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Innere Medizin 12. September 2007

Herzenssache Sport und Bewegung

Wie gesund oder risikoreich körperliche Bewegung für den Einzelnen ist, hängt von seinem Gesundheitszustand und von der Trainingsintensität ab. Forscher arbeiten daran, das optimale medizinische Training zu definieren. Eines ist aber unbestritten – körperliche Bewegung ist ein Lebenselixier, das nicht nur die Lebensqualität hebt, sondern auch die Sterblichkeit sinken lässt.

 Prof. Dr. Kurt Huber
Prof. Dr. Kurt Huber hofft auf Erfolge in der Prävention.

Foto: B+K/ Kurt Prinz

Der sambische Nationalkicker Chaswe Nsofwa ist 26, als er bei einem Trainingsspiel zusammenbricht und, ohne noch einmal wiederbelebt werden zu können, stirbt. Antonio Puerto ist erst 22, Verteidiger bei FC Sevilla. Auch ihn ereilt auf dem Fußballfeld der plötzliche Herztod. In den letzten zehn Jahren, schreibt Die Zeit, sind mindestens 16 Profifußballer kollabiert.

Plötzlicher Herztod

Sudden Death war auch eines der vielen Themen beim Kongress der Kardiologen im Wiener Messezentrum. „Die Hauptursachen des unerklärlich scheinenden Todes von jungen vitalen Sportlern sind Herzmuskelerkrankungen, Verdickungen des Herzmuskels und das Brugada-Syndrom“, erklärte Prof. Dr. Harald Gabriel, Sportkardiologe von der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien. Das Brugada-Syndrom ist eine angeborene Kardiomyopathie, die den Ionenkanal-Erkrankungen zugerechnet wird. Gabriels Kollegen aus Italien berichteten bei einem „State of the art“-Vortrag zum Thema über das seit 1981 eingeführte, weltweit einzigartige verpflichtende Screening-Programm von jungen Athleten. „Zwei Prozent der gescreenten jungen Hobby- und Leistungssportler“, erzählte Gabriel, „zeigen bei der Untersuchung – Anamnese, klinische Untersuchung und EKG – Auffälligkeiten.“ Prof. Dr. Domenico Corrado berichtete, dass durch das weltweit einzigartige Screening der plötzliche Herztod bei Athleten um 89 Prozent verringert werden konnte.

Trainingsintensität

„Gesundheitliche Vorteile und Risiken von Sport, das ist natürlich ein wichtiges Thema“, sagte der Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Kurt Huber. „Hier wurde angesprochen, ob Sport in allen Altersgruppen tatsächlich so gesund ist. Ein gewisses Maß schon, aber wenn man sehr spät mit leistungsbezogenem Sport, z B. Marathonläufen beginnt, muss das vom gesundheitlichen Standpunkt her nicht unbedingt für jede oder jeden positiv sein.“

Täglich und moderat

In der Europäischen Herzcharta wird im Einklang mit den Präventionsleitlinien empfohlen, fünf Mal die Woche 30 Minuten moderate körperliche Bewegung zu machen. Individuell adäquates Training bringt nachvollziehbare, messbare Erfolge. „Die maximale Sauerstoffaufnahme ist einer der stärksten Prädiktoren für das Überleben“, betonte Gabriel. „Sport mit der richtigen Trainingsintensität führt etwa dazu, dass Prozesse in den Mitochondrien der Zellen jene Effekte herbeiführen, die wir Kardiologen mittels Medikamenten anstreben. So können Substanzen zur Gefäßdilatation durch Training aktiviert werden.“
Bei zu hoher Trainingsintensität kommt es jedoch zu Erschöpfung und Distress für den Körper. Ist die Herzfrequenz zu hoch, wird aus dem anabolen Vorgang ein kataboler. Deshalb ist eine sportmedizinische Untersuchung durch spezialisierte Ärzte nötig.
Neu ist in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass auch Patienten mit fortgeschrittener chronischer Herzinsuffizienz (NYHA III b) von einem individuell angepassten, regelmäßigen aeroben körperlichen Ausdauertraining profitieren, wie bei einer Studie der Universität Leipzig an insgesamt 37 Patienten ermittelt wurde. Huber: „Die durch das Training erreichte körpereigene Regeneration des Gewebes geht mit einer Verbesserung der Belastungstoleranz einher.“

Inge Smolek, Ärzte Woche 37/2007

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