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Innere Medizin 9. Oktober 2007

Quecksilber: Entwarnung?

Können Impfungen Autismus auslösen? Diese Frage beschäftigt in den USA nicht nur Ärzte, sondern auch Gerichte. Obwohl offizielle Impfexperten keinerlei Zusammenhang zwischen Autismus und thiomersalhaltigen Impfungen sehen, gibt es in den USA wie auch in Europa Kreise, die fest daran glauben, dass Vaccinationen neuropsychologische Defizite verursachen. Dabei geht es auch um Geld.

Mehr als 5.000 Familien mit neuropsychologisch defizitären Kindern verlangen Wiedergutmachung vom US-amerikanischen Vaccine Injury Compensation Program (VICIP). Erscheint ein Zusammenhang zwischen Impfung und Erkrankung naheliegend, erhalten betroffene Familien bis zu 250.000 Dollar Schmerzensgeld. Wobei Autismus nicht auf der Liste der Impfungs-assoziierten Erkrankungen aufscheint, und die amerikanischen Behörden bisher 300 Anträge von Eltern autistischer Kinder abgelehnt haben. Das VICIP wurde 1988 ins Leben gerufen. Damals hatten britische Forscher die Diphterie-Pertussis-Tetanus-Impfung mit neurologischen Schäden bei Impflingen in Verbindung gebracht. ­Diese Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Die Aufregung war jedoch groß, viele britische Eltern ließen ihre Kinder nicht impfen, 70 starben damals an Keuchhusten.

Wer suchet, der findet: CDC

Eine Untersuchung des US-amerikanischen Center for Disease Control klärt das Verhältnis zwischen Thiomersal und neuropsychologischen Defiziten weiter auf (NEJM Vol 357:1281-1292; Sept 27,2007). 1.047 Kinder zwischen sieben und zehn Jahren wurden standardisierten neuropsychologischern Tests unterzogen. Anhand von Impfpässen, medizinischen Unterlagen und Befragungen der Eltern der Patienten wurde die Thiomersalexposition erhoben. Im Fokus der Aufmerksamkeit der Forscher standen etwaige Korrelationen zwischen Thiomersal-Exposition in der Pränatalperiode, der Neonatalperiode (von der Geburt bis zum 28. Lebenstag) und den ersten sieben Lebensmonaten und den neuropsychologischen Fähigkeiten. 42 Testergebisse waren neuropsychologisch auffällig, nur bei wenigen konnten signifikante Zusammenhänge mit Thiomersal und Quecksilber hergestellt werden. Diese Zusammenhänge waren teils positiver, teils negativer Natur.

Unterschiedliche Ergebnisse

Erhöhte pränatale Quecksilberexposition war assoziiert mit besseren Ergebnissen bestimmter Sprachtests und schlechteren Ergebnissen beispielsweise in neuropsychologischen Aufmerksamkeitstests. Höhere Quecksilberbelas­tung bis zum siebten Lebensmonat war in einem Fall mit besseren feinmotorischen Fähigkeiten verbunden, während Thiomersalbelastung bis zum 28. Lebenstag in einer Messung in schlechterer Artikulationsfähigkeit und einer anderen in verbesserten feinmotorischen Leistungen resultierte. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen thiomersalhaltigen Impfungen und neuropsychologischen Defiziten im siebenten bis zehnten Lebensjahr besteht.
In Großbritannien muss mittlerweile Dr. Andrew Wakefield dem General Medical Council Rede und Antwort stehen. Er hatte 1998 einen Artikel publiziert, welcher die Risiken der MMR-Impfung hervorhob. Seine Ergebnisse hielten kritischer Überprüfung jedoch nicht stand, auch hatte Wakefield es unterlassen, auf sein Naheverhältnis zu Anwälten der Impfgegner hinzuweisen.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 41/2007

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