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Innere Medizin 22. Mai 2007

Die Schmerzen der Golfer

Wer die Platzreife hat, tut seinem Körper Gutes, meint man. Es gibt jedoch einige typische Überlastungsbeschwerden gerade bei Amateuren, die durch den stereotypen Bewegungsablauf entstehen können. Leichtere „Golferleiden“ sind schon durch einige Trainerstunden, das heißt die richtige Spieltechnik, zu verbessern.

 Golfer
Wer Golfer behandelt, sollte wissen, wovon sie reden, wenn sie „Green“ sagen.

Foto: Golf Clinics

Einst Freizeitbeschäftigung einer Elite, hat sich Golf inzwischen zum Breitensport gemausert. Gerade bei Amateuren kommt es dabei oft zu Belastungsbeschwerden. Wer vergleichsweise oft unabsichtlich Divots verursacht oder sehr häufig im Bunker anzutreffen ist, bei dem liegt der Verdacht nicht fern, dass seine Schlagtechnik nicht zur allerbesten gehört. (Für Nichtgolfer: Ein „Divot“ ist die vornehm-fachsprachliche Umschreibung für ein Rasenstück, das vom Golfer bei seinem Schlag aus dem Boden herausgerissen wird. Bei einem „Bunker“ handelt es sich um künstliche oder natürliche Sandhindernisse auf der Golf-Spielbahn.)
Schlechte Technik in Kombination mit relativ häufigem Spiel kann jedoch bei Hobby-Golfern die Hauptursache für typische Überlas­tungsbeschwerden des Bewegungsapparates sein.

Bis zu 100 Schläge an einem Sonntag

Dazu meint der Salzburger Unfallchirurg und Sporttraumatologe Dr. Nicholas Matis: „Bei einer Runde über 18 Löcher werden bei mittlerer Spielstärke immerhin rund 90 bis 100 Schläge ausgeführt und zusätzlich ebenso viele Probeschwünge. Wenn die Schläge technisch nicht richtig ausgeführt werden, kann es durch die hohe Zahl an Bewegungswiederholungen leicht zu Problemen im Bereich jener Gelenke kommen, die dabei besonders stark beansprucht werden.“
Neben der richtigen Ausführung der Schläge ist auch von Bedeutung, in welchem Trainingszustand sich der Spieler insgesamt befindet und speziell, ob bestimmte Bauch- und Rückenmuskeln ausreichend gekräftigt sind. Außerdem ist es beim Golf ebenso wie bei anderen Sportarten günstig, sich ausreichend aufzuwärmen und eventuell Stretching-Übungen für die besonders beanspruchten Muskeln auszuführen.
Besonders häufig kommt es beim Golf zu Überlastungen der Muskulatur und der Bandscheibenstrukturen im Bereich der Lendenwirbelsäule, speziell wenn diese beim „Finish“ eines Schwunges zu stark verwunden wird.

Zahlreiche Folgen

„Als Folge können Rückenschmerzen, Gelenks- und Wirbelblockaden, Ischiasschmerzen und in letzter Konsequenz auch Nervenausfälle im Rahmen von Bandscheibenvorfällen auftreten“, sagt Matis und ergänzt: „Selbstverständlich ist stets auch zu beachten, ob bereits Vorerkrankungen bestehen.“
Als „Golferellenbogen“ wird eine Epicondylitis humeri ulnaris bezeichnet. Symptome wie eine Reizung der Knochenhaut, der Sehnenanteile und der angrenzenden Muskulatur an den Knochenvorsprüngen des Oberarmknochens am Ellenbogen treten bei Golfspielern gehäuft an der Ellenseite des Ellenbogens auf – während eine gleichartige Erkrankung an der Speichenseite bekanntlich als „Tennisellenbogen“ bezeichnet wird.

 Verletzungen von Amateurgolfern
Für diese Tabelle wurden Angaben von 708 Amateurgolfern und -golferinnen ausgewertet, die sich bei dieser Sportart eine oder mehrere Verletzungen zugezogen hatten.

