zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 5. September 2007

Auf freiem Fuß

Wie im Märchen vom Aschenputtel, in dem zwei Töchter ihre Füße dem Idealschuh entsprechend zurechtstutzen, gibt es – oft weibliche – Patienten, die ihre Füße an unpassendes Schuhwerk adaptieren. Hierbei nehmen sie Schmerzen und Verstümmelung auf sich. Sie fordern auch Ärzte primär oder sekundär nach Entstehung einer schuhkonfliktabhängigen Erkrankung auf, ihre Füße dysproportionierten Schuhen anzuformen, schilderte Dr. Harald Kuhn, Orthopäde im St.Antonius-Stift Emstek, Deutschland, bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie im Juni.

Das Cinderella-Schuhsyndrom betrifft meist bei Geburt gesunde Füße. Am längsten ist ein derartiges Verhalten in China bekannt, wo Frauen das Schönheitsideal „Lotusfüße“ durch Frakturen und Bindtechniken zu erreichen versuchen. Das vermehrte Auftreten des Hallux valgus in Japan, das auf die Verbreitung westlicher Schuhmode (high heels, modische hohe und spitze Schuhe) zurückzuführen ist, belegt die Verantwortung des Arztes auch in Erkennung und Beeinflussung krankheitsindizierender Verhaltensweisen. Kuhn: „Da das Verhalten oft unbewusst geschieht oder tiefen Bahnungen folgt, ist es Aufgabe des Arztes, die Inkongruenz aufzudecken und Wege der Gesunderhaltung oder Therapie aufzuzeigen, die langfristig die Funktionsfähigkeit der Füße gewährleisten.“

Falscher Schuh – verformter Fuß

Sowohl in der Literatur als auch im eigenen Krankengut fand Kuhn vornehmlich Frauen mit dem Fuß nicht adäquat angepassten Schuhen und Strümpfen, wie etwa bei Vorfußerkrankungen, intermetatarsalen Neuropathien (Morton’s metatarsalgie) oder Hallux valgus/ Metatarsus primus valgus. Aber auch postoperativ ist das Bild nicht viel besser: Gerade nach Hallux-valgus-Operationen gehen viele Rezidive auf schlechte Schuhe und Strümpfe zurück. Nach Kuhns eigenen Untersuchungen trugen ca. 50 % der Patienten (98% Frauen) nach einer Hallux-valgus-Operation zwar größere Schuhe als vor der OP, von diesen erwiesen sich aber mehr als 95 % als zu kurz (weniger als 5 mm Zehenfreiheit).
Kuhn: „Das Cinderella-Schuhsyndrom hat im Rahmen der Primärenstehung und der Rezidivprophylaxe fußchirurgischer Erkrankungen sowie der Beurteilung von Rezidivursachen nach korrekt ausgeführten Fußoperationen einen wichtigen Stellenwert. Es zu erkennen und einer ursächlichen Therapie zuzuführen, gehört zu den Aufgaben des fußchirurgisch tätigen Arztes.“
Was tun, um Fußproblemen vorzubeugen? Zur Vermeidung von Fußproblemen sollte man laut Kuhn beim Schuhkauf auf Folgendes achten:
Die Verwendung des sogenannten WMS-Systems beim Anpassen – eines Messgerätes, das nicht nur Länge, sondern auch Weite der Füße misst. Für Erwachsene sei der Einsatz dringend empfohlen, beim Kinderschuhkauf ein Muss. Schuhkauf nachmittags – dann seien die Füße weiter und entsprächen den Anforderungen nach Belastung. Bis zu 1,5 cm Längenzugabe – die Schuhe müssten länger als der Fuß sein. Wichtig auch die richtige Weite, stufenloses Oberleder und ?stabilitätserhaltende Absatzhöhe. Da das Verhältnis von Vor- und Rückfuß stimmen muss, sollte der Absatz nicht höher als vier bis fünf Zentimeter sein. Weiters empfiehlt Kuhn, die Schuhe möglichst täglich zu wechseln (mindestens aber alle zwei bis drei Tage eine andere Absatzform); so oft wie möglich barfuß zu gehen und auf angemessene Fußpflege zu achten.

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 36/2007

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben