zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 20. Februar 2007

Neuer Hüftschwung: Ja oder nein?

Besser eine Prothese aus Keramik oder eine aus Metall? Welche Medikamente müssen wann abgesetzt werden? Wie lange dauert der Spitalsaufenthalt? Und wie viel Zeit muss für den Rehabilitationsaufenthalt einkalkuliert werden? Patienten, die vor der Entscheidung für eine künstliche Hüfte stehen, haben viele Fragen. Auch an ihren Hausarzt.

Die Indikation zur Versorgung einer Coxarthrose mit einer Hüftendoprothese ist stets vom Leidensdruck des Patienten abhängig zu machen. „Nicht das Röntgenbild, sondern der Patient entscheidet“, so Prof. Dr. Reiner Gradinger, Direktor der Klinik für Orthopädie und Sportorthopädie am Münchner Klinikum rechts der Isar. Der Arzt kann den Patienten hilfreich beraten, wenn er die Symptome gewichten kann.

Gründe für einen operativen Eingriff

Für eine Operation spricht
- die Reduktion der Gehfähigkeit auf 30 Minuten,
- nur verzögerte Schmerzerleichterung in Ruhe,
- Störung der Nachtruhe durch nächtliche Schmerzen.
Von Bedeutung sind auch Bewegungseinschränkungen, vor allem dann, wenn Kontrakturen im Sinne einer Beugekontraktur, einer Ab- oder Adduktionskontraktur auftreten, da damit auch eine erhebliche funktionelle Beinverkürzung (Flexionskontraktur, Adduktionskontraktur) oder eine Beinverlängerung (Abduktionskontraktur) assoziiert ist.
Die Ursachen, die zu einer Coxarthrose führen, sollten geklärt werden (siehe Tabelle). Gerade bei den Hüftkopfnekrosen sind Begleiterkrankungen aus internistischer und allgemeinmedizinischer Sicht auch für den Operateur bedeutsam. Eine optimierte Einstellung der Grunderkrankungen ist notwendig. Die Medikation ist rechtzeitig vor einer vorgesehenen Operation zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Dies betrifft vor allem Medikamente, die in die Gerinnung eingreifen (Empfehlungen siehe Kasten links unten).

 Hüftprothesen: Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme

Die Qual der Prothesenwahl

Die Auswahl der Endoprothese erfolgt individuell. Dabei sind Kappenprothesen vor allem für jüngere Patienten bei guter Knochensubstanz einsetzbar. Nicht sinnvoll sind diese bei Hüftkopfnekrose, Osteoporose oder einer rheumatologischen Grunderkrankung. Kurzschaftprothesen sind ebenfalls eher für jüngere Patienten geeignet. Klinisch ist kein Vorteil gegenüber den Standardsystemen zu erkennen, vor allem da die Standzeiten der herkömmlichen zementlosen Systeme deutlich verbessert worden sind. In einer prospektiven Studie konnten Gradinger und sein Team zeigen, dass nach 17 Jahren noch nahezu 94 Prozent der implantierten Stielprothesen stabil waren.
Die Implantation einer Hüftendoprothese erfolgt häufig in Spinalanästhesie oder kombiniert mit Schmerzkathetern und flacher Narkose. Eine präoperative Eigenblutspende ist bei gutem Allgemeinzustand zu empfehlen (Blutverlust ca. 500 ml). Bei den so genannten minimalinvasiven Zugängen handelt es sich um minimierte Zugänge, die mit Eingriffen wie Arthroskopie, Laparoskopie usw. nichts gemein haben. Durch spezielle Lagerungs- und Positionierungsverfahren werden lediglich die Muskelablösungen minimiert, so dass eine schnellere Rekonvaleszenz erwartet wird. Dieser Effekt scheint allerdings nur in den ersten Wochen post OP zum Tragen zu kommen.
Dieselben Studien zeigen aber auch, dass die Komplikationsrate (Infektionen, Luxationen, Nervenläsionen) durch die minimierten Zugänge steigt. Der Ausgleich der Beinlänge gelingt häufig nicht, besonders bei gleichzeitig bestehenden Kontrakturen oder Muskeldysfunktionen, die mit einer erhöhten Luxationsneigung einhergehen können.
Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel sieben bis zehn Tage. Die anschließende Rehabilitation umfasst etwa drei Wochen, gefolgt von ambulanter Physiotherapie. Deren Dauer hängt vom muskulären Ausgangszustand und von der Trainierbarkeit ab, welche wiederum vom Alter des Patienten beeinflusst wird. Als Spätkomplikation können periartikuläre Verknöcherungen auftreten, deren Ursache nicht geklärt ist.
Bei eitrigen Infektionen, etwa Tonsillitis oder Sinusitis, sind Endoprothesenträger rechtzeitig mit Antibiotika zu behandeln, um eine Sekundärinfektion der Endoprothese zu vermeiden.

 Medikamente und Hüft-OP

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben