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Innere Medizin 22. Februar 2007

Häufige Kombination: Diabetes und Depression

Etwa 27 Prozent aller Diabetiker, besonders die übergewichtigen, sind depressiv. Nicht nur die Betroffenen leiden, auch die Qualität der Stoffwechselkontrolle lässt nach. Mangelnde Compliance und geringes Konzentrationsvermögen erschweren die Führung depressiver Patienten. Letztlich steigen Morbidität und Mortalität an. Moderne Antidepressiva sind mit der Diabetestherapie problemlos vereinbar und mit gutem Erfolg auch langfristig einsetzbar.

Die Prävalenz depressiver Erkrankungen bei Menschen mit schweren Leiden ist hoch. „Viele Wechselwirkungen sind bis heute nicht zufrieden stellend geklärt. Machen körperliche Erkrankungen depressiv? Verschlechtert die Depression das physische Krankheitsgeschehen?“, diese Fragen stellte auch Prof. Dr. Peter Hofmann, Universitätsklinik für Psychiatrie, Graz, anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft im November 2006 in Innsbruck. Mit einer Prävalenz von etwa 27 Prozent sind Depressionen bei Diabetikern um ein Vielfaches häufiger als bei der Gesamtbevölkerung. Etwa 100.000 Menschen leiden in Österreich sowohl an Diabetes als auch unter depressiven Erkrankungen.
„Bereits die Diagnose ‚Diabetes’ kann Katastrophengedanken auslösen. Fast jeder kennt die Spätfolgen der Zuckerkrankheit aus seinem persönlichen Umfeld. Der Bekanntheitsgrad der Erkrankung und das Wissen um die zahlreichen Einschränkungen der Lebensqualität tragen dazu bei, dass ein neu entdeckter Diabetes den Betroffenen nicht selten in eine schwere Krise stürzt“, gab Hofmann zu bedenken. Zu den Warnsymptomen der Depression zählen der Verlust an Interessen und Freude, Schlafstörungen, Unruhe, Angst, aber auch Konzentrations- und Denkstörungen.

Volksgesundheitliches Problem

Depressive Erkrankungen führen zu zahlreichen ungünstigen Veränderungen auf der Verhaltensebene. „Die Compliance depressiver Patienten ist schlecht. Eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Therapietreue, aber auch wenig förderliche Lebensstilfaktoren tragen dazu bei, dass die Stoffwechselkontrolle verglichen mit nicht depressiven Diabetikern weniger gut gelingt. Depressive mit Diabetes rauchen öfter, brechen Gewichtsprogramme häufiger ab oder konzentrieren sich bei Schulungen schlechter. In der Folge steigen Zahl und Schwere der Spätkomplikationen an“, beschrieb Hofmann.
Es konnte gezeigt werden, dass Patienten mit geringer Compliance höhere Ambulanzfrequenzen und häufigere stationäre Aufenthalte verursachen. Im Hintergrund der hohen Prävalenz stellt die Co-Morbidität aus Diabetes und Depression eine besondere Belastung für die Kostenträger in den Gesundheitssystemen dar.

Therapie und Gewichtsrisiko

Heute gebräuchliche Antidepressiva sind grundsätzlich auch für Diabetiker gut geeignet und können mit antidiabetischen Medikamenten kombiniert werden. Allerdings verhalten sich nicht alle Wirkstoffe neutral zum Körpergewicht. „Einzelne Antidepressiva können eine Gewichtszunahme und damit eine Steigerung der Insulinresistenz verursachen. Ein Beispiel dafür ist Mirtazapin, welches über eine antihistaminerge Komponente den Appetit fördert. Ebenfalls riskant sind die älteren Antidepressiva Amitryptilin und Clomipramin, sowie die Phasenprophylaktika Lithium und Valproinsäure“ gab Hofmann zu bedenken und verwies auf moderne Wirkstoffklassen: „Bei den SSRI gibt es teilweise widersprüchliche Angaben zum Gewichtsverhalten. Gut geeignet scheinen SNRI, bei denen weder eine Gewichtszunahme noch Interaktionen, hingegen aber günstige analgetische Co-Effekte zu erwarten sind.“

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