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Innere Medizin 13. Februar 2007

Prävention als Mittel gegen Zellentartung

Trotz neuer Medikamente wird Krebs – europaweit gesehen – immer mehr zur Bedrohung. Lebensstiländerungen sollen Neuerkrankungen hintanhalten.

Österreich, hast du es besser? Die Krebssterblichkeit nimmt hier zu Lande ab, und im langfristigen Trend seit 1993 zeigt sich laut Statistik Austria unter Berücksichtigung der Veränderung der Altersstruktur bei Männern nur eine leichte Zunahme, bei Frauen hingegen eine geringe Abnahme des Krebsrisikos. Für Prof. Dr. Michael Micksche, den Leiter des Instituts für Krebsforschung an der Wiener Medizinischen Universität, hat der Rückgang der Krebssterblichkeit mehrere Gründe: neue Chemotherapeutika mit kürzeren Einwirkungszeiten und geringeren Nebenwirkungen sowie Möglichkeiten zum Schutz von gesundem Gewebe bei Strahlentherapie. Aber auch die psychosoziale Beratung und die Appelle der Österreichischen Krebshilfe, Vorsorge in Anspruch zu nehmen, hätten, wie Micksche auf dem Innviertler MedizinForum im Jänner betonte, Anteil an der besseren Prognose.

Steigendes Durchschnittsalter als eine der Ursachen

Im EU-Vergleich liegt Österreich bei den Neuerkrankungen knapp über und bei der Sterberate bei beiden Geschlechtern unter dem europäischen Mittel. So starben laut letztverfügbaren Daten der Statistik Austria im Jahr 2003 hier zu Lande rund 20.000 Menschen an Krebs, bei 35.000 wurde die Krankheit neu diagnostiziert. Angesichts der Hochrechnung der europaweiten Daten schlagen die Verantwortlichen der in Lyon ansässigen International Agency for Research on Cancer (IARC) jetzt Alarm. Danach gab es europaweit im Jahr 2004 2,9 Millionen Krebs-Neuerkrankungen, 2006 jedoch bereits 3,2 Millionen. Neben dem Bronchuskarzinom gehören bösartige Neubildungen im Darm und in der Brust zu den Krebsformen, die am meisten Opfer fordern. Zwar muss bei den Statistiken berücksichtigt werden, dass die größere Zahl an Brust- oder Prostatakrebsdiagnosen zum Teil auch in vermehrten Früherkennungs- und Screeningprogrammen begründet sein kann. Ausschlaggebend für die deutliche Zunahme ist nach Ansicht von Prof. Peter Boyle, Direktor der IARC, aber vor allem das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung. Freilich spielt auch der Lebensstil eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die hohen Inzidenzzahlen von Magenkrebs in Mittel- und vor allem in Osteuropa werden auf ungünstige Ernährungsgewohnheiten zurückgeführt. Und fast 20 Prozent der Krebsopfer im Vorjahr, nämlich 334.800 Europäer, starben am Lungenkarzinom. „In der überwiegenden Mehrzahl wird Lungenkrebs durch Rauchen verursacht. Maßnahmen, das Rauchen einzudämmen, haben deshalb oberste Priorität“, so Boyle in der auf der Website der Annals of Oncology vorab veröffentlichten Studie (doