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Innere Medizin 21. Februar 2007

Zukunftsperspektiven für Typ-1-Diabetiker

Die Schmerzhaftigkeit und Umständlichkeit der Blutentnahme ist ein limitierender Faktor häufiger Blutzucker-Selbstmessung, vor allem bei Kindern.

Intensivierte Insulintherapie ist Standard für die Therapie des Diabetes mellitus Typ-1. Die Insulingabe ist dabei genau auf die selbst gemessenen Blutzuckerwerte abgestimmt. Im Normalfall sind das vier bis sechs Messungen pro Tag. Dazu Prof. Dr. Thomas Pieber von der Uniklinik für Innere Medizin, Graz, bei der 34. Jahrestagung der ÖDG: „Das sind Punktmessungen ohne Trendinformation.“

Ohne unnötiges Blutvergießen

Eine intensive Therapie mit dem Ziel der HbA1c-Senkung erhöht das Hypoglykämierisiko. Eine schmerzarme non-invasive Messmethode würde häufigeres oder kontinuierliches Messen vor allem auch bei Kindern ermöglichen und das Hypoglykämierisiko der intensivierten Insulintherapie senken. Entsprechende Geräte werden seit Ende der Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts entwickelt. Grundprinzip: Mittels Implantation eines subkutanen Sensors (in vivo) oder Entnahme von Interzellularflüssigkeit und extrakorporaler Messung (ex vivo) kann unblutig gemessen werden.
Pieber dazu: „Die Glukosekonzentration im interstitiellen Kompartment korreliert stark mit den Plasmaglukosewerten. Besonders geeignet für die Messung ist die Interzellularflüssigkeit des subkutanen Fettgewebes.“ Die interstitielle Glukosekonzentration im subkutanen Fettgewebe beträgt etwa 70 Prozent der Konzentration im Blut – das Messgerät errechnet dann den Plasmawert.

... die minimalinvasive Glukosemessung

Welche Alternativen gibt es unter den nicht invasiven Messgeräten? Pieber: „Zurzeit gibt es mehrere Nadelsysteme für In-vivo-Messungen. Das Messprinzip basiert auf immobilisierter Glukoseoxidase. Der Sensor misst direkt im Interstitium ein elektrochemisches Signal.“ Kalibriert werden diese Geräte mit dem Blutzucker-Wert aus dem Kapillarblut. Durch lokale Gewebsreaktionen kann der Sensor in seiner Funktion deutlich beeinträchtigt werden. „Keines dieser Systeme funktioniert jedoch derzeit schon so gut, dass ein Patient seine Blutzuckereinstellung darauf aufbauen könnte. Die Patienten sind weiterhin auf eigene Blutzuckermessungen angewiesen.“
Eine andere Möglichkeit ist die Mikrodialyse: Hier diffundiert Glukose über eine semipermeable Membran in den Mikrodialysekatheter. Die Glukosekonzentration wird dann extrakorporal im Perfusat gemessen. Häufiges Kalibrieren bleibt dem Patienten auch hier nicht erspart.
„Für eine künstliche beta-Zelle brauchen wir eine minimal invasive Glukosemessung, einen Algorithmus zur Insulindosierung und eine akut steuerbare Pumpe für eine subkutane Insulininfusion“, so Pieber. Das „Adicol“-Projekt der EU hat versucht, genau dies umzusetzen. Ein Plasmaglukose-Sensor und eine modifizierte Insulinpumpe wurden elektronisch verbunden. Aus Glukosewerten und Nahrungszufuhr wurde mithilfe eines selbst lernenden Algorithmus die Insulindosis errechnet und ferngesteuert infundiert. Pieber: „Mit diesem System konnte eine akzeptable Stoffwechselkontrolle erreicht werden. Die künstliche beta-Zelle ist grundsätzlich umsetzbar. Die verlässliche nicht invasive Messtechnik muss noch entwickelt werden.“

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 23/2000

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