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Innere Medizin 21. März 2007

Ein beherzter Griff an den Hals verhindert OP

Wer die Schilddrüse palpiert, kann viele Strumen und Knoten finden. Und zwar rechtzeitig, noch bevor sie so groß sind, dass sie sichtbar werden oder unangenehme Symptome machen.

Die wichtige Rolle der Schilddrüsen-Palpation konnte bereits vor einem Jahr, bei der ersten deutschen Schilddrüsenwoche betont werden. Bei Patientenuntersuchungen in rund 10.000 Praxen wurde eine Tastuntersuchung angeboten: Mehr als jeder Dritte hatte Schilddrüsenveränderungen.
Außerdem nahmen 80 Ärzte an einer zusätzlichen prospektiven Erhebung teil: Sie prüften bei 856 Probanden die Übereinstimmung von Palpation und Sonografie: 70 Prozent der Knoten ab 2 cm Durchmesser werden mit Palpation gefunden, resümierte Prof. Dr. Christoph Reiners von der Universität Würzburg. Bei Knoten über 1 cm Durchmesser empfehlen Leitlinien eine weitere Diagnostik wie Laborparameter, Ultraschall, Szintigrafie und Feinnadelpunktion.
Frühzeitige Diagnostik ist wichtig, weil in Deutschland jährlich bis zu 110.000 Schilddrüsenoperationen gemacht werden. Abgesehen von den Kosten sind Komplikationen ein Problem: Auch bei benignen Strumen liegt das Risiko etwa für eine Recurrenslähmung bei 1,6 Prozent. Bei bis zu 3.000 Patienten jährlich bleibt die Lähmung bestehen. Auf 20 Jahre gerechnet bedeutet das: Etwa 40.000 bis 60.000 Patienten bleiben heiser. Bei einem Rezidiveingriff steigt das Risiko sogar auf sieben Prozent.
Ein weiteres Risiko ist der post­operative Hypoparathyreoidismus. Das Risiko beträgt etwa 1,8 Prozent; bei Rezidivoperationen 5,4 Prozent. Die Nebenschilddrüsen werden oft nicht direkt durch das Skalpell, sondern auch durch Durchblutungsstörungen geschädigt. Die Betroffenen haben Tetanien sowie abdominelle und bronchiale Spasmen. Als Spätfolgen können eine Basalganglien-Verkalkung mit Parkinsonismus, ein Katarakt oder Nieren­steine auftreten.

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