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Innere Medizin 22. Februar 2007

Typ-2-Diabetes: Keine Angst vor der Insulinisierung

Die Angst vor Hypoglykämien und Gewichtszunahme, dem „selber Spritzen“, aber auch davor, am Ende der therapeutischen Möglichkeiten angekommen zu sein, hält viele Typ 2-Diabetiker von einer notwendige Insulintherapie ab.

„An den Medikamenten oder am Wissen um die Sinnhaftigkeit einer Insulintherapie liegt es nicht, dass viele Typ-2-Diabetiker nicht gut eingestellt sind“, so der Diabetologe Dr. Helmut Brath vom Gesundheitszentrum Süd der Wr. Gebietskrankenkasse in seinem Vortrag bei der 34. Tagung der ÖDG. „Vielmehr an den Ängsten der Patienten und an aufwändigen Behandlungsalgorithmen.“
Viele Typ-2-DiabetikerInnen fürchten unter Insulintherapie eine Gewichtszunahme und vor allem Hypoglykämien. Eine gute Schulung der Patienten und ein einfach nachzuvollziehender Behandlungsalgorithmus sei das Um und Auf für eine erfolgreiche Insulintherapie. Auch die gewählte Insulintherapie spielt eine essenzielle Rolle. So haben viele Studien bewiesen, dass unter einer Basis-unterstützten Therapie mit Insulin glargin (Lantus®) deutlich seltener Hypoglykämien auftreten als unter NPH-Insulin. Auch Gewichtszunahmen fallen deutlich geringer aus.
Bei alten Patienten sei man oft mit innovativen Insulintherapien vorsichtig, so Brath, „dabei profitieren gerade diese Patienten.“ Brath berichtete von einem 80-jährigen Patienten, der unter einem NPH-Insulin symptomatische nächtliche Hypoglykämien erlitt. Nach Umstellung auf Lantus® verschwanden diese Hypoglykämien und der HbA1c-Wert des Patienten lag bei 6,6%. Der Patient kam mit acht Einheiten Insulin glargin pro Tag aus.

Alte Menschen profitieren besonders

„Es ist bei alten Menschen oft keine große Insulinmenge für eine erfolgreiche Therapie notwendig“, so Brath. Das häufig ins Treffen geführte Argument, Insulin glargin sei teurer als Humaninsulin, ist für Brath so nicht richtig: „Eine Studie, welche Effizienz und Kosten einer NPH- vs. Insulin glargin-Behandlung an 818 Typ-2-Diabetikern aus ganz Österreich verglich, zeigte, dass die Kosten unter Lantus® sogar günstiger waren, da in der täglichen Therapie deutlich weniger Messstreifen benötigt wurden. Das Wirkprofil von Insulin glargin ist dem physiologischen Insulinprofil nachempfunden, ohne große Spitzen, was seltenere Blutzuckermessungen ermöglicht.
Brath: „Ein sinnvoller Behandlungsalgorithmus beinhaltet die Einschulung der Patienten mit der Maßgabe, aufgrund von Selbstmessungen der letzten drei Tage gegebenenfalls die Dosis um zwei Einheiten zu erhöhen, wenn der Zielwert nicht erreicht wird.“ Wichtig sei, dem Patienten Verantwortung zu übertragen.

Verantwortung zuweisen

In Studien wie AT.LANTUS* konnte gezeigt werden, dass jene Patientengruppe, die eigenverantwortlich ihre Insulindosis titrierte, deutlich bessere Glucosespiegel erreichte. „Unsere Patienten brauchen eine einfache und flexible Insulintherapie und ein geringes Hypoglykämie-Risiko”, betonte Brath. „Dazu ist ein 24-Stunden- Basisinsulin mit einem stabilen Wirkprofil, wie Insulin glargin, gut geeignet."

*Davies et al., Diabetes Care. 2005 Jun;28(6):1282-8

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