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Innere Medizin 24. April 2007

Es muss nicht immer Clostridium sein

Klebsiella oxytoca schlummert im Darm von rund zwei Prozent der Mitteleuropäer. Der ungewöhnliche Krankheitsverlauf einiger Patienten mit harmlosen Infekten war die Initialzündung für die Entdeckung an der Grazer MedUni, dass der Keim unter bestimmten Bedingungen äußerst tückisch wird.

Sie waren relativ jung, zwischen 20 und 50, und im Grunde gesund. Doch dann erwischten sie irgendwo einen Keim, die Folge war eine Bronchitis, eine Sinusitis, ein Harnwegsinfekt. Die daraufhin verschriebene Antibiotika-Behandlung machte die Patienten nicht gesund, im Gegenteil: Plötzlich setzten Bauchkrämpfe ein und blutige Durchfälle. 22 solcher Fallberichte sind die Basis eines Artikels, den die Gruppe um Prof. Dr. Christoph Högenauer von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Graz im vergangenen Dezember im New England Journal of Medicine veröffentlichte (2006, 355; 23:2418-2426). „Bekannt sind antibiotikainduzierte Colitiden im Zusammenhang mit Clostridium difficile“, erläutert Högenauer im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. Die grampositiven, anaeroben Bakterien gehören zu den häufigsten Krankenhauskeimen, die bei Gesunden für gewöhnlich nicht viel anrichten. Durch Antibiotika werden andere Bakterien der Darmflora jedoch zurückgedrängt, die Clostridien vermehren sich, sondern Toxine ab und können damit schlimme Durchfälle verursachen.

Penicillin-resistent

Clostridien waren bei den 22 Grazer Patienten aber nicht nachweisbar. Bei sechs der Patienten zeigte sich in der Kolonoskopie ganz eindeutig eine hämor­raghische Darmentzündung, in fünf Fällen konnte ein anderes Bakterium nachgewiesen werden, nämlich Klebsiella oxytoca. Die gramnegativen Stäbchenbakterien, die sowohl aerob als auch anaerob leben können, finden sich in der Darmflora von rund jedem 50. Mitteleuropäer – ohne irgendwelche Probleme zu bereiten. Allerdings sind Kleb­siellen resistent gegenüber Penicillinen. Durch eine Penicillin-Behandlung werden die Klebsiellen also in ihrem Wachstum nicht gehemmt. „Dann haben sie einen Selektionsvorteil gegenüber anderen Bakterien im Darm“, so Högenauer, „und das Toxin, das sie schon vorher ausstoßen, kommt zur Wirkung, bzw. der schützende Effekt der normalen Darmflora fällt weg.“ Beobachtet haben die Grazer Gastroenterologen ebenfalls, dass bei Menschen, die NSAR nehmen, die Durchfälle besonders schlimm ausfallen, vermutlich weil die Schmerzmittel die Darmschleimhaut durchlässiger und anfälliger für die Bakterientoxine machen. Die Entwicklung eines Tiermodells brachte schließlich den Beweis für diese neue Infektionserkrankung im Darm. Die einzig wirksame Behandlung: Das Penicillin ab- und im Bedarfsfall, wenn die Grunderkrankung wieder aufflammt, durch ein anderes Antibiotikum ersetzen.

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