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Innere Medizin 18. April 2007

Sinnvolle Kennzeichnung versteckter Allergene

Die Anforderungen an eine Kennzeichnung potenziell bedrohlicher Allergen­quellen in Lebensmitteln sind hoch: Allergiker müssen geschützt, andere Personen dürfen nicht abgeschreckt werden. Fest steht: Nur gemeinsam mit konsequenter Beratung Betroffener werden künftige Maßnahmen erfolgreich sein.

„Dieses Produkt kann Spuren von Erdnüssen enthalten“ – eine verbreitete, aber nicht in jedem Fall sinnvolle Kennzeichnung von Lebensmitteln. Vom Hersteller zum eigenen Schutz angebracht, doch nicht für jeden nachvollziehbar, können Hinweise wie dieser zur Verunsicherung beitragen. Umso lauter werden die Forderungen nach einer einheitlichen und vergleichbaren Produktkennzeichnung. „Das Problem beginnt beim Konsumenten: Häufig basiert die Diagnose einer Lebensmittelallergie lediglich auf einer positiven Anamnese und einzelnen Tests, wie Prick-Test oder RAST. Eine komplette Diagnostik fehlt in den meisten Fällen“, leitete Prof. Dr. Zsolt Szefpalusi, Universitätsklinik für Kinderheilkunde, AKH Wien, einen der Schwerpunkte des Europäischen Allergologenkongresses EAACI 2006 in Wien ein.

Schweregrad berücksichtigen

„In jedem Fall muss zwischen schwer und nicht schwer Betroffenen differenziert werden. Beispiel Erdnussallergie: Es ist nicht möglich, ein einzelnes Milligramm Erdnuss zu vermeiden. Treten bei einem Allergiker schwere und potenziell lebensbedrohliche Reaktionen auf, ist eine strikte Vermeidung aller, auch potenzieller Quellen von Erdnüssen angezeigt. Zu diesen Reaktionen gehören Anaphylaxie, orales Angioödem, Hypovolämie oder das Orale Allergiesyndrom. Ihnen stehen unangenehme, aber nicht schwer wiegende Symptome wie Erbrechen Durchfall oder Ekzeme gegenüber. In letzterem Fall genügt es, den Konsum sichtbarer Erdnüsse und -beimengungen zu meiden“, sagte Szefpalusi. Reaktivität und Symptomatik eines Patienten können sich im Krankheitsverlauf ändern. Während die Milchallergie meist mit der Adoleszenz nachlässt, bleiben Erdnussallergiker fast immer lebenslang betroffen. Das macht vor allem in der Pädiatrie regelmäßige Kontrollen erforderlich. Diese können dazu beitragen, unnötig strenge Diäten, aber auch Gefahren für die betroffenen Kinder zu identifizieren. Im Arzt-Patienten- oder Arzt-Eltern-Gespräch sollte der richtige Umgang mit Kennzeichnungen fokussiert werden. Szefpalusi: „Gerade bei versteckten Allergenen besteht hoher Aufklärungsbedarf in der Gesellschaft. Nicht selten stehen unbegründete Sorgen vor Kontaminationen dem Unwissen über mögliche Allergenquellen gegenüber. Ohne sorgfältige Information können Produktkennzeichnungen Betroffene verunsichern und ein vielfach unangebrachtes Vermeidungsverhalten bewirken.“

Schwieriger Allergennachweis

„Der Kontakt mit einem Allergen kommt nicht selten überraschend. Nicht nur ‚Klassiker’ aus dem Süßwarenbereich können Quellen für Erdnussproteine sein – selbst fernab aller Lebensmittel, in Kosmetikprodukten, findet Erdnussöl Verwendung“, berichtete Prof. Dr. Karin Hoffmann-Sommergruber vom Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie, Medizinische Universität Wien: „Auch der Nachweis versteckter Allergene kann sich schwierig gestalten. Besonders der Matrix-Effekt macht den Untersuchern zu schaffen: Im endgültigen Produkt sind viele Proteine undetektierbar. Überlagerungen durch andere Komponenten spielen dabei ebenso eine Rolle wie Veränderungen des Allergens durch die Fertigung.“ Nicht nur die Grenzwerte für industrielle Produkte bereiten den Entscheidungsträgern Kopfzerbrechen. Wie ein Labelling im Restaurant aussehen soll, konnte bislang nicht geklärt werden. „Während in dieser Branche ein ‚allergologischer Off-Label-Bereich’ bestehen bleiben wird, wurde seitens der Lebensmittelindustrie Bereitschaft zur Kennzeichnung signalisiert“, ergänzte Prof. Susan Hefle, Universität Nebraska, USA.

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Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 16/2007

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