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Innere Medizin 14. Dezember 2007

Mit Hochdruck auf Infosuche

Arterielle Hypertonie ist eines der größten Gesundheitsprobleme weltweit. Die Ärzte Woche hat dazu eine Auswahl von Websites für Mediziner und Portalen für Patienten besucht und die Inhalte beschrieben und bewertet.

Die WHO nennt erhöhten Blutdruck auf ihrer Website www.who.int als ersten von sieben Hauptrisikofaktoren, die gemeinsam für mehr als die Hälfte der „globalen Krankheitslast“ verantwortlich seien. Die weiteren sind erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht, Bewegungsmangel, niedriger Verzehr von Obst und Gemüse, Alkoholmissbrauch und Rauchen. An Bluthochdruck, so die WHO, litten Schätzungen zufolge weltweit mindestens 600 Millionen Menschen. Er verursache geschätzte 7,1 Millionen oder 13 Prozent der weltweit pro Jahr auftretenden Todesfälle. Die WHO spricht sich unter www.who.int/dietphysicalactivity/publications/facts/riskfactors/en deshalb für kosteneffektive nationale Programme für die ganze Bevölkerung aus, um erhöhtem Blutdruck und anderen Gesundheitsrisiken entgegenzuwirken. Solche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung sollen laut der WHO unter anderem zu mehr Bewegung, erhöhtem Obst- und Gemüsekonsum und Rauchverzicht anregen.

Wie groß ist die Prävalenz?

Erhöhter Blutdruck ist also unbestritten ein gravierendes globales Gesundheitsproblem. Wie groß es tatsächlich ist, lässt sich in Zahlen nicht auf Kommastellen genau angeben. Einerseits aufgrund der weiten Verbreitung, andrerseits wohl auch aufgrund der Schwierigkeit, das Leiden in Abhängigkeit vom Alter exakt zu definieren. Ein Artikel, der nicht nur die Datenlage gut beschreibt, findet sich im Web im „Flexikon“, flexikon.doccheck.com. Das ist ein interaktives „Medizinlexikon zum Mitmachen“ des Fachportals DocCheck, das rund 20.000 Seiten umfasst. Ähnlich wie beim bekannten Online-Lexikon www.wikipedia.org kann hier jeder als Autor neue Seiten anlegen oder bestehende verändern.
Unter flexikon.doccheck.com/Hypertonie heißt es: „Die Angaben in den verschiedenen epidemiologischen Studien weichen… teilweise deutlich voneinander ab. Eine Studie aus dem Jahr 2003, die in sechs europäischen Ländern, Kanada und den USA durchgeführt wurde, gibt die Prävalenz der Hypertonie in Europa mit 44 Prozent der Bevölkerung über 35 Jahre an. Für die USA wird eine Prävalenz von 28 Prozent angegeben. Als grobe Näherung lässt sich sagen, dass
• im Alter zwischen 45 bis 54 Jahren 20 bis 30 Prozent,
• im Alter zwischen 55 bis 64 Jahren 30 bis 40 Prozent und
• im Alter zwischen 65 bis 74 Jahren 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung in Europa unter Bluthochdruck leiden.“

