zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Oktober 2007

Brustkrebs bei Migrantinnen

Die Heilungschancen bei Brustkrebs sind umso höher, je früher die Krankheit erkannt wird – am besten dann, wenn noch kein Knoten tastbar ist. Und das gilt auch für Migrantinnen in Wien.

Bis zum 60. Lebensjahr ist die häufigste Krebserkrankung bei der Frau das Mammakarzinom. Die gute Nachricht: Zeitgleich mit dem stark verminderten Einsatz von Hormonersatztherapie aufgrund der Ergebnisse der (vorzeitig abgebrochenen) Women Health Initiative (WHI)-Studie im Jahr 2002 hat in den USA die Brustkrebsinzidenz um 8,6 Prozent abgenommen. Und ein weiterer Rückgang um bis zu 30 Prozent ist zu erwarten. Die moderne Behandlung des Brustkrebs gibt mit neuen Medikamenten wie Herceptin® vielen Patientinnen eine Chance auf Heilung und Brust­erhaltung.

Risiko Aufklärungskampagnen?

Doch nach wie vor ist es von entscheidender Bedeutung, in welchem Stadium die Krebserkrankung entdeckt wird: Die Heilungschancen sind am größten, wenn der Tumor entdeckt wird, bevor er überhaupt eine tastbare Größe erreicht hat: „Wohlmeinende Awarenesskampagnen, welche eine Selbstuntersuchung der Brust propagieren, können ein zweischneidiges Schwert sein“, meint dazu Mag. Karin Eger, die Leiterin der Abteilung Gesundheitspolitik und Prävention der Wiener Gebietskrankenkasse WGKK, im Rahmen eines Pressegespräches anlässlich des 1. Wiener Brustgesundheitstages. Da kleinste Tumoren nämlich noch nicht getastet werden können, würden sich Frauen, die allein auf die Selbstuntersuchung setzen, in trügerischer Sicherheit wiegen.
In Wien werden Mammakarzinome später erkannt als im Bundesdurchschnitt, dementsprechend höher ist die Mortalität, wie die Präventionsspezialistin weiß: „Von 100.000 Frauen sterben in Wien 24 an Brustkrebs, im Bundesdurchschnitt sind es nur rund 20. Konkret sind in Wien im Jahr 2006 400 Wienerinnen an Brustkrebs gestorben, das ist mehr als ein Viertel aller österreichischen Brustkrebstoten.“

Bund fördert Pilotprojekt

Aus diesem Grund hat die WGKK zusammen mit der Stadt Wien und den anderen Wiener Krankenversicherungsträgern das Pilotprojekt „Ich schau auf mich“ ins Leben gerufen. Besonders Frauen mit Migrationshintergrund sollen angesprochen werden, weshalb das Vorhaben vergangenen Sommer in den Bezirken 15, 16 und 17 gestartet wurde. „Die Frauen werden mit einem mehrsprachigen persönlichen Brief eingeladen, zu einer kos­tenlosen Mammographie in eines unserer Screeningzentren zu kommen.“ Die Screeninguntersuchungen finden zum einen im Hanusch-Krankenhaus statt, welches auch eventuelle notwendige weiterführende Behandlungen durchführt, zum anderen führen auch zwei niedergelassene Radiologen Screeninguntersuchungen durch. Jede Röntgenaufnahme wird so von zwei Radiologen unabhängig voneinander begutachtet, und bei differierenden Meinungen wird ein dritter Experte zugezogen. Bei Bedarf überweisen die Radiologen ins Wilhelminenspital Und hier möchte Eger auch einen klaren Unterschied zu bloßen Werbekampagnen betonen, denn mit dem Projekt sei eine hochwertige Infrastruktur geschaffen worden. Interessierte Frauen können sich bei einer mehrsprachigen Telefonauskunft informieren und Termine vereinbaren, die Geräteausstattung und die Personalschulung entsprechen den Richtlinien der Europäischen Union. „Ich schau auf mich“ wird bis Ende 2008 laufen, etwa 25.000 Frauen werden eingeladen.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 44/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben