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Innere Medizin 11. April 2007

Attacke der Immunzellen

Wissenschaftler am Institut für Molekulare Biotechnologie haben ein neues Modell zur Krebstherapie entwickelt. Der Ansatz nützt die Immunabwehr zur Bekämpfung von Tumorzellen.

Viele Tumore lösen keine ausreichende Immunantwort aus. Da sich die Krebszellen nicht stark genug von den normalen Körperzellen unterscheiden, aus denen sie hervorgegangen sind, werden sie nicht als entartet erkannt. Darüber hinaus produzieren Krebszellen selbst auch Stoffe, die die Immunzellen blockieren.

Verstärkte Immunantwort

Die Gruppe um den Leiter des Instituts für Molekulare Biotechnologie Prof. Dr. Josef Penninger hat nun bei Mäusen einen Weg gefunden, die Immunantwort als Reaktion auf Krebs zu verstärken. Die Doktorandin Stefanie Löser hat dazu T-Zellen des Immunsystems verwendet, bei denen der zentrale Regulator Cbl-b genetisch ausgeschaltet wurde. Dadurch wurden die Zellen sensitiver und aktiver in der Tumorerkennung und -bekämpfung gemacht. Bei Mäusen können die veränderten T-Zellen eine so starke Immunantwort auslösen, dass Tumorzellen innerhalb weniger Wochen vollständig zerstört werden. Die genetisch veränderten Mäuse zeigen auch eine stark verringerte Anfälligkeit für Hautkrebs nach UV-Bestrahlung. Die aufgerüsteten T-Zellen sind sogar imstande, den Tumor in einer anderen Maus zum Schrumpfen zu bringen, wenn sie dieser injiziert werden. Sie entwickeln sich dort in so genannten Gedächtniszellen und bewirken eine anhaltende Immunität. Darüber berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Journal of Experimental Medicine (2007 Apr 2; [Epub ahead of print]). Neben der Wiener Gruppe haben sich auch Forscher der renommierten NIH in den USA mit dem Mechanismus beschäftigt. Sie veröffentlichen gleichzeitig ähnliche Resultate über Cbl-b-regulierte Tumorabstoßung, die an weiteren Krebsarten gewonnen wurden. „Spezifische Tumorabstoßung durch T-Zellen wäre die ideale Krebstherapie, jedoch waren die erzielten Effekte immer relativ gering“, erläutert Penninger. Die Wissenschaftler sind nun daran interessiert, aus den neuen Erkenntnissen eine Therapie für Patienten zu entwickeln. Denkbar wäre, aus Patientenblut T-Zellen zu gewinnen und in diesen den Regulator Cbl-b mit Hilfe eines Inhibitors oder mittels RNA-Interferenz zu blockieren. Anschließend würde das Blut dem Patienten wieder rückinfundiert werden.

Weiter Weg bis zur Therapie

Allerdings muss ein solcher Inhibitor erst entwickelt und das Verfahren im Tiermodell getestet werden, um die positive Anti-Tumor-Wirkung, aber auch Nebenwirkungen, genau zu erforschen. Die Forscher wollen auch noch genauer untersuchen, welche Arten von Krebs, etwa Brustkrebs, auf die Therapie ansprechen könnten.

Quelle: Presseaussendung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

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