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Innere Medizin 14. November 2007

Mehr Wissenschaftlichkeit für den pneumologischen Nachwuchs

Rauchen, COPD und Lungenkrebs sind Themen, die nicht nur in Fachgremien, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Die Ärzte Woche sprach mit dem neuen Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) Prof. Dr. Otto C. Burghuber, Vorstand der 1. Internen Lungenabteilung im Wiener Otto-Wagner-Spital, über Ziele und Aufgaben der Gesellschaft und den Versuch einer pneumologischen Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung.

Die Weichen für die Zukunft werden heute gestellt. Dies mag zwar eine Binsenweisheit sein, doch eine, die immer wieder auf morgen verschoben wird. Einen Fehler, den der frisch gewählte Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie nicht machen will. So denkt Burghuber etwa an den pneumologischen Nachwuchs, dem er mehr Möglichkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten bieten will, oder an den großen Kongress der European Respiratory Society, der 2009 rund 20.000 Pulmologen nach Wien bringen wird.

Welche Ziele haben Sie sich in Ihrer Funktion als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie für Ihre Amtsperiode gesteckt?
BURGHUBER: Bereits in der Zeit, als ich noch das Amt des Vizepräsidenten inne hatte, haben wir die Gesellschaft auf ihre Aufgaben und Ziele durchleuchtet und notwendige Veränderungen definiert. Nun geht es darum, diese Modifikationen auch zu realisieren.

Welche wesentlichen Kernpunkte sind dies?
BURGHUBER: Vor allem eine vermehrte Konzentration auf die Wissenschaftlichkeit konnte herausgearbeitet werden. Es geht dabei um eine verstärkte Motivation des pneumologischen Nachwuchses, vermehrt wissenschaftlich zu arbeiten. Im Rahmen der Jahrestagung werden für derartige Leistungen Preise vergeben. Die Arbeiten sollen einerseits großzügig honoriert werden, andererseits auch eine hohe Wertigkeit im Tagungsprogramm haben. Es ist uns wirklich ein großes Anliegen, die Wissenschaftlichkeit in Österreich voranzutreiben und gerade die jungen Kollegen auf dieser Schiene zu geleiten.
Zudem haben wir bereits qualitätskontrollierte Fortbildungen implementiert, so dass wir die Gesamtinhalte der Pneumologie innerhalb von drei Jahren in unserem Diplomfortbildungsprogramm anbieten können. Dieses DFP muss weitgehend unabhängig von Firmeninteressen sein. Zwar gibt es finanzielle Unterstützung, die Inhalte sollen jedoch nicht davon berührt werden. Jeder Referent muss demnach eine „Conflict of Interest“-Erklärung abgeben.

Aber auch die Kongresse wurden modifiziert …
BURGHUBER: Ja, wir haben uns auch bemüht, die Gestaltung unserer Tagungen zu erneuern. Wir veranstalten unsere Kongresse, die von den Besuchern sehr gut angenommen werden, nun in jährlichen Abständen. Ich habe mir hier zum Ziel gesetzt, mehr ausländische Teilnehmer, vor allem auch aus den osteuropäischen Ländern, zu diesen Veranstaltungen zu bringen. Auch die verstärkte Präsenz österreichischer Originalarbeiten, die auf den Kongressen vorgestellt werden, ist mir ein großes Anliegen. Hier hinken wir anderen Nationen hinterher, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass die Pneumologie hierzulande erst seit wenigen Jahren universitär vertreten ist. Spät, nämlich 1992, wurde die erste akademische Einrichtung in Wien geschaffen, Graz und Salzburg kamen später dazu.

Stehen Änderungen auch innerhalb der Gesellschaft an?
BURGHUBER: Wir müssen die gremialen Strukturen verbessern. So gilt es etwa, die Arbeitskreise effizienter einzusetzen. Zurzeit sind 24 solcher Gruppen in der Gesellschaft aktiv, einige davon arbeiten nicht adäquat. Daher werden alle Arbeitskreise neu ausgeschrieben und auch entsprechende Jobbeschreibungen für die Leiter der Arbeitskreise definiert. Es ist wichtig, die Kernthemen der wissenschaftlichen Gesellschaft konkreter anzugehen. Wir erwarten uns von diesen Neuerungen höhere Aktivitäten der einzelnen Arbeitsgruppen.

