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Innere Medizin 4. Oktober 2007

Mit einfachsten Mitteln

Das vierte der sogenannten „Millennium Development Goals“ der UNO ist die Reduktion der Kindersterblichkeit. Bis 2015 soll die Mortalität bei Kindern unter Fünf um zwei Drittel gesenkt werden. In Kenya haben Forscher mit einer einfachen Methode eine mehr als nur signifikante Reduktion der Kindersterblichkeit erreicht: Mit Insektiziden behandelte Moskitonetze senkten das Erkrankungsrisiko bei Kindern um 44 Prozent..

Frühere Untersuchungen hatten den Nutzen von Moskitonetzen in der Malariaprophylaxe bereits deutlich gemacht. Die neue Studie wurde von Dr. Greg Fegan und seinen Kollegen vom KEMRI-Wellcome Trust Research Programme durchgeführt. Die praktische Arbeit wurde in vier Regionen durchgeführt, welche unterschiedliche Malaria-Biotope beherbergen.

Alle möglichen Lebensräume

Darunter waren der Distrikt Bondo nahe dem Viktoriasee, wo das ganze Jahr über eine hohe Infektionsrate besteht; Makueni nahe der Hauptstadt Nairobi, eine semi-aride Landschaft mit nur verhältnismäßig geringer Infektionsrate; Kwali, wo Malaria jahreszeitenabhängig mit großer Häufigkeit auftritt; und Kisii, wo Malaria saisonal bedingt auftritt. In diesen Gebieten wurden 18 Schwerpunktgebiete willkürlich ausgewählt, beginnend mit dem Jahr 2004 wurde hier der Gebrauch und Einfluss Insektizid-präparierter Moskitonetze auf die Kindersterblichkeit dokumentiert. In den folgenden drei Jahren untersuchten Fegan und eine Kollegen einmal jährlich jedes der 3.500 teilnehmenden Kinder.
Fegan im Gespräch mit Lancet: „Bereits im Jahr 2001 hat Joe Armstrong in Tansania die Effektivität eines Moskitonetzprogrammes auf nationaler Ebene demonstriert. Im Jahr 2004 wurden die Moskitonetze noch mehrheitlich privat gehandelt, sieben Prozent der Kinder unter fünf Jahren schliefen unter Moskitonetzen. Ab 2005 gab es dann im Preis stark subventionierte Moskitonetze, die von Gesundheitszentren vermarktet wurden, und 2006 finanzierte der ,Global Fund‘ die Moskitonetze, die in Folge unentgeltlich verteilt wurden.“

Je mehr Netze, desto besser

Zwischen 2004 und 2006 stieg die Verbreitung der Netze von 7 auf 67 Prozent. Die Autoren der Studie stellten fest, dass die geschätzte Sterblichkeitsrate von Kindern, die unter einem imprägnierten Moskitonetz schliefen, nur 56 Prozent von jener ungeschützt schlafender Kinder betrug, was einem schützenden Effekt von 44 Prozent entspricht. Pro tausend präparierter Moskitonetze seien wahrscheinlich sieben Todesfälle verhindert worden, schätzen die Wissenschaftler: „Allerdings gibt es je nach Region bedeutende Abweichungen in der Sterblichkeit – die stärksten Effekte wurden in Gebieten mit hoher Malaria-Übertragungsrate erzielt.“ Ein Paradoxon der Studie: Die Gesamt-Kindersterblichkeit in den vier Regionen wurde durch die Moskitonetze nicht gesenkt.
Schuld daran sei das Wetter, meint Fegan: „2003 und 2004 hat es viel geregnet, 2005 war Dürre und 2006 sahen wir die fünffache Niederschlagsmenge und Überflutungen. Das Wetter hat großen Einfluss auf die Malaria-Biotope.“ Andere Faktoren, welche die Kindersterblichkeit beeinflussen, wie HIV-Infektionen, AZT-Therapie und TBC, wurden in der Studie ebenfalls nicht berücksichtigt – der positive Effekt der Moskitonetze ist dennoch deutlich.
Die Studienautoren betonen: „Spenderorganisationen sollten die Investition in Moskitonetze als sinnvoll verwendetes Geld be­trachten.“

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 40/2007

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