zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 21. Februar 2007

Schritt für Schritt zur besseren Pumpe

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert wird die Insulininfusion per Pumpe zur Behandlung von Patienten mit Typ-1-Diabetes eingesetzt und gilt mittlerweile als die optimale Methode zur Insulinapplikation mit den geringsten hypoglykämischen Ereignisraten. Auf die weitere Entwicklung kann man gespannt sein.

Die im Rahmen der kontinuierlichen subkutanen Insulin-Infusion (CSII) eingesetzten Insulinpumpen sind externe Arzneimittelpumpen, die fortlaufend kleine Insulindosen aus einem Insulintank über einen Katheter und eine subkutan platzierte Verweilkanüle spritzen. Galt die CSII früher noch als das letzte Aufgebot, so sind die modernen Geräte kleiner, sicherer und zuverlässiger geworden.
Prof. Dr. Helmut R. Henrichs von der Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie, Quakenbrück, verwies bei der 34. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft in Innsbruck Mitte November 2006 auf die bemerkenswerte Entwicklung der Insulinpumpentherapie. Trotzdem mahnte der Diabetologe vor überzogenen Forderungen an die Technologie: „Natürlich haben wir noch nicht den perfekt implantierten Vollautomaten. Aber wenn wir beachten, welche Fortschritte in den letzten 25 Jahren errungen wurden, indem Stufe für Stufe erklommen wurde, können wir zuversichtlich in die Zukunft schauen.“

Technik keine Hürde mehr

Tatsächlich mussten die ersten Insulinpumpenvorläufer noch auf den Rücken geschnallt werden. Ganz anders als die modernen Geräte, die vom Design her auch Handys sein könnten. Henrichs gab seine anfängliche Skepsis zu: „Ich war unsicher, ob die komplexen Geräte meinen Patienten nicht überfordern. Doch heute ist dies kein Thema mehr, fast jeder ist imstande, solche Apparate zu bedienen.“ Für die nächste Zukunft hofft Henrichs auf eine Technik, die mithilfe eines implantierten Sensors relevante Daten zur außen liegenden Pumpe überträgt, er warnte jedoch vor übertriebenem Langmut: „Lassen Sie Ihre Patienten nicht auf diese Entwicklung warten. Wir müssen mit dem arbeiten, was wir jetzt haben – und das ist gar nicht übel!“ Diese Entwicklung ermöglicht es indes, neue Zielgruppe und Altersklassen zu rekrutieren. Es werden nachhaltige Diskussionen geführt, ob auch Typ-2-Diabetiker großflächig mit der CSII versorgt werden sollten. Die medizinischen Aspekte werden bei dieser Frage allerdings noch von gesundheitsökonomischen Bedenken überschattet.

Heißer Vergleich: Pumpe oder Injektion?

Wer immer einen Vergleich zwischen CSII und Injektionstherapie (ICT-MDI) wagt, der weiß, dass er ein heißes Eisen in die Hand nimmt. Zu diesen hitzeresistenten Wissenschaftlern gehört eine Gruppe um Pickup, die 2002 im Rahmen einer Metaanalyse der CSII im Vergleich zur ICT im HbA1c-Bereich einen Benefit von 0,5 Prozent bescheinig­te. Zudem beschrieben die Studienautoren geringere Blutzuckerschwankungen sowie einen um 14 Prozent niedrigeren Insulinbedarf. Ein schönes Resultat für die Pumpenbefürworter, resümierte Henrichs, auch wenn die herangezogenen Daten etwas älter waren.
Eine aktuellere Untersuchung aus 2004 von Doyle et al (Diabetes Care 27:1554-1558) wiederholte diesen Vergleich. Hier wurde eine moderne ICT (Insulin Glargin) gegen die CSII verglichen. Auch diesmal bestätigte sich der Vorteil der CSII im HbA1c-Bereich (s. Tab.). Henrichs: „Mittlerweile wissen wir, dass der Vorteil des HbA1c-Effektes umso größer war, je höher der HbA1c-Spiegel lag, insbesondere bei jenen Patienten, die in hohem Maß zu Hypoglykämien tendierten.“

Analog- oder Human-Insulin?

In der Frage, die in deutschen Fachkreisen für hitzige Gemüter sorgt, nämlich, ob die CSII besser mit kurz wirkendem Analog-Insulin oder Human-Insulin wirkt, verwies Henrichs auf eine Analyse von Colquitt et al. (Diabet Med 20:863-866, 2003). Diese offen­barte einen dünnen Vorsprung von Analog-Insulin um 0,26 Prozent im HbA1c-Bereich. Bei den Faktoren Insulindosis, Körpergewicht und Hypoglykämien gab es keine signifikanten Ungleichheiten.
Ähnlich umstritten ist, ob das Insulin gleichmäßig in den Metabolismus einsickern soll oder ob eine variable, programmierbare Basalrate vorteilhafter ist. Henrichs mit Blick auf eine Untersuchung von Catargi et al. (Diabetes Metab 27:323-7, 2001): „Programmieren Sie ruhig weiter, denn diese Studie erbrachte einen signifikanten Vorteil für die variable Insulinverabreichung, vor allem bei Patienten, die nachts mit Hypoglykämien zu kämpfen hatten.“ Neben der verbesserten HbA1c-Einstellung, spielt die durch diverse Untersuchungen bestätigte Verminderung der Blutglukosevariabilität für die langfristige Prognose und Folgeerkrankungen eine besondere Rolle.
Bei konservativer Einteilung, so Henrichs, könne man rund 20 Prozent aller Typ-1-Diabetiker als Kandidaten für eine CSII zählen. „Anders bei progressiven Einschätzungen: In der Oslo Region etwa ist CSII die primäre Behandlung bei jedem neu diagnostizierten Kind mit Diabetes.“ In den USA stieg die Pumpenbehandlung im Rahmen von Typ-1-Diabetes seit 1995 von drei auf 20 Prozent im Jahre 2002. In Italien fand sogar eine Vervierfachung der CSII-Träger in diesem Zeitraum statt. Allgemein boomt die CSII-Verbreitung in Europa. ­Diese Zuwächse wären nicht möglich, betonte Henrichs, wenn Akzeptanz und Interesse unter den Patienten nicht so stark wären.

 Metabolische Kontrolle
Deutlicher Unterschied bei HBA1C zwischen der CSII- und der ICT-Gruppe (Insulin Glargin).

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben