „Die WHO geht davon aus, dass schon eine geringe bevölkerungsweite Reduktion von Bluthochdruck, Übergewicht, Cholesterinspiegel und Tabakkonsum das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um mehr als die Hälfte reduzieren würde. Prävention soll deshalb in Zukunft forciert werden. Anlässlich des ESC unterschrieben Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky und die Wiener Gesundheits-Stadträtin Sonja Wehsely die „Europäische Charta für Herzgesundheit“. Österreich ist damit das erste Land, dass der „European Heart Health Charter“ beigetreten ist und dadurch den Stellenwert der Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten für Österreich ausdrücklich betont.

Beste Prävention: Nichtrauchen

Die wichtigsten Empfehlungen der Charta zur Förderung der Herzgesundheit sind: angemessene körperliche Aktivität (mindestens 30 Minuten fünf Mal in der Woche), gesunde Ernährung, kein Übergewicht, Blutdruck unter 140/90 mmHg, Blut-Cholesterinwert unter 5 mmol/l (190mg/dl), normaler Glukosestoffwechsel, Vermeidung von übermäßigem Stress und Nichtrauchen. „Alle Punkte der Charta sind wichtig“, antwortete Fox auf die Frage nach dem wichtigsten präventiven Faktor, „aber wenn Sie mich fragen, welcher der wichtigste ist, dann sage ich: das Rauchen. Rauchen sollte es gar nicht geben!“ So konnte sich der Präsident des ESC-Kongresses bei der Pressekonferenz einen kritischen Kommentar nicht verkneifen: „In Österreich gibt es noch immer Raucherzonen in den Restaurants.“ Die europäischen Regierungen müssten sich sehr anstrengen, präventive Maßnahmen zu setzen, „denn die Folgekosten von kardiovaskulären Krankheiten sind enorm“.

Inge Smolek, Ärzte Woche 36/2007

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