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Innere Medizin 22. Februar 2007

Neue Therapieoption bei Typ-2-Diabetes

Der in den USA schon seit Herbst zugelassene erste Dipeptidyl-Peptidase 4-Inhibitor Sitagliptin wird möglicherweise schon ab April auch in Europa zur Behandlung von Typ-2-Diabetikern zur Verfügung stehen. Doppelblinde, placebokontrollierte Studien zeigten für Sitagliptin eine starke blutzuckersenkende Wirkung. Die Häufigkeit von Hypoglykämien lag dabei auf Placeboniveau.

Sitagliptin ist der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse zur Behandlung des Typ-2-Diabetes, der DPP-4-Inhibitoren. Der Wirkstoff hemmt reversibel das Inkretin abbauende Enzym Dipeptidyl-Peptidase 4 (DPP-4) und verstärkt so die physiologische Wirkung körpereigener Hormone, der so genannten Inkretine. Inkretine modulieren blutzuckerabhängig die Insulinfreisetzung aus den Betazellen sowie die Glukagonsup-pression in den Alphazellen des Pankreas.
Sitagliptin bewirkt nach oraler Einnahme einen Anstieg der aktiven Inkretin-Spiegel und in der Folge die teilweise Restitution des bei Typ-2-Diabetikern gestörten Inkretin-Effekts. Dadurch wird die körpereigene Fähigkeit zur Senkung eines erhöhten Blutzuckerspiegels verstärkt. Sitagliptin wirkt also als Inkretin-Verstärker. Ein wesentlicher Vorteil dieses Wirkprinzips besteht darin, dass die Insulinausschüttung in physiologischer Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme erfolgt. Damit weist Sitagliptin im Gegensatz zu konventionellen Sekretagoga ein prinzipiell geringes Hypoglykämie-Risiko und – durch die Inkretin-bedingt verlangsamte Magenentleerung und das gedämpfte Hungergefühl – ein günstigeres Gewichtsverhalten auf.
In den USA ist Sitagliptin (Januvia®) bereits seit Oktober 2006 sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit Metformin oder mit Glitazonen zugelassen, sofern durch Diät und Änderung des Lebensstils keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erzielt werden kann. Auch die europäische Zulassungsbehörde EMEA hat nun eine „positive Meinung“ über Januvia® ausgesprochen und den Einsatz für die Behandlung von Typ-2-Diabetes empfohlen. Ausgehend von dieser Empfehlung wird die Europäische Kommission in den nächsten zwei Monaten über die EU-ulassung von Januvia® beraten. Üblicherweise weicht die Europäische Kommission nicht von der Meinung der EMEA-Experten ab.

Überzeugende klinische Daten

Die EMEA stützt ihren positiven Entscheid auf Studiendaten von etwa 4.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes, die Sitagliptin in Monotherapie sowie in Kombination mit Metformin oder Glitazonen jeweils einen signifikanten Effekt auf die Blutzuckerkontrolle, neutrale bis positive Effekte auf das Körper-gewicht und ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil attestieren.
Erste Ergebnisse aus Phase-III-Studien wurden bei der Tagung der American Diabetes Association 2006 präsentiert. Demnach wirkt sich Sitagliptin in Monotherapie1 wie auch als Add-on zu Metformin2 positiv auf den Nüchternblutzucker und den postprandialen Blutzucker aus und verbessert die Betazellfunktion von Patienten mit Typ-2-Diabetes.
In einer weiteren Studie an Personen, die mit Pioglitazon nicht adäquat eingestellt waren, führte die zusätzliche Gabe von Sitagliptin über 24 Wochen zur verbesserten glykämischen Kontrolle bei neutralem Gewichtsverhalten3.
Hypoglykämien waren im gesamten Phase-III-Studienprogramm unter Sitagliptin auf Placebo-Niveau (1,2 vs. 0,9 %). Die Rate an Studienabbrüchen aufgrund unerwünschter Wirkungen lag bei den mit Sitagliptin behandelten Patienten etwas niedriger als in den anderen Behandlungsarmen (0,8 vs. 1,5 %).

Vergleich mit Sulfonylharnstoffen

In einer Studie an 1.172 Typ-2-Diabetikern (Ausgangs-HbA1c: 6,5% bis 10%) wurden Sitagliptin und der Sulfonylharnstoff (SH) Glipizid, jeweils in Kombination mit Metformin, über einen Zeitraum von 52 Wochen verglichen4. Dabei kam es in beiden Gruppen zur weitgehend identen Verbesserung der HbA1c-Werte, allerdings nahmen die Glipizid-Patienten durchschnittlich um 1,1 kg zu, während das Gewicht unter Sitagliptin um durchschnittlich 1,5 kg abnahm. Auch Hypoglykämien waren im SH/Metformin-Arm mit 32% vs. 5% hochsignifikant häufiger als unter Sitagliptin/Metformin.
Sitagliptin (Januvia®) wird als 100 mg Tablette einmal täglich eingenommen. Die Einnahme erfolgt unabhängig von der Nahrungsaufnahme.

1) Aschner et al. (1995-PO), Diabetes 55 (Suppl. 1), 2006
2) Karasik et al. (501-PO), Diabetes 55
(Suppl. 1), 2006
3) Rosenstock et al. (556-PO), Diabetes 55 (Suppl. 1), 2006
4) Nauck et al., Diabetes Obes Metab 9:194-205, 2007

Informationen:
Mark Frey, MSD Österreich,
Tel. +43/1/26044-148, Fax DW -33148,
E-Mail:

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