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Innere Medizin 19. Juli 2007

Verdauung: Auseinandersetzung der Innenwelt mit der Außenwelt

Die zentralen Themen der Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie ÖGGH waren chronische Erkrankungen des Verdauungstrakts und die Schlüsselrolle des Gastroenterologen bei onkologischen Erkrankungen des Verdauungssystems. Dabei standen diagnostische Methoden und biologische Therapieansätze im Vordergrund.

In den vergangenen Jahren wurden die neuen Verfahren Endosonographie, Chromoendoskopie, Narrow Band Imaging (NBI) oder endoskopische Submukosaresektion entwickelt. Die Technik des Narrow Band Imaging verwendet schmalbandige Lichtfilter und dezidierte Lichtquellen zur Kontrastanhebung von Oberflächenstrukturen. Das NBI kann beispielsweise Gefäßmuster besser darstellen und Hinweise auf das Vorliegen einer Dysplasie geben.
Die Chromoendoskopie kann zur Detektion flacher und eingedellter Läsionen im Verdauungstrakt genutzt werden. Bei dieser Methode werden Farbstoffe wie zum Beispiel Indigocarmin zur Demarkierung von Schleimhautbezirken verwendet. Diese Bereiche der Schleimhaut können mit dieser Technik gezielt und besonders treffsicher punktiert werden.
Mit Hilfe der Endosonographie gelingt die Abschätzung der Infiltrationstiefe von verdächtig erscheinenden Schleimhautbezirken. Die Diagnosemethode ist somit entscheidend für das weitere therapeutische Vorgehen. Auch die Diagnostik von Pankreas- und Gallengangserkrankungen wurde so deutlich verbessert.

Qualitätssicherung nötig

Je ausgefeilter die technischen Entwicklungen für Diagnose und Therapie werden, desto wichtiger ist die unablässige Schärfung der spezifischen Fertigkeiten der Personen, die mit diesen Methoden arbeiten. „Die Arbeit des Endoskopikers sollte jedenfalls einer sorgfältigen Qualitätssicherung unterliegen“, betonte der Präsident der ÖGGH und Tagungsleiter Prof. Dr. Wolfgang Vogel.
Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist es zu einer Neugestaltung der Therapie gekommen. Das erweiterte Verständnis über die molekularbiologischen Vorgänge bei der Krankheitsentstehung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, von metabolischen Lebererkrankungen und Karzinomen ermöglichte die Entwicklung von spezifischeren Behandlungsformen.

Erhöhte Lebenserwartung

Neue Therapieoptionen, die auf Basis von molekularbiologischen Erkenntnissen entwickelt wurden und gegen Morbus Crohn eingesetzt werden, stellen die Anti-TNF-alpha-Antikörper wie Infliximab, Adalimumab und Certolizumab, dar. Diese kleinen Moleküle werden therapeutisch gezielt (targeted) eingesetzt. Sie blockieren wichtige Zielmoleküle, wie die Rezeptoren für Zellwachstum und die von ihnen abhängigen Signalwege in den Zellen. Diese Medikamente haben die Lebenserwartung von Patienten, die an gastrointestinalen Malignomen erkrankt sind, deutlich erhöht. TNF-alpha spielt eine Rolle bei der Entzündungsvermittlung, aber die genauen Wirkmechanismen sind unklar. Prof. Dr. Arthur Kaser von der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der MedUni Inns­bruck berichtete über die Erkenntnisse, dass Darmepithelzellen einen Einfluss auf die Entzündungsmechanismen ausüben. Speziell die Paneth-Zellen regulieren interleukinmediiert die Funktion dendritischer Zellen in der Schleimhaut und so den inflammatorischen Tonus der Mucosa. Und die Darmepithelzellen beeinflussen die bakterielle Flora im Darm. Crohn-Patienten weisen oft eine gestörte Funktion auf, die durch genetische Polymorphismen bedingt zu sein scheint, vermutet Kaser.

Höfler-Speckner, Ärzte Woche 28/2007

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