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Innere Medizin 2. Mai 2007

Photoaktivität erleichtert Karzinomdiagnostik

Blasenkrebs wird häufiger – auch aufgrund der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung. In Österreich bis zu 3.000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Je nach Invasivität des Karzinoms variiert die Gefährlichkeit, in jedem Fall ist die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigt. Die speziell bei den aggressiven Formen schwierige Diagnostik des Blasenkarzinoms kann mit der Photolumineszenz-Technik erleichtert werden. Das ist die zentrale Aussage einer konsensuellen Erklärung des Arbeitskreises urologische Onkologie der Österreichischen Urologischen Gesellschaft.

Schwer nachweisbares Carcinoma in situ

Eine gefährliche Form des Blasenkrebses ist das Carcinoma in situ (CIS). Es lässt sich mit der herkömmlichen Blasenspiegelung nur schwer nachweisen – diese weist eine hohe Versagerquote auf. Die häufigste Variante stellt mit fast 80 Prozent der Fälle das oberflächliche Karzinom dar, das nicht lebensbedrohlich ist, für den Betroffenen aber aufgrund der hohen Rezidivrate und der damit verbundenen vielen Operationen eine Belastung darstellt. Da die vielen kleinen Tumoren mit freiem Auge nicht sichtbar sind, werden sie häufig übersehen und machen weitere Eingriffe notwendig. Das in die Tiefe wachsende Karzinom mit Metastasierung hat einen Anteil von bis zu 20 Prozent und wird in der Regel radikal mit Entfernung der Blase und Ersatzblase aus Darm therapiert.

Hexaminolevulinat erleichtert Erkennung

Tumorzellen nehmen die seit 2006 in Österreich zugelassene zugeführte photoaktive Substanz Hexaminolevulinat (Hexvix) vermehrt auf und erscheinen daher unter Licht als deutlich erkennbares Areal – auch in kleinsten Strukturen. „Eine europäische Studie konnte“, so Prof. Dr. Michael Marberger, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie, MedUni Wien, „eine Steigerung der Diagnosen-Rate um 25 Prozent nachweisen.“ Insbesondere bei oberflächlichen und verstreuten Karzinomen wurde die Erkennungsrate verbessert, stellt Prim. Dr. Wolfgang Loidl, Abteilung für Urologie, KH d. Barmherzigen Schwestern Linz, fest. Konsens ist, dass es sich bei der Fluoreszenzdiagnostik mit Hexvix® um eine empfehlenswerte Methode handle. Der Stellenwert für die Therapie ist hoch, insbesondere durch die Verbesserung der diagnostischen Sicherheit. Denn je nach Studie werden mit herkömmlicher Blasenspiegelung bis zu 42 Prozent der oberflächlichen Karzinome übersehen. Das führte zu einer Rezidivrate von bis zu 72 Prozent. Auch die Europäische Gesellschaft für Urologie (European Association of Urology/EAU) empfiehlt die neue Nachweismethode, wie Doz. Dr. Dirk Zaak von der Ludwig Maximilians-Universität München berichtet. Die erhöhte Tumorerkennung mache das Therapie-Management effizienter und die Lebensqualität des Patienten verbessere sich. Maximilian Burger et al. berechneten in einer Studie (European Urology; DOI: 10.1016/j.eurro.2007.01.0648) eine Ersparnis durch die Methode von 1.195 Euro pro Krankheitsfall. Praktischer Nutzen ist eine gute und sichere Durchführbarkeit mit geringsten Nebenwirkungen und einer hohen Trefferquote, resümiert Urologe Marberger.

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