Bei Rechtshändern meist die linke Schulter

Auch die „Golferschulter“ wird häufig durch eine fehlerhafte Schwungausführung verursacht. Wegen des größeren Bewegungsumfanges beim Schlag ist bei Rechtshändern meist die linke Schulter betroffen. Zu den typischen Krankheitsbildern zählen Überlastungen des Schultereckgelenkes zwischen Clavicula und Acromion. Beim „Impingement“ wird entzündlich verändertes Gewebe zwischen Oberarmkopf und Schulterdach eingeklemmt.
„Die Symptome reichen von einem Schweregefühl im gesamten Arm über Nachtschmerz und Schmerzen bei bestimmten Bewegungen bis zur Bewegungseinschränkung“, erklärt Matis. Auch Rupturen der Sehnen der Rotatorenmanschette sind möglich. Davon sind meist Patienten über 40 Jahren betroffen. Als Therapie kann dann die chirurgische Wiederherstellung der Sehnen ratsam sein.

Trainerstunden als Therapie

„Operationen sind bei typischen ,Golfbeschwerden’ aber vergleichsweise selten notwendig“, betont Matis, der als Oberarzt an der Salzburger Landesklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie tätig und auf Gelenkschirurgie an Schulter, Knie und Hand spezialisiert ist.
Meist sei es ausreichend, wenn sich die Patienten einige Wochen schonen, die betroffenen Stellen gekühlt und eventuell auch Schmerzsalben, eine orale Schmerztherapie, Infiltrationen oder Physiotherapie angewendet werden, so Matis: „Oft sollte der erste Rat an die Betroffenen aber einfach lauten, einen professionellen Golftrainer aufzusuchen und die Schlagtechnik zu verbessern. Sonst ist es leicht möglich, dass die Beschwerden wieder akut werden, sobald wieder mit dem Golfspiel begonnen wird.“

Spezielles Marketing- und Behandlungskonzept

Angesichts der stetig steigenden Zahl von Anhängern der Ballsportart (siehe auch Kasten: „Golf boomt“) wurde in Deutschland mit den „Golf Clinics“ auch schon ein spezielles Marketing- und Behandlungskonzept für die typischen Beschwerden von Golfern entwickelt. „Wir haben derzeit 35 Standorte in Deutschland und aktuell zwei Anfragen aus Österreich“, freut sich Lutz Gerhards, Geschäftsführer der Golf-Clinic GmbH, mit Sitz in Schwelm in Nordrhein-Westfalen. Zu den bestehenden „Golf Clinics“ zählen vor allem Krankenhäuser oder große Rehabilitationseinrichtungen, beispielsweise die Asklepios Stadtklinik Bad Tölz oder das Hanse-Therapiezentrum Lübeck. „Voraussetzung für eine Zertifizierung als ,Golf Clinic’ ist ein hoher Standard an Geräten für die Leistungsdiagnostik“, betont Gerhards, der das Unternehmen gemeinsam mit Artur Frank, dem Physiotherapeuten des Golf Teams Germany betreibt.
Konzeptpartner ist die Professional Golfers Association (PGA) of Germany. Pro Monat sind von einer zertifizierten „Golf Clinic“ Lizenzgebühren von 199 Euro zu bezahlen. In einem achttägigen Kurs, der rund 1.000 Euro kostet, wird Physiotherapeuten und Ärzten zudem grundlegendes Wissen zu Themen wie der „videounterstützten Schwunganalyse“, „golfspezifischen Tests von Koordination und Gleichgewicht“ oder auch Trainingsplanung für Golfer vermittelt.
„Selbstverständlich können jene Beschwerden, die häufig beim Golf auftreten, von jedem entsprechend qualifizierten Mediziner behandelt werden“, weiß Gerhards. Für eine kausale Therapie sei es aber günstig, auch über die Charakteristika dieser Sportart informiert zu sein, so der „Golf Clinics“-Geschäftsführer: „Wer Golfer behandelt, sollte in der Lage sein, deren Sprache zu sprechen.“

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche 21/2007

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