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Innere Medizin 30. Oktober 2007

Koloskopie mit Gütesiegel

Einheitliche Qualitätsstandards sollen landesweit die Sicherheit und Effizienz der Darmspiegelung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung Neu verbessern. Wer ein Qualitätszertifikat möchte, muss allerdings tief in die Tasche greifen. Wahlärzte wurden erstmals in die neue Regelung mit einbezogen.

Eine einheitliche Honorierung der Koloskopie im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung Neu (VU) ist immer noch nicht geschafft. Jedes Bundesland hat eigene Verträge mit der jeweiligen Krankenkasse abgeschlossen. „In Wien erhält ein niedergelassener Gastroenterologe, der diese Untersuchung anbietet, 185 Euro“, erläuterte Prim. Dr. Friedrich Anton Weiser von der Ärztekammer Wien im Gespräch mit der Ärzte Woche. Der Leistungskatalog umfasst ein Vorgespräch nebst Erklärungsblatt mit der Information zur möglichen Sedierung, die Untersuchung selbst sowie eine Nachbesprechung.

Erfahrungs- und Routinenachweis gefordert

Um die Transparenz für die Patienten zu erhöhen, hat die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) gemeinsam mit dem Hauptverband nun ein Qualitätszertifikat geschaffen, das hohe Ansprüche an die endoskopierenden Ärzte und Ärztinnen stellt: Gefordert wird unter anderem ein Erfahrungs- und ein fortlaufender Routinenachweis, die Polypenabtragung in einem Untersuchungsgang, die Verwendung eines Videoendoskops und die maschinelle, chemothermische Desinfektion.
„Eine solche Waschmaschine kostet zwischen 25.000 und 50.000 Euro“, hielt Weiser fest. „Von den Krankenkassen werden ein geringer Regiebeitrag bei der Anschaffung der Maschine sowie die monatlichen Hygienekosten erstattet.“ Des Weiteren müssen die Untersuchungen mittels EDV penibel dokumentiert werden. Wer alle Anforderungen erfüllt, darf sich ein Zertifikat in die Ordination hängen. Der kundige Patient sieht dann sofort, ob die Koloskopie nach State-of-the-art-Kriterien durchgeführt wird.
„Für die Ärzte ist das ein sichtbarer Qualitätsnachweis in der Ordination“, erklärte der stellvertretende Generaldirektor des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungsträger, Dr. Josef Probst, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema. „Für die Patienten bietet das Zertifikat mehr Sicherheit für die Darmkrebsvorsorge.“

Verschiedene Standards in jedem Bundesland

Die einheitlichen Qualitätsstandards für die Koloskopie waren notwendig geworden, da derartige Richtlinien bis dato in jedem österreichischem Bundesland unterschiedlich geregelt waren. „Beratung und Aufklärung sind derzeit nur in drei von neun Bundesländern vorgeschrieben, ebenso wie das Angebot einer Prämedikation“, hielt Prof. Dr. Werner Weiss von der ÖGGH in seinem Statement fest. „Nur in zwei von neun Bundesländern ist derzeit eine Nachbetreuung vorgeschrieben, und nur in einem muss mittels EDV dokumentiert werden. “ Jenes Bundesland, das bereits alle Vorgaben erfüllt und dies auch mit dem Hauptverband bindend vereinbarte, ist Vorarlberg.

Tut Schmerz gut?

Das gemeinsam mit dem Hauptverband erarbeitete ÖGGH-Zertifikat schreibt die zuvor genannten Standards oblöigatorisch vor. Und nur wer diese anbietet, erhält das Qualitätszertifikat. „Rund 90 Prozent der Kollegen erfüllen diese Vorgaben bereits“, zeigte sich Gastroenterologe Weiss im Gespräch mit der Ärzte Woche zuversichtlich, „wir rechnen damit, dass etwa 75 Prozent der Kollegen dieses Zertifikat offiziell erlangen wollen.“

„Schwachsinn stirbt nicht aus“

Die Vorgaben bieten für die Patienten deutliche Vorteile. Denn zertifizierte Ärzte führen eine sanfte Koloskopie durch. „Eine fachgemäße Prämedikation ermöglicht, dass der Patient am Ende der Untersuchung kaum unangenehme Erinnerungen mehr hat. Solange nicht alle endoskopierenden Ärzte eine sanfte Koloskopie anbieten, wird es Fälle wie diesen geben. So erzählte mir vor kurzem eine Patientin, ihr Arzt hätte gesagt, eine Koloskopie müsse weh tun“, erklärte Weiss und fügte hinzu: „Der Schwachsinn stirbt eben nicht aus.“
Für die ÖGGH und den Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist das Qualitätszertifikat eine weitere wichtige Waffe im Kampf gegen Darmkrebs, der laut dem Präsidenten der Österreichischen Krebshilfe, Prof. Dr. Paul Sevelda, „die einzige onkologische Erkrankung ist, die bereits vor ihrer Entstehung verhindert werden kann.“ Wird ab dem 50. Lebensjahr alle sieben bis zehn Jahre eine Koloskopie durchgeführt, können dabei entdeckte Darmpolypen, aus denen sich in bis zu 40 Prozent im Laufe von sieben bis zehn Jahren ein Karzinom entwickelt, gleich entfernt werden.

Lieber Geburt als Koloskopie

Die Angst vieler Patienten vor der Darmspiegelung ist trotz der sanften Koloskopie immer noch recht groß. Eine Umfrage der Österreichischen Krebshilfe im Vorjahr hat ergeben, dass rund die Hälfte der über 50-Jährigen noch nie bei einer Koloskopie war. Als Hauptgrund wird die Angst vor einer schmerzhaften Untersuchung angegeben.
Weiss: „Erst vor kurzem sagte mir eine Patientin im Rahmen einer Publikumsveranstaltung, sie würde lieber noch drei Kinder bekommen, als noch mal eine Koloskopie durchführen zu lassen.“ Lange Zeit war die Darmspiegelung tatsächlich eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Erst das Videoendoskop, es ermöglicht die Arbeit auf Sicht, sowie eine suffiziente Prämedikation haben die schmerzfreie Koloskopie ermöglicht.

Informationen über das Qualitätszertifikat Koloskopie erhalten Interessierte auf der Website der ÖGGH unter www.oeggh.at

Sabine Fisch, Ärzte Woche 44/2007

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