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Innere Medizin 28. März 2007

„Erstmals scheint eine HIV-Impfung möglich“

Eine neue Möglichkeit, dem Immunschwächevirus den Weg in die Zelle zu versperren, lässt eine Immunisierung in absehbare Nähe rücken.

Das zunehmende Verständnis, wie das HI-Virus in die Zelle gelangt, wird der Schüssel für die Entwicklung eines Impfstoffs sein, ist der amerikanische Immunologe Robert Gallo überzeugt. Wenn es gelingt, diesen Zugang vollständig zu blockieren, kann ein wirksamer Schutz vor einer Infektion erreicht werden. Das Instrument dazu seien Antikörper. Ein Weg, der in der Vergangenheit nicht wirklich verfolgt worden sei, nun aber erstmals einen funktionierenden Impfstoff wahrscheinlich mache. Anlässlich eines Fachsymposions, das die Universität Wien kurz vor Gallos 70. Geburtstag veranstaltete, legte der gemeinsam mit dem Franzosen Luc Montagnier als Entdecker des HI-Viurs geltende amerikanische Forscher seine Sicht der Licht- und Schattenseiten in Bezug auf HIV und Aids und die Perspektiven dar.

Mehr Mittel notwendig

Mehr Geld für die Grundlagenforschung fordert Gallo, denn dort finden die entscheidenden Erkenntnisse statt: Aids-Test, retrovirale Medikamente, Nukleosidanaloga – sie alle sind das Ergebnis von Grundlagenforschung.
Das Auftreten der ersten Aids-Erkrankungen sei in eine ereignisreiche Zeit gefallen. Vom Erkenntnisstand aus betrachtet, war der Zeitpunkt günstig: Die Entdeckung monoklonaler Antikörper, die Erkenntnis, dass Lymphozyten in B- und T-Zellen unterschieden werden können, Gen-Klonung, das Verständnis für tierische und in der Folge humane Retroviren – all das ereignete sich in den 70er Jahren und bildete die Grundlage für das pathologische Verständnis und entsprechende Therapieansätze. Gleichzeitig war es der schlechteste Zeitpunkt, meint Gallo. Man glaubte sich vor großen, unkon­trollierbaren Krankheitsepidemien durch die Verfügbarkeit der Antibiotika sicher. Antivirale Medikamente standen allerdings nicht zur Verfügung. In der Folge kam es zu einer Verlagerung der finanziellen Ausstattung von Institutionen und das renommierte Center for Disease Control (CDC) stand beispielsweise kurz vor der Schließung.

Bedarf in der Therapie

Großen Bedarf gibt es nach wie vor in der Therapie. Zum ersten Mal ist zwar eine Behandlung für eine Viruserkrankungen vorhanden, stellte Gallo fest, doch erstens ist Aids nicht heilbar und die Therapie daher eine lebenslange mit dem großen Risiko der Resistenzbildung, und zum zweiten zeige das Virus derartig viele Variationen, dass es keine Standardbehandlung geben könne, die weltweit für alle Patienten anwendbar sei. Benötigt werden also Therapien, die auf die Virusstämme abgestimmt seien, sowie neue Mechanismen, um das Virus zu kon­trollieren. Die Blockade der Integrase, die neben der Reversen Transkriptase und der Protease eines der drei Schlüsselenzyme im HIV-1-Replikationszyklus ist, und das Verhindern des Eintritts des Virus in die Zelle seien derzeit jedoch zwei hoffnungsvolle therapeutische Ansätze. Wirklich wichtig sei aber die Entwicklung einer funktionierenden Impfung, die verhindere, dass das Virus sich in den Körper integriert und zu einem Teil von ihm wird. Zeitangaben, wann eine Impfung zur Verfügung stehen werde, erachtet Gallo als unseriös, aber ein Ergebnis sei durchaus absehbar.

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