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Innere Medizin 24. April 2007

Von Mäusen und Menschen

Ein Symposium in Wien ging der Frage nach, inwieweit sich Krebserkrankungen derzeit schon durch Immunisierungen beherrschen lassen.

„Können wir nur Mäuse heilen?“ lautete der bewusst provokant gewählte Titel eines Symposiums, zu dem die Österreichische Akademie der Wissenschaften vorvergangene Woche gemeinsam mit der Hasumi International Research Foundation nach Wien lud. Weit hergeholt war die Frage nicht, denn auch wenn in den letzten 20 Jahren immer wieder von den segensbringenden Wirkungen der so genannten Krebsimpfungen die Rede ist, so scheint es zuweilen, als trete die Forschung auf der Stelle. Zwar machte sich in den neunziger Jahren eine Euphorie in der Wissenschaftsgemeinde breit. Die bekam jedoch bald einen Dämpfer, als sich zeigte, dass sich die im Labor erzielten Ergebnisse so gar nicht auf den Menschen übertragen ließen.

Krebsimpfung bedeutet nicht, gegen Krebs immun zu sein

Vor allem in der Bekämpfung solider Tumoren scheinen die Resultate wenig ermutigend. Und so riet der Vorsitzende des Symposiums, Prof. Dr. Georg Stingl von der Klinischen Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten am Wiener AKH, zur Vorsicht, wenn die Ankündigung neuer Therapien allzu große Hoffnungen wecke. Tatsächlich ist die Bezeichnung Krebsimpfung ein wenig irreführend, zumal Laien annehmen, durch eine solche Immunisierung vor bestimmten Krebsarten gefeit zu sein. Der Therapieansatz zielt jedoch vielmehr darauf ab, bereits entstandene Krebsgeschwülste kleiner werden zu lassen und vor allem eine Absiedelung von Metastasen zu verhindern. „Da verlangen wir schon sehr viel vom Immunsystem“, räumte Prof. Thomas Waldmann vom US-amerikanischen National Cancer Institute bei der Pressekonferenz ein. Immerhin gilt es, Immunzellen auf Krebsantigene, die normalerweise vom Körper nicht als fremd anerkannt werden, scharf zu machen.

Resultate nicht so einfach übertragbar

Dazu müssen zuerst jene Blockaden ausgeschaltet werden, die die T-Zellen daran hindern, auf körpereigene Zellen loszugehen. Und dann muss die induzierte Immunantwort so zielgerichtet sein, dass sie tatsächlich nur Krebszellen trifft. Dazu kommt, dass Labormäuse genetisch homogen sind und außerdem nur mit ganz bestimmten Krebszellen in Kontakt gebracht werden. Beim Menschen sind Tumore genetisch heterogen. Was im Mausmodell schon funktioniert, ist also beim Menschen nur begrenzt wirksam. Und was bei einem einzelnen Patienten positive Resultate bringt, auf das kann ein anderer möglicherweise überhaupt nicht ansprechen. Aber das sind nur einige der Gründe dafür, dass die Krebsimpfung beim Menschen nur in Ausnahmefällen zu einer Rückbildung von bösartigen Geschwülsten führt. Kein Wunder, dass sich die Wissenschaft vermehrt einem anderen Ansatz der Immuntherapie zuwendet: der Behandlung mit monoklonalen Antikörpern, mit der bei gewissen Krankheiten schon seit einiger Zeit gute Erfolge erzielt werden. In den USA sind, wie Waldmann ausführte, bereits 19 solcher monoklonaler Antikörper zugelassen, acht davon für die Behandlung von Krebs, 100 weitere befinden sich im Stadium klinischer Versuche.

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