Infos auf Patientenportalen

Da arterielle Hypertonie so weit verbreitet ist, finden sich natürlich auch auf den großen Internetplattformen für Patienten zahlreiche Informationen dazu. Die Ärzte Woche hat sich bei einigen renommierten Gesundheitsportalen näher angesehen, welche Inhalte zu diesem populären Thema angeboten werden:
www.onmeda.de ist ein großer deutscher Webauftritt für den Bereich Medizin und Gesundheit, der im Vorjahr bei einem eingehenden Test von Medizinsites durch ein großes deutsches Computermagazin den ersten Platz belegt hat. „Bluthochdruck“ ist hier auch über den Link „häufigste Erkrankungen“ zugänglich. Ebenso wie andere Themen wird auch dieses bei Onmeda sehr informativ und übersichtlich dargestellt. Es ist in verschiedene einzelne Info-Bereiche unterteilt: „Überblick“, „Definition“, „Ursachen“ und „Symptome“ von Bluthochdruck sowie „Diagnose“, „Therapie“, „Verlauf“ und „Vorbeugen“. Unter „Ratgeber“ finden sich zum Beispiel ICD-10-Codes für Hypertonie, Arzneimittelinformationen sowie einzelne Linktipps. Auch die Quellenangaben für den Online-Artikel fehlen nicht. Insgesamt also ein empfehlenswertes Angebot.
Das gilt auch für die Informationen zum Thema „Bluthochdruck“ bei www.gesundheitpro.de, dem Gesundheitsportal des deutschen Wort & Bild Verlages, der unter anderem die „Apotheken Umschau“ herausgibt. Der Artikel enthält alle wesentlichen Informationen für Patienten und ist ebenso wie die gesamte Plattform grafisch sehr ansprechend aufbereitet. Das Aktualisierungsdatum wird angegeben, was bei Internet-Infos besonders wichtig ist und auch der Verweis auf die ursprüngliche Quelle der Angaben – nämlich das österreichische Portal „surfmed“ – fehlt nicht.
Nicht ganz so umfangreich, aber ausreichend sind die Informationen zu „Erhöhtem Blutdruck“ im „Krankheitslexikon“ von www.netdoktor.at. Grafische Gestaltung und Navigation könnten hier jedoch nach unserer Einschätzung noch verbessert werden. Beim deutschen Schwesterportal www.netdoktor.de wird das Thema „Bluthochdruck“ übersichtlicher dargestellt. Hier gibt es auch ein Menü für die Teilbereiche „Beschreibung“, „Ursachen“, „Symptome“, „Diagnose“, „Therapie“, „Vorbeugen“ und „Prognose“ der Erkrankung. Prinzipiell erscheinen aber beide Netdoktor-Websites als grundlegende Information für Patienten geeignet.

Internationale Fachgesellschaften online

Die nationalen ebenso wie die internationalen Fachgesellschaften wenden sich mit ihrem Info-Angebot im Internet in erster Linie an ein Publikum aus Fachleuten. Allerdings nicht ausschließlich, weshalb etwa die „Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie“ auf ihrer Website www.hochdruckliga.at auch einen Bereich für „Laien“ eingerichtet hat, dem unter anderem zu entnehmen ist, wie der Blutdruck richtig gemessen werden sollte. Die „Deutsche Hochdruckliga“ bietet unter www.hochdruckliga.de ebenfalls Fach- und Patienteninformationen an. Eine eigener Menüpunkt informiert über offizielle „Publikationsorgane“. Das „Journal für Hypertonie“ wiederum ist das Organ der Österreichischen Fachgesellschaft. Über die Website www.kup.at/journals/hypertonie sind unter anderem die aktuellen Empfehlungen für Klassifikation, Diagnostik und Therapie der Hypertonie zugänglich.

Auf zur Spree: Gemeinsamer Kongress 2008

Als internationale Fachgesellschaften sind unter anderem die „International Society of Hypertension (ISH)“ und die „European Society of Hypertension“ (ESH) zu nennen, die noch im Vorjahr jeweils eine eigene Tagung ausgerichtet haben. 2008 werden sie jedoch gemeinsam einen großen Kongress ausrichten. Die internationale Tagung „Hypertension 2008“ wird vom 14. bis zum 19. Juni in Berlin stattfinden. Das Wissensforum wird sich mit neuen Strategien und Leitlinien für die Therapie von erhöhtem Blutdruck, mit der Behandlung von Bluthochdruck bei Kindern, Nierenerkrankungen und -transplantationen, der Prävention und Therapie von Schlaganfällen und zahlreichen weiteren Themen befassen. Details können den Websites der ISH, www.ish-world.com, sowie der ESH, www.eshonline.org, entnommen werden.

 Fakten

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche

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