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Innere Medizin 15. Mai 2007

Bauchfell als Nierenersatz

In Österreich spielt die Peritonealdialyse eine Nebenrolle. Zu Unrecht, wie man im Wilhelminenspital meint, das auf 20 Jahre Erfahrung zurückblicken kann.

Die Peritonealdialyse fristet neben der favorisierten Hämodialyse ein bescheidenes Dasein. Dass dies nicht so sein muss und die alternative Dialysenart durchaus Vorteile hat, stellte Prof. Dr. Josef Kovarik, Leiter der 6. Med. Abteilung mit Nephrologie und Dialyse im Wiener Wilhelminenspital, in einer Aussendung fest. Bei der Peritonealdialyse dient das Bauchfell des Patienten als Blutfilter. Durch einen operativ eingesetzten Katheter wird mehrmals täglich (Zyklus hängt von der jeweiligen Methode ab) eine sterile Dialysierflüssigkeit in die Bauchhöhle eingebracht, dort für einige Stunden belassen und schließlich wieder abgesaugt. Der Patient muss nicht in eine medizinische Einrichtung und kann in dieser Zeit weitgehend seinem normalen Alltag nachgehen. In Österreich liegt der Anteil der Patienten, die mit Peritonealdialyse behandelt werden, bei etwa neun Prozent. Das sind etwa 290 der insgesamt 3.742 dialysierten Patienten. Der europäische Durchschnitt liegt indessen bei rund 20 Prozent – vor allem in den östlichen Ländern ist man hinsichtlich der Peritonealdialyse aufgeschlossen. Aber nicht nur dort, denn auch im Wilhelminenspital liegt der prozentuelle Durchschnitt auf gesamteuropäischem Niveau.

Augenscheinliche Vorteile

Die hiesige Skepsis gegenüber dem Verfahren findet man im Wilhelminenspital verwunderlich, da die Peritonealdialyse weniger ein mit der Hämodialyse konkurrierendes, sondern vielmehr ein ergänzendes Verfahren darstellt. Der Vorteil der Bauchfelldialyse ist freilich evident. Während der Hämodialysepatient drei Mal pro Woche für ca. vier Stunden in ein Dialysezentrum zur Therapie muss, kommt der Peritonealdialysepatient lediglich ein Mal pro Monat für Funktionstests und zur Kontrolle in die Ambulanz. Allerdings ist nicht jeder Dialysepatient für die Peritonealdialyse geeignet. Besonders eignen sich Berufstätige und Jüngere, erklärt Kovarik. Das sei freilich jenes Kollektiv, das die Flexibilität und Mobilität, die ihnen die Therapie lässt, besonders schätzt. „Auch profitieren sie von der relativ langen Erhaltung der Restnierenfunktion, einer zum Teil wesentlich weniger strengen Diät und der relativen Unabhängigkeit vom Dialysezentrum.“ Von Nutzen kann das Verfahren aufgrund der guten Kreislaufstabilität aber ebenfalls in der Behandlung von multimorbiden älteren und herzinsuffizienten Patienten sein. Die Peritonealdialyse ist das kostengünstigere Verfahren, fordert jedoch von dem Patienten ein gewisses Maß an Eigenverantwortung. Die Therapieentscheidung für Peritoneal- oder Hämodialyse sollte nach Abwägung aller Vor- und Nachteilen individuell getroffen werden. „Es gibt eine Reihe von speziellen Indikationen, z.B. Probleme an der Hämodialyse, Nadelphobie, große Entfernung vom Dialysezentrum, Transplantationskandidaten oder chronische Hepatitis/HIV-Infektion, die eindeutig für die Peritonealdialyse sprechen. Das Behandlungsverfahren ist in vielen Punkten der Hämodialyse zumindest gleichwertig. Es gibt natürlich auch Kontraindikationen, wie etwa Malnutrition oder ausgedehnte Voroperationen im Bauchbereich“, bringt Kovarik seine Erfahrungen auf einen Nenner.

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