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Innere Medizin 28. September 2007

Infektiöses Essen

Die Behandlung von lebensmittelbedingten Infektionen gehört trotz guter Hygienebedingungen zum ärztlichen Alltag. In Deutschland stellte das Robert Koch Institut kürzlich sogar eine Zunahme der Zahl von Darminfekten mit Campylobacter im ersten Halbjahr 2007 im Vergleich zu 2006 fest. Für einen besseren Schutz der Bevölkerung vor bakteriellen Infektionen durch das Essen ist es nötig, bei Gastroenteritiden den die Infektion verursachenden Erreger bestimmen zu lassen.

Die Zoonosen-Richtlinie der Europäischen Union regelt die Überwachung von lebensmittelbedingten Zoonosen und lebensmittelbedingten Ausbrüchen verpflichtend für alle EU-Mitgliedsstaaten. Der jüngste europäische Zoonosen-Report berichtet für das Jahr 2005 von über 200.000 Fällen von Campylobacter-Erkrankungen und nahezu 178.000 Sallmonellosen. Die Dunkelziffer ist groß: Die Experten gehen etwa in Großbritannien davon aus, dass nur eine von 136 Gastroenteritiden in den nationalen Meldedaten erfasst ist.

Erkennen von Ausbrüchen wichtig für die Prävention

Um die durch die Erkrankungen des Verdauungstrakts durch Lebensmittelinfektionen verursachte Last durch Morbidität, wirtschaftliche Einbußen und immer wieder vorkommende Todesfälle zukünftig zu verringern, ist Prävention unerlässlich. Diese kann aber nur gelingen, wenn bei Ausbrüchen Erkenntnisse über Infektionswege und -quellen gewonnen werden können. Dr. Andrea Ammon, Vorstand der Unit for Surveillance and Communication am European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in Stockholm schreibt im Editorial der Wiener Klinischen Wochenschrift, dass erst das Zusammenführen von Surveillance-Daten auf regionaler und nationaler Ebene eine Häufung erkennbar macht: „Die globalisierte Verteilung von Lebensmitteln kann dazu führen, dass Fälle, die zu einem Ausbruch gehören, über ein weites Gebiet verteilt sind und lokal nur als sporadische Fälle in Erscheinung treten. In den meisten Ländern sind labordiagnostische Erregernachweise die ,Eintrittskarte‘ in das Meldesystem.“

Nur die Spitze des Eisbergs

Bei den mikrobiologisch verifizierten Fällen handelt es sich nur um die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Fakt ist, dass nur ein geringer Prozentsatz der Erkrankten überhaupt einen Arzt aufsucht, wenn ihnen der Bauch schmerzt. Hinzu kommt, dass – vor allem im extramuralen Bereich – nicht jeder Arzt Stuhlproben von allen Patienten mit Diarrhoe ins mikrobiologische Labor schickt. Die mikrobiologisch gesicherten Erkrankungsfälle sollen bei Salmonellosen etwa nur 2,6 Prozent bis 6,9 Prozent der tatsächlichen Salmonellenerkrankungen ausmachen. Nach dieser Rechnung, berichten Peter Much et. al. in ihrer Originalarbeit „Lebensmittelbedingte infektiöse Krankheitsausbrüche, Österreich 2005“, wäre für Österreich für das Jahr 2005 von einer tatsächlichen Anzahl von 81.377 bis 215.961 Salmonellenerkrankungen auszugehen. Salmonella spp. und Campylobacter waren gemeinsam für 99 Prozent der Ausbrüche verantwortlich. Von den Lebensmitteln war Ei für 57 Prozent aller Ausbrüche mit berichteter Infektionsquelle verantwortlich, Fleisch für 30 Prozent und Milchprodukte für vier Prozent.

Quellen:
Wien Klin Wochenschr (2007) 119/5–6: 139-141 und 150–157. DOI 10.1007/s00508-007-0788-1 © Springer-Verlag 2007
Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin 36/2007.

Inge Smolek, Ärzte Woche 39/2001

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