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Innere Medizin 28. September 2007

Gute Sicht für gute Vorsorge

Die Darmkrebsvorsorge kommt in Österreich langsam in Mode. Sie wird als Bestandteil der Gesundenuntersuchung heute merkbar öfter empfohlen und aufgrund guter Vorbereitungslösungen immer besser.

An die 300.000 kolorektale Karzinome treten jährlich in Europa auf, womit sie zu den am häufigsten diagnostizierten Neoplasien zählen. Ähnlich wie beim Mammakarzinom ist durch ein Screening die Früherkennung und Heilung möglich. Die Methode der Wahl, pathologische Veränderungen im Dickdarm früh zu erkennen, ist die Darmspiegelung. Nur sie bietet die Möglichkeit, Schleim­hautwucherungen nicht nur visuell zu erkennen, wie dies auch radiologische Verfahren können, sondern durch gleichzeitige Probenentnahme histologisch zu verifizieren oder auch gleich entfernen.
Da bereits Läsionen unter sieben Millimeter Durchmesser Neoplasien sein können, bestehen hohe Ansprüche an die Diagnostik. Während radiologische Methoden bei der Auffindung von Polypen unter acht Millimeter oft versagen, bietet die Endoskopie hier noch gute Ergebnisse. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch eine adäquate Darmreinigung. Studiendaten aus den USA ergaben, dass bei etwa 25 Prozent der Patienten, die sich einer Koloskopie unterzogen, der Darm unzureichend vorbereitet war. Nach Meinung führender europäischer Gastroenterologen sind diese Zahlen auf Europa übertragbar. Wenn bei der Betrachtung der Kolonmukosa nur Teile der Schleimhaut unerkannt bleiben, besteht natürlich die Möglichkeit, eine Krebserkrankung zu übersehen. Besonders kritisch ist die Reinigung des Colon ascendens zu beurteilen. Hier liegen die Polypen zu 80 Prozent als flache Läsionen vor, und ihr malignes Degenerationsrisiko ist im Vergleich zu gestielten Polypen doppelt so hoch.

Zuviel Flüssigkeit

Mit den bislang erhältlichen Vorbereitungslösungen ist eine effiziente Darmreinigung zwar möglich, sie wird jedoch von den Patienten wegen der hohen Trinkmenge als unangenehm beschrieben. Mit der gebräuchlichen Polyethylenglycol (PEG)-Elektrolytlösung müssen in kurzer Zeit vier Liter aufgenommen werden. Aufblähungen, Übelkeit und Erbrechen können die komplette Aufnahme des empfohlenen und auch notwendigen Volumens verhindern. Andere Zubereitungen etwa mit Natriumphosphat reduzieren zwar die Flüssigkeitsmenge, können aber die Elektrolytbalance beeinträchtigen. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen ist diese Methode daher problematisch.
Mit der Entwicklung einer Vorbereitungslösung aus der PEG-Elektrolytlösung, die nun zusätzlich Ascorbinsäure enthält, konnte man die Lavage-Trinkmenge auf zwei Liter reduzieren. In einer Studie wurden Effektivität, Sicherheit und Akzeptanz einer Natriumphosphat-Lösung mit der neuen Vorbereitungslösung verglichen. Den Erfolg der Darmreinigung beurteilten neben den endoskopierenden Ärzten auch Experten, die ohne Kenntnis der Vorbereitungslösung Videoaufzeichnungen der Koloskopien sahen. Dabei schnitt die PEG-Lösung mit Ascorbinsäure deutlich besser ab: Hundertprozentige Reinigungserfolge wurden mit Ascorbinsäure in 93 Prozent der Fälle attestiert gegenüber 22,8 Prozent ohne Ascorbinsäure. Die Wirksamkeit der erweiterten PEG-Lösung zeigte sich in allen Darmabschnitten. Der veränderte Geschmack (Zitrone statt Vanille) führte auch zu einer besseren Akzeptanz. Beide Lösungen wurden gut vertragen. Die meist leichten gastrointestinalen Nebenwirkungen waren gleich. In Sachen Wirkäquivalenz und Akzeptanz hatte jedoch die neue volumensreduzierte Vorbereitung mit PEG und Vitamin C die Nase deutlich vorne.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 39/2001

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