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Innere Medizin 11. April 2007

Homöopathie in der Geriatrie

Das Klischee: Schulmediziner nehmen sich fünf Minuten Zeit für die Patienten. Homöopathische Ärzte dagegen Stunden. Lässt sich dies miteinander vereinbaren?

Zwei Jahre lang hat der inzwischen in einem großen medizinischen Versorgungszentrum in Berlin niedergelassene Arzt an den Kliniken Essen-Mitte geriatrische Patienten internistisch und homöopathisch betreut. Über seine Erfahrungen mit insgesamt 122 Patienten, die er auch homöopathisch therapierte, berichtete der Internist Dr. Michael Teut auf dem Charité Fortbildungsforum – Deutscher Ärztekongress in Berlin.

Niedrigpotenzen bevorzugt

Die wichtigsten Indikationen für eine homöopathische Begleittherapie waren neurologische Probleme (33 Prozent), kardiologische Erkrankungen (12 Prozent) sowie psychische Störungen einschließlich Demenz (13 Prozent). Verwendet worden seien vor allem Homöo­pathika in Niedrigpotenzen, so Teut. Anders als Hochpotenzen, bei denen sich durch sehr hohe Verdünnungsstufen in den Zubereitungen praktisch keine Wirksubstanz mehr nachweisen lässt, sind Niedrigpotenzen weniger stark verdünnt. „Eingesetzt habe ich etwa Acetum phosphoricum, das bei Erschöpfungszuständen gute Dienste leistet“, gab Teut ein Beispiel für eine der häufigeren Verordnungen. Ebenfalls wiederholt verschrieben hat er Zincum valerianicum bei psychomotorischer Unruhe, Sulfur bei Durchfällen, Arnica bei Hämatomen und Conium bei Drehschwindel. Die Therapie-Erfolge hätten mitunter auch skeptische Kollegen beeindruckt.

Pragmatische Homöopathie

Teut plädierte in Berlin für eine pragmatische Herangehensweise an die Homöopathie im internistischen Alltag. Für die in der klassischen Homöopathie üblichen, stundenlangen Gespräche hat auch er nicht die Zeit. Er orientiert sich bei der Substanzwahl deswegen an Haupt- und Nebensymptomen, die sich aus der schulmedizinischen Erstanamnese der meist multimorbiden geriatrischen Patienten ergeben. Aus diesen Symptomen arbeitet er die für die homöopathische Substanzwahl wichtigen, charakteristischen Zeichen heraus, die in der homöopathischen Literatur jeweils geeigneten Substanzen zugeordnet sind. „Wenn zum Beispiel an verschiedenen Körperstellen brennende Symptome auftreten, dann könnte Brennen ein solches Zeichen sein“, erläuterte der Internist. Auch Krämpfe wären ein solches Zeichen, wobei die Homöopathie darunter durchaus schulmedizinisch divergierende Probleme wie Zuckungen, Harnleiterkoliken oder Asthmabeschwerden versteht. Entscheidend ist demnach, den für die Homöopathie richtigen Überbegriff zu finden. Kollegen, die ihr therapeutisches Arsenal um die Homöopathie ergänzen wollen, empfahl Teut, nur dann ein Homöopathikum zu verschreiben, wenn sie sich in Einordnung der Beschwerden und Auswahl der Substanz wirklich sicher sind. Bei Zweifeln sollte lieber auf die Verschreibung verzichtet werden, so Teut. Wer in einer Klinik homöopathisch arbeiten möchte, sollte sich allerdings das Einverständnis des Chefs holen“, empfahl Teut. „Es geht nur, wenn der Chef dahinter steht.“

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