Wie sehen Sie generell den derzeitigen Stellenwert der Pneumologie in Österreich?
BURGHUBER: Wir haben in unserem Land eigentlich einen ganz guten Stand. Zumal wir uns in der breiten Öffentlichkeit auch mit brisanten und aktuellen Themen zu Wort melden, wenn es etwa um Tabak-Awareness geht. In der Folge sind uns auch die anderen zentralen Themen, wie COPD und die pneumologische Onkologie, große Anliegen, so dass wir uns bemühen, entsprechendes Engagement an den Tag zu legen. Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Internisten funktioniert in der Regel gut. Eine Verbesserung, etwa hinsichtlich eines effektiveren Managements COPD-kranker Personen, wäre dennoch anzustreben.

Zurzeit ist dies für Sie noch nicht zufriedenstellend?
BURGHUBER: Beim Allgemeinmediziner wird über das weitere Schicksal der lungenkranken Patienten entschieden. So ist es ein Anliegen unserer Gesellschaft, die Etablierung der Spirometrie in der Allgemeinpraxis voranzutreiben. Dies wird nach wie vor in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Wir bieten entsprechende Kurse an und haben für die Gesellschaft der Allgemeinmediziner (ÖGAM) entsprechende Leitlinien zur COPD erstellt.

Wie sieht die gesundheitspolitische Zukunft der Pneumologie in Österreich aus?
BURGHUBER: Wir haben als eine der ersten wissenschaftlichen Gesellschaften im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG), der als Grundlage zur heimischen Versorgungsstruktur dient, eine genaue Definition für pneumologische Abteilungen erstellt. Leider wurden diese Forderungen nur zu einem Teil aufgenommen. Daher wünsche ich mir, möglichst rasch die wesentlichen Inhalte darin zu finden.

Um welche Inhalte geht es hier?
BURGHUBER: Eine wesentliche Forderung ist die Implementierung einer Respiratory Care Unit (RCU) auf jeder pneumologischen Abteilung, welche die intensivmedizinische Betreuung unserer Patienten erlaubt. Zudem sollten Schlaflabors flächendeckend vorhanden sein. Auch die federführende Betreuung von Patienten mit Lungenkrebs in Respiratory Oncology Units (ROU) sollte an jeder pneumologischen Abteilung eingerichtet sein.

Welche Anliegen haben Sie als Präsident der ÖGP an die allgemeinmedizinischen Kollegen?
BURGHUBER: Es ist für jeden Kollegen notwendig zu wissen, dass Asthma und COPD zwei verschiedene Krankheitsbilder darstellen, die auch ein unterschiedliches Management erfordern. Jeder zehnte Österreicher ist bereits von einer COPD betroffen. Die Frühdiagnose dieser Erkrankung ist daher auch von großer gesundheitspolitischer Relevanz. Dies kann auf breiter Basis nur von den Allgemeinmedizinern bewältigt werden. Eine Schärfung des Bewusstseins hinsichtlich dieser Pathologien ist wünschenswert. Die Verdachtsdiagnose könnte über die spirometrische Untersuchung in der Praxis bereits gestellt werden. Bei pathologischen Befunden sollte zur weiteren Abklärung und Initiierung einer adäquaten Therapie ein pneumologischer Kollege hinzugezogen werden. Eine gute Kooperation zwischen den Allgemeinmedizinern und den Pneumologen ist hier Grundvoraussetzung.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Raucherdiskussion?
BURGHUBER: Österreich ist, was das Thema Raucherschutz anbelangt, ein Entwicklungsland. Der aktuelle Gesetzesentwurf ist eine Katastrophe und wurde vom Parlament zum Glück nicht angenommen. Wir wissen heute, dass Passivrauchen krank und invalide macht. Studien untermauern dies. Allein der Umstand, dass die nationalen Arbeitnehmerschutzgesetze einzuhalten sind, erfordert die Etablierung rauchfreier Lokale. Was sich in Österreich zurzeit auf diesem Gebiet abspielt, ist mehr als bedauerlich. Die Position unserer Gesundheitsministerin zu dem Thema ist mir völlig unverständlich.
Dabei herrscht in vielen europäischen Ländern bereits weitgehende Rauchfreiheit in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten. Dieser Trend kommt mit riesigen Schritten auf uns zu. Die Europäische Union hat sich dem Ziel verschrieben, mit dem Jahr 2010 ein rauchfreies Europa zu schaffen.

Welche Projekte stehen in Ihrer Amtsperiode noch an?
BURGHUBER: Die European Respiratory Society (ERS), eine der größten wissenschaftlichen Gesellschaften, wird ihren jährlichen Kongress 2009 in Wien abhalten. Rund 20.000 Teilnehmer sind dann zu erwarten. Wir werden dieses Großereignis nützen, um im Umfeld die Anliegen der Gesellschaft auch jenseits des Fachpublikums zu positionieren. Für die Bevölkerung soll es „Awareness-Zelte“ geben, welche die Menschen über die gängigsten Lungenerkrankungen, deren Prävention und die Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 35/2004

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