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Innere Medizin 21. März 2007

Ursache für Makrolid-Resistenz dingfest gemacht

Antibiotika können das Gegenteil des gewünschten Effekts bewirken. Experten empfehlen, bei der Verschreibung an die möglichen Folgen einer Resistenzentwicklung zu denken.

„Achtung, Verschreiber: Seien Sie vorsichtig mit Antibiotika“, so titelte Dr. Stephanie J. Dancer von der Abteilung für Mikrobiologie des Southern General Hospital im schottischen Glasgow ihren Kommentar im Lancet vom 10. Februar.
Nicht nur Mikrobiologen und Epidemiologen warnen vor der Zunahme der Antibiotikaresistenzen. So zeigte etwa eine im Vorjahr veröffentlichte Untersuchung von Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos von der Klinischen Abteilung für Infektionen und Chemotherapie der MedUni Wien, dass in Österreich die Penicillin-Resistenz von Streptococcus pneumoniae 1996 noch annähernd fünf Prozent, 2002 schon zehn Prozent und 2005 zwölf Prozent betrug (Antibiotika-Monitor 3/2006). Auch die Daten zur Resistenzentwicklung von Escherichia coli sind beunruhigend: 23,4 Prozent der E.-coli-Stämme sind bereits gegen Fluorchinolone unempfindlich, wie der Linzer Mikrobiologe Prof. Dr. Helmut Mittermayer vom Krankenhaus der Elisabethinen unlängst in der Österreichischen Kranken­hauszeitung berichtete.

Bisher nur beobachtet

Dass die zunehmende Unempfindlichkeit der Keime mit der Gabe von Antibiotika zusammenhängt, dazu gab es bisher allerdings hauptsächlich Beobachtungen, keine ursächlichen Beweise. Eine solche kausale Verbindung haben nun Ärzte aus Belgien geliefert (Lancet 2007; 369: 482-490).
Prof. Dr. Herman Goossens von der Abteilung für medizinische Mikrobiologie der Universitätsklinik von Antwerpen und seine Kollegen führten an 224 Probanden eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit den Makrolid-Antibiotika Clarithromycin und Azithromycin durch, die häufig bei Atemwegserkrankungen eingesetzt werden. Nach der einwöchigen Einnahmephase wurden bei allen Teilnehmern in regelmäßigen Abständen Abstriche aus der Mundschleimhaut genommen. Es stellte sich heraus, dass im Vergleich zum Placebo die beiden Medikamente den Anteil der makrolidresistenten Streptokokken signifikant erhöhten. Überdies hielt der Effekt der Antibiotikatherapie auf die nichtpathogenen, natürlicherweise im Mund vorkommenden Keime mehr als 180 Tage lang an.

Ärzte können Einfluss nehmen

Je nach verabreichtem Makrolidantibiotikum mutieren die Bakterien schon sehr früh nach Beginn der Therapie oder erst später und werden unempfindlich – zuweilen auch gegen andere Substanzen. Jedenfalls, so Dancer in ihrem Kommentar, wirke sich jede systemische Therapie auf die Rachenflora aus.
„Die wichtigste Information ist, dass Antibiotika die Patienten, ihr Umfeld und auch alle Menschen belasten, die mit diesen Patienten in Kontakt kommen“, subsumiert Dancer. „Ärzte, die diesen Aspekt verstehen, können das Resistenzrisiko beeinflussen, nicht nur für die Patienten der Gegenwart, sondern auch für jene der Zukunft.“

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