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Innere Medizin 28. Juni 2007

Kinderschuhe prägen fürs Leben

Zu kurze Schuhe bewirken bei Kindern die Ausbildung einer Großzehenschiefstellung. In einer heimischen Untersuchung hatten fast 70 Prozent der Kinder zu kleine Schuhe.

98 Prozent der Kinder kommen mit gesunden Füßen zur Welt, 40 Prozent der Erwachsenen leiden an Fußbeschwerden. Zwölf Prozent müssen sogar operativ versorgt werden: 2005 wurden in Österreich rund 6.500 Hallux-valgus-Operationen vorgenommen. „Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung von Fußdeformitäten ist die Tatsache, dass viele Kinder zu kleine Schuhe tragen“, berichtete Dr. Christian Klein, EMCO Privatklinik Bad Dürrnberg, Salzburg, bei der Jahrestagung der Österreichischen Orthopäden. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Kinderfüße-Kinderschuhe“ des Österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit und des Fonds Gesundes Österreich wurden 858 in Österreich lebende Kindergartenkinder im Alter zwischen drei und 6,5 Jahren aus vier Bundesländern (Salzburg, Niederösterreich, Steiermark, Wien) untersucht. Daneben wurden auch die Straßen- und Hausschuhe begutachtet. Dabei stellte sich zunächst heraus, dass die Größenangaben der Schuhe oft nicht stimmen. Nur drei Prozent der Kinderschuhe hatten die korrekte Innenlänge. Bei der Untersuchung wurde ein Schuh dann als passend angesehen, wenn seine Innenlänge um zehn bis 16,67 mm über der Fußlänge lag. „Wir empfehlen eine Zugabe von 12 bis 17 mm zur Fußgröße, um ausreichend Spielraum für die Schubbewegung beim Abrollen und für das Wachstum zu haben“, definierte Klein. Das erschütternde Ergebnis: 69 Prozent der Kinder tragen zu kurze Straßenschuhe und 88 Prozent zu kleine Hausschuhe, 61 Prozent um mindestens zwei Nummern. Als Spitzenwert wurden bei einem Kind um fünf Nummern zu kurze Schuhe festgestellt. In einer weiteren Untersuchung wurde bei den Kindern (insgesamt waren es 1.579 Füße) der Großzehenwinkel gemessen und festgestellt, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Ausbildung einer Großzehenschiefstellung und der Passform (Differenz Schuh/Fußlänge) besteht: Je kürzer die Schuhe der Kinder, desto größer die bereits bestehende Veränderung des Großzehenwinkels. Dies gilt sowohl für Straßen- als auch für Hausschuhe. Klein: „Das Tragen von Schuhen, die nur eine Nummer zu klein sind, erhöht das Risiko einer zehngradigen Großzehenschrägstellung bei Mädchen um 24 Prozent und bei Knaben sogar um 44 Prozent. Entsprechend höher ist der Effekt, wenn Kinder noch kleinere Schuhe tragen.“

Nähere Informationen zum Forschungsprojekt sowie zur richtigen Passform von Kinderschuhen unter www.kinderfuesse.com

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 26/2007

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