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Innere Medizin 21. Februar 2007

Schizophrenie-Therapie: Was ins Gewicht fällt

Neuroleptika machen dick! Neuroleptika verschlechtern das Lipidprofil! Neuroleptika können den Blutzucker steigern! Alles nur Vorurteile?

Mögliche unerwünschte Wirkungen von Antipsychotika sind bekannt und kommen immer wieder auf den Tisch der wissenschaftlichen Diskussion. Prof. Dr. Christoph Ebenbichler, Univ.-Klinik für Innere Medizin in Innsbruck, gab bei der 34. Jahrestagung der ÖDG einen Überblick über das metabolische Risiko dieser Medikamente.

Pathophysiologische Faktoren für ungezügeltes Essen

Unter antipsychotischer Medikation können nicht selten gewaltige Gewichtszunahmen verzeichnet werden. Für die gesteigerte Nahrungszufuhr gibt es mehrere pathophysiologische Erklärungen. Vor allem Einflüsse im Dopamin- und Prolaktinstoffwechsel sind für ungezügeltes Essen verantwortlich. Dazu kommt verminderte Bewegung, etwa durch Hospitalisierung oder durch die Krankheit selbst.
„Nicht bei allen Wirkstoffen ist das Risiko einer Gewichtszunahme gleich hoch. Eine Untersuchung von Eder et al. beobachtete beispielsweise nach acht Wochen Therapie mit Olanzapin eine Zunahme der Fettmasse um durchschnittlich 2,2 kg. Damit liegt der Wirkstoff im oberen Drittel der Risikoskala. Ziprasidon, Aripiprazol und Amisulprid markieren das untere Ende“, gab Ebenbichler zu bedenken (siehe Grafik).

Wahrscheinlichkeit für diabetische Entgleisungen

Neuroleptika können eine diabetische Stoffwechsellage auslösen, die nach Absetzen der Medikation üblicherweise reversibel ist. Eine Studie von Koro et al.
bewertete die Wahrscheinlichkeit diabetischer Entgleisungen unter verschiedenen Neuroleptika. Mit einem Wert von 5,8 war das relative Risiko für Olanzapin beispielsweise mehr als doppelt
so hoch als unter Therapie mit Risperidon (2,2).
„Ursächlich dürfte eine Verminderung der Insulinsensitivität hinter diesen Veränderungen stehen“, erklärte Ebenbichler. „Während Indizes für die Beta-Zellfunktion durch Antipsychotika nicht beeinträchtigt werden, konnte ein signifikanter Anstieg der Insulinresistenz nachgewiesen werden. Das molekulare Signaling durch Insulin an der Muskelzelle wird durch Olanzapin auf weiten Strecken gestört.“
Über vergleichbare Mechanismen fördern Neuroleptika zudem ein tendenziell atherogenes Lipidprofil. „Auch bei den Blutfetten verhalten sich nicht alle Wirkstoffe gleich“, betonte Ebenbichler und nannte Quetiapin, Risperidon und Ziprasidon als Präparate mit vergleichsweise geringem Risiko einer Lipiderhöhung.

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 23/2000

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