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Innere Medizin 20. Februar 2007

HIV-Test hinter verschlossenen Türen

Der Lancet brach eine Lanze für HIV-Heimtests. Die ÄRZTE WOCHE sprach mit heimischen Experten über die Sinnhaftigkeit der Selbstbestimmung.

Bei 30 Prozent der Infizierten wird die Tatsache einer Ansteckung mit dem Immunschwächevirus HIV erst mit der ersten Aids-definierenden Erkrankung festgestellt. Die Konsequenz der späten Diagnose hat nicht nur für die Betroffenen fatale Folgen, weil sie zu diesem späteren Zeitpunkt für gewöhnlich auf die Therapie weniger gut ansprechen. Wer nicht weiß, dass er das HI-Virus in sich trägt, kann andere anstecken.
Generell kommen die Betroffenen zu spät zu einer Testung, heißt es in Fachkreisen. Einer der Gründe mag in einer gewissen Schwellenangst vor dem Labor oder der Arztpraxis liegen. „Wenn Ärzte wirklich an die Autonomie der Patienten glauben, sollten Menschen selbst entscheiden dürfen, wo, wann und wie sie ihren HIV-Status testen“, schrieb die britische Ärztin Dr. Lucy Frith von der University of Liverpool unlängst im Lancet (2007; 369: 243-245).

Erschreckend niedriger Wissensstand

Eines der häufigsten Gegenargumente lautet, dass Menschen, die nach der Testung im stillen Kämmerlein vor einem positiven Resultat stehen, mit einer Panikhandlung reagieren könnten. „Beobachtungen in Amerika haben gezeigt, dass die Selbstmordrate unter Menschen, die ihr positives Testergebnis telefonisch erfuhren, nicht höher war als unter jenen, die eine Beratung erhielten“, berichtet OA Dr. Armin Rieger, Leiter der HIV-Ambulanz am Wiener AKH. Allerdings, so gibt der Dermatologe zu bedenken, seien das Wissen um die Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten in der Bevölkerung immer noch „erschreckend gering“.
Diese Erfahrung macht auch Dr. Brigitte Schmied, Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft, immer wieder. „Generell muss auf Information großer Wert gelegt werden“, betont die Oberärztin an der 2. Internen Lungenabteilung am Wiener Otto-Wagner-Spital. „Wichtigster Punkt ist Aufklärung“ – eine Möglichkeit dafür ist das Beratungsgespräch vor oder nach dem Test. Noch steht kein Heimtest zur Verfügung. Laut Schmied ist die Sensitivität und Spezifität der derzeit in Erprobung befindlichen Verfahren zwar relativ hoch, „vorausgesetzt, sie werden korrekt durchgeführt“, so die Wiener Internistin. Doch zu bedenken sei, dass eine akute HIV-Infektion damit nicht nachgewiesen werden könne, woraus sich eine falsche Sicherheit ergebe.
„Ich glaube zwar, dass man den Prozentsatz derjenigen, die unerkannt infiziert sind, senken könnte, wenn Heimtests zur Verfügung stehen“, meint Schmied. „Aber die Voraussetzungen, diese Schnelltests zu Hause anzuwenden, sind noch nicht geschaffen.“
Überlegenswert findet die Präsidentin der Aids-Gesellschaft eine andere Option, die sich etwa in der Schweiz bewährt hat: Dort werden Schnelltests in entsprechenden Institutionen durchgeführt. Untersuchungen haben gezeigt, dass mehr der Getesteten die 20 Minuten auf das Ergebnis warteten, als nach einigen Tagen kamen, um das Resultat herkömmlicher Verfahren abzuholen. Ob Heimtests – etwa mit Speichelproben – in Österreich zugelassen werden sollen, mit dieser Frage wird sich der Oberste Sanitätsrat demnächst beschäftigen.

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