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Fertilitätsstörungen mit unerwarteter Ursache

Die frühzeitige Diagnose von Fehl­funktionen der Schilddrüse könnte Patientinnen mit Kinderwunsch Zeit, Geld und Nerven sparen.

Zu dieser Thematik sprach der Reproduktionsmediziner Prof. Dr. Wilfried Feichtinger im Rahmen der 39. Fortbildungstagung für Gynäkologen und Geburtshelfer im Februar im Tiroler Obergurgl. Mit einer frühzeitigen Diagnose von Schilddrüsenstörungen, meinte er, könnten sich oft teure Verfahren zur Behandlung der ungewollten Kinderlosigkeit erübrigen.

Vom richtigen Zeitpunkt

Liegt die Verdachtsdiagnose Infertilität vor, sollte zwischen dem ersten und fünften Zyklustag eine Bestimmung von Luteotropin, Follitropin, Testosteron, DHEA-S, Prolaktin, Thyreotropin Östradiol und TSH vorgenommen werden. „Wichtig ist der Zeitpunkt des Bluttests“, referierte Feichtinger: „Nur bei Zyklusbeginn können diese Hormone aussagekräftig bestimmt werden.“ Mittluteal – nachdem der Gelbkörper einmal herangereift ist – können nur noch die Hormone Östradiol und Progesteron beurteilt werden. Dies erlaubt dann allerdings keine Aussage über eine mögliche Beteiligung der Schilddrüse an der Infertilität. In die Differenzialdiagnostik der gestörten Ovarialfunktion wird die Schilddrüse mit einem Ausschlussverfahren einbezogen. Bestimmt wird das basale TSH (Thyroid Stimulating Hormone). Eine subklinische Hypothyreose liegt vor, wenn das basale TSH über 2,5 U/l liegt und die T3- und T4-Spiegel erniedrigt sind. „Eine solche Störung gehört in die Hand des Internisten, ebenso wie die Überfunktion, die Hyperthyreose“, hielt Feichtinger fest. „Sind T3 und T4 dagegen im Normbereich, kann auch der Gynäkologe die Behandlung der latenten Hypothyreose mit L-Thyroxin vornehmen.“

Unterfunktion hemmt Fertilität

Ebenso wie eine Hyperthyreose ist auch eine Hypothyreose für einen Kinderwunsch eher kontraproduktiv: „Bei vielen hypothyreoten Frauen liegt auch Hyperprolaktinämie vor“, so Feichtinger, „und die ist einer Konzeption ebenso recht hinderlich.“ Von vielen niedergelassenen Gynäkologen wird eine Hyperprolaktinämie mit Cabergolin (Dostinex®) behandelt, einem Präparat, das eigentlich zum Abstillen registriert ist. In praktischer Anwendung führt die Substanz allerdings nicht unbedingt zum gewünschten Ergebnis. Zwar bessert sich die Hyperprolaktinämie unter der Behandlung mit Cabergolin meist deutlich, aber „ich habe noch keine Frau gesehen, die unter Dostinex® schwanger geworden wäre“, erklärte Feichtinger, der bei Frauen, welche schwanger werden wollen, eine Therapie mit Bromocryptin anrät.Laut einem von Wiener und nieder­österreichischen Nuklearmedizinern herausgegebenen Consensus-Statement, an dem Gynäkologe Feichtinger beteiligt war, sollte bei eingeschränkter Ovarialfunktion eine Schilddrüsenfunktionsstörung in die differenzialdiagnostische Überlegung mit einbezogen und gegebenenfalls ausgeglichen werden. Dazu ist jedenfalls eine enge Zusammenarbeit zwischen gynäkologischen Endokrinologen und Internisten bzw. Nuklearmedizinern notwendig.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 16/2007

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