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Innere Medizin 5. Juli 2007

„anders denken“

Die Tagung geht dieses Jahr erstmals weit über den medizinisch-wissenschaftlichen Bereich hinaus. Damit möchten die Veranstalter in der Gesellschaft ein Umdenken bewirken.

Das Motto des Kongresses – „anders denken“ – bedeute auch, dass Menschen sich wieder mehr dessen bewusst werden sollen, dass HIV und Aids nicht auf bestimmte Risikogruppen beschränkt sind, wie die Präsidentin der Österreichischen AIDS-Gesellschaft Dr. Brigitte Schmied schon im Vorfeld in einem Interview mit der Ärzte Zeitung sagte. Jeder könne sich infizieren, der ein bestimmtes Risikoverhalten hat. Dass der jetzt beobachtete Anstieg der Zahl der Neu-Infektionen ihrer Ansicht nach nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass vermehrt getestet wird, sehe man zum Beispiel an der Zunahme anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen wie Syphilis und Gonorrhoe.
„Und daraus kann man den Umkehrschluss ziehen, dass die Verwendung von Kondomen sehr unzureichend ist“, so Schmied. Sexuell übertragbare Erkrankungen fördern das Risiko, eine HIV-Infektion weiterzugeben oder sich selbst zu infizieren. Die wichtigste Präventionsmaßnahme sei, Menschen je nach Risikoverhalten über die Infektionsrisiken zu informieren.

Den HIV-Serostatus kennen

„Eigentlich sollte jeder sexuell aktive Mensch seinen HIV-Serostatus kennen“, forderte Schmied. Unter Umständen leben HIV-Infizierte zehn Jahre mit dem Erreger, ohne es zu wissen und ohne Chance, eine Therapie zu erhalten oder den Partner vor HIV schützen zu können.
Schmied: „Bei einer erfolgreich behandelten HIV-Infektion mit komplett supprimierter Virusmenge ist auch das Infektionsrisiko stark vermindert. Wenn es HIV-Infizierte gibt, die promiskuitiv leben und kein Kondom verwenden können oder wollen, dann ist es durchaus auch eine Option, eine solche Therapie vorzuschlagen.“ Denn mit einer kompletten Virussuppression – wenn nicht noch andere Geschlechtskrankheiten vorliegen – sei das Infektions- und Transmissionsrisiko nur marginal, so Schmied. Insofern müsse es unkompliziert sein, sich auf HIV tes­ten zu lassen.
Noch immer werden die ersten Symptome der HIV-Krankheit von Ärzten, die mit der Erkrankung wenig vertraut sind, nicht erkannt. Schmied: „Die häufigste Differenzialdiagnose und sehr oft Fehldiagnose ist das Pfeiffersche Drüsenfieber, also die durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöste infektiöse Mononukleose.“ Die akute HIV-Infektion gehe sehr häufig mit gastrointestinalen Beschwerden, mit Fieber, Lymphknotenschwellungen und bei vielen HIV-Infizierten auch mit einem Exanthem, vor allem am Körperstamm, einher. Es könne auch zur Erhöhung der Leberfunktionsparameter kommen. Bei solchen Patienten sei die Anamnese besonders wichtig und auch die Frage nach einem möglichen ungeschützten sexuellen Kontakt. Dann könne den Betroffenen ein HIV-Test angeboten werden. Allerdings ist der HIV-Antikörper-Test zu diesem Zeitpunkt noch negativ. Nur mit einem Test, der das Virus direkt nachweist, kann zum Zeitpunkt der akuten HIV-Infektion die Diagnose sichergestellt werden.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 27/2007

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