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Innere Medizin 8. November 2007

Weit verbreitet und lästig

Zwar werden Kondylome durch Niedrigrisiko-Typen humaner Papillomviren verursacht. Doch wer damit infiziert ist, hat ein höheres Risiko, sich auch mit Hochrisiko-Typen anzustecken. Und die können zu Krebs führen.

Es zählte zu den bahnbrechenden Fortschritten in der Medizin, als am 8. Juni 2006 die US-amerikanische Food and Drug Administration FDA eine neue Vakzine gegen eine Infektion mit vier Typen von humanen Papillomviren HPV für Frauen im Alter von neun bis 26 Jahren lizenzierte. Bald darauf folgte auch die Zulassung in Europa. An der Erforschung der HPV-Impfung hatten auch österreichische Dermatologen intensiv mitgearbeitet (die Ärzte Woche berichtete). Die Vakzine gilt weltweit neben jener gegen das Hepatitis-B-Virus – das bekanntlich zur Entwicklung des Leberkarzinoms beiträgt – als die zweite Impfung, die das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken, reduziert. Denn die High-risk-Typen der humanen Papillomviren, allen voran 16 und 18, können Gebärmutterhalskrebs verursachen. Die Ansteckung mit Low-risk-Typen (wie HPV 6 und 11) ist zwar per se nicht lebensgefährlich, kann aber den Weg für Hochrisikotypen bahnen.
Die Gefahr, sich mit HPV anzustecken – mehr als 100 Genotypen des Virus sind bekannt, 30 davon können zu Infektionen im Genito­analbereich führen –, ist hoch. Geschätzt wird, dass bis zu drei Viertel der sexuell aktiven Frauen und Männer im Verlauf ihres Lebens mit HPV infiziert werden, was lästig und langwierig sein kann. Dann nämlich, wenn die Infektion, die durch Geschlechtsverkehr, seltener durch Schmierinfektion erfolgt, zu Feigwarzen im Intimbereich führt, was trotz der hohen Durchseuchungsrate nur bei rund einem Prozent der Fall ist. Diese benignen Tumoren können stecknadelkopf- bis mehrere Zentimeter große Papeln rötlicher, graubräunlicher oder weißlicher Farbe (Condylomata acuminata) sein oder auch flacher ausgeprägt (Condylomata plana); jedenfalls stehen immer mehrere nebeneinander. Verursacher sind in aller Regel HPV 6 oder HPV 11, die Low-risk-Typen der doppelsträngigen DNA-Viren aus der Familie der Papillomaviridae.
Diagnostiziert werden Feigwarzen mittels Inspektion und Palpation. Unbehandelt können sie Monate oder sogar Jahre bestehen bleiben, dann aber auch von selbst verschwinden. Destruktive Methoden wie die Exzision, die Kauterisation oder die Laserbehandlung zeigen zwar sofortige Wirkung, sind aber mit hohen Rezidivraten verbunden. Allerdings „werden dabei nur die sichtbaren Warzen entfernt. Die Viren befinden sich aber in einem Umkreis von bis zu zwei Zentimetern“, sagte die Wiener Dermatologin Dr. Claudia Heller-Vitouch der Ärzte Woche. Auch bei den medikamentösen Therapievarianten gibt es keine hundertprozentige Heilung. Eine Behandlung ist jedenfalls angezeigt, und zwar so früh wie möglich, denn die Ansteckungsgefahr ist naturgemäß bei hoher Viruslast besonders hoch.
Zwar entarten Genitalwarzen nie. Aber wer mit Niedrigrisiko-Typen von HPV infiziert ist, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich auch mit Hochrisiko-Typen angesteckt hat, höher. Bei den Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 werden einzelne virale DNA-Bruchstücke in das zelluläre Genom eingelagert. Auch noch nach Jahrzehnten des Abklingens der akuten Infektion können Proteine produziert werden, die den zellulären Kontrollmechanismen entgehen und zur Tumorbildung führen. Nach dem heutigen Wissensstand kann man bei etwa 90 Prozent der Gebärmutterkarzinome DNA-Bruchteile von Hochrisiko-HPV 16 nachweisen. Auch bei Anal- und Peniskarzinomen, die allerdings sehr selten sind, findet man diese Virenanteile.
Der Vorstand der Dermatologischen Abteilung im Landesklinikum St. Pölten, Prof. Dr. Franz Trautinger, der ebenfalls an der Erforschung der HPV-Impfung mitgewirkt hat, kann sich aus diesem Grund neben einer Immunisierung der Mädchen auch eine Impfung der jungen Burschen vorstellen.

Teilweise Kostenübernahme

Die Kostenfrage spiele bei den Überlegungen zu diesen Impfungen natürlich eine bedeutende Rolle. „Weitere Fragen sind noch zu klären, wie lange nämlich die Impfung schützt, ob andere Viren dadurch stärker auftreten könnten, oder ob man auch gegen andere Stämme Impfstoffe entwickeln sollte“, sieht Trautinger weitere Forschungsaufgaben. „An der gynäkologischen Abteilung des Landeskrankenhauses St. Pölten haben wir bereits 15.000 Impfungen durchgeführt“, berichtet Prof. Dr. Matthias Klein, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Diesen Erfolg schreibt er allerdings vorwiegend der teilweisen Kostenübernahme seitens des Landes zu. Für Impfungen im niedergelassenen Bereich werden keine Kosten übernommen, die Beteiligung sei daher viel geringer.

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