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Innere Medizin 18. April 2007

Die Kinder von Antelope Valley

In den Vereinigten Staaten steigt die Zahl der Durchbrucherkrankungen trotz Immunisierung an, wie eine kürzlich erschienene Studie zeigt.

Seit eine allgemeine Empfehlung zur Windpockenimpfung besteht, wurden viele junge US-Amerikaner immunisiert. So auch im Antelope Valley nahe Los Angeles: Dort sind neun von zehn Kindern geimpft. Dieses Gebiet ist eine der Beobachtungsregionen des Varicella Active Surveillance Project. Hier untersuchte Dr. Sandra Chavez vom Center for Disease Control CDC über zehn Jahre hinweg die Wirksamkeit der Windpockenimpfung.

Bedenkliche Entwicklung

1995, im Jahr der Impfempfehlung, erkrankten im Untersuchungsgebiet noch fast 3.000 Kinder. Fünf Jahre später waren es nur 521. Auf den ersten Blick ein großer Erfolg. Allerdings befanden sich unter den Erkrankten 312 bereits geimpfte Kinder. Etwa 60 Prozent der Fälle waren also Durchbruchserkrankungen – verglichen mit einem Prozent im Jahr 1995. Dies wirft die Frage nach der Langzeitwirksamkeit des Impfstoffes auf. Laut einer vor kurzem im New England Journal (2007; 356:1121-1129) veröffentlichten Studie kommt es im ersten Jahr nach der Impfung in 1,6/1.000 Personenjahren zu einem Krankheitsdurchbruch, im fünften Jahr in 9,0/1.000 und nach neun Jahren in 58,2/1.000 Personenjahren. Die Windpockenimpfung verschiebt das Erkrankungsalter nach oben. Im Jahr 1995 erkrankten die Kinder von Antelope Valley noch mehrheitlich im dritten bis sechsten Lebensjahr. 2004 trat die Erkrankung gehäuft vom sechsten bis zum neunten Lebensjahr auf, ungeimpfte Kinder kamen oft sogar erst im elften Lebensjahr mit dem Wildvirus in Kontakt. Da die Krankheit mit zunehmendem Alter komplikationsreicher verläuft, scheint diese Entwicklung nicht unbedenklich. Dr. Jane Seward vom CDC, eine Mitautorin der Studie, bestätigt, dass das Risiko einer Hospitalisierung für infizierte Erwachsene um ein Vielfaches erhöht ist. Auch das Sterberisiko erwachsener Patienten ist um mehr als das 20–fache höher als bei Kindern. Dem CDC sind tödliche Windpockenfälle bei Erwachsenen jedoch nur vereinzelt bekannt. Daher wird seit Juni 2006 in den USA eine Auffrischung im vierten Lebensjahr empfohlen. Seward und Chavez bemerken dazu, dass niemand vorhersagen kann, wie lange dieser Booster wirkt.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 16/2007

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