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Innere Medizin 5. Dezember 2007

GERD: Mehr als nur unangenehm

Die Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) kann sich durch Sodbrennen, Regurgitation, Übelkeit oder Völlegefühl bemerkbar machen. Doch auch bei extraösophagealen Symptomen wie Asthma bronchiale, chonischem Husten sowie Heiserkeit und Laryngitis sollte man die Refluxerkrankung als Differentialdiagnose nicht außer Acht lassen. In den letzten Jahren haben sich als First-Line-Therapie Protonenpumpenhemmer durchgesetzt.

GERD ist ein belastender Begleiter von rund 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung und kann sich durch drei Entitäten manifestieren. Unterschieden werden die Refluxösophagitis (ERD), die nicht erosive Refluxkrankheit (NERD) sowie der Barrett-Ösophagus. Nicht immer sind dabei morphologische Korrelate zu finden, lediglich bei 40 Prozent der Betroffenen lässt sich die Erkrankung endoskopisch verifizieren. In 75 Prozent der Fälle kann die Klinik den Weg zur richtigen Diagnose weisen. Besonders hilfreich ist hierbei der PPI-Test: Über einen Zeitraum von zwei Wochen werden hoch dosiert Protonenpumpenhemmer (PPI) verabreicht – eine Linderung der Beschwerden spricht für das Vorliegen einer GERD.
Für das typische Beschwerdebild ist letztendlich eine Insuffizienz des unteren Ösophagussphinkters verantwortlich. Dadurch können Magensäure, Pepsin sowie Gallensäure in die Speiseröhre zurückfließen und dort Schäden verursachen. Alarmsignale wie Dysphagie, Odynophagie und B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) sollten immer zur weiteren raschen Abklärung veranlassen, nicht zuletzt, da der Barrett-Ösophagus ein (geringes) malignes Entartungsrisiko in sich birgt. Prinzipiell muss nicht jeder symptomatische Patient endoskopisch überwacht werden, eine einmalige Gastroskopie ist jedoch sehr wohl zu empfehlen.
Therapeutisch steht zunächst die konservative Behandlung an, gefolgt von operativen und endoskopischen Verfahren. Bereits einfache Maßnahmen wie Schlafen mit erhöhtem Oberkörper, Verzicht von Alkohol, fetten Speisen, kohlesäurehaltigen Getränken, Zitrusfrüchten und Tomatenprodukten wirken lindernd. Laut aktuellen Studienergebnissen stellt speziell die bauchbetonte Fettansammlung ein Risikofaktor dar, wie Prof. Dr. Gerald Brandstätter, Leiter des Departments für Gastroenterologie im LKH Graz West, bei der diesjährigen Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie im Juni in Innsbruck erklärte.
Medikamentös bringen Antazida rasche, jedoch nicht lang anhaltende Beschwerdefreiheit. Unter H2-Rezeptorenblockern liegt die Heilungsrate etwa bei 50 Prozent. PPI sollten am besten 20 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden. Eine Remission wird damit in ca. 90 Prozent erreicht und im Gegensatz zu H2-Blockern auch aufrecht erhalten. Nach Abklingen der Beschwerden kann versucht werden, die Medikation schrittweise abzusetzen, gut die Hälfte der GERD-Patienten benötigen jedoch eine PPI-Dauertherapie.
Die extraösophagealen Symptome der GERD wie trockener Husten, Heiserkeit und Rachenschmerzen sprechen auf die PPI-Therapie allerdings nur unzureichend an, wie Brandstätter ausführte.

Kein Verdrängungswettkampf

Stellt sich unter der optimierten PPI-Therapie (Überprüfung der korrekten Einnahmezeit, Steigerung und Aufteilung der Dosierung) keine Beschwerdefreiheit ein, können operative Verfahren zum Einsatz kommen. Doz. Dr. Gerhard Schwab, Leiter der Chirurgischen Abteilung im Landesklinikum Krems, präsentierte dazu Daten der LOTUS-Studie. Verglichen wurde über einen Zeitraum von drei Jahren der Protonenpumpenhemmer Esomeprazol mit der laparoskopischen Fundoplikatio. Unter einer konservativen Dauertherapie zeigten sich 93 Prozent der Studienteilnehmer in Remission, nach der Fundoplikatio 90 Prozent. Schwab bezeichnet die laparoskopische Variante nicht als Konkurrenz zur konservativen Therapie, sondern als wertvolle Ergänzung bei Therapieversagen.
Endoskopische Verfahren wie full-thickness plicatio und Radiofrequenzablation betrachtet der Experte hingegen aufgrund unbefriedigender Studienergebnisse kaum als zielführend.
Derzeit wird fieberhaft an neuen konservativen Therapieansätzen geforscht. So konnten Baclofen, Tegaserod und Odansetron die Anzahl und Dauer der Refluxepisoden unter Studienbedingungen reduzieren. „Die zukünftige GERD-Therapie könnte also ein optimaler Säure- plus Refluxblocker in einer Tablette sein“, resümierte Brandstätter.

Höfler-Speckner, Ärzte Woche 49/2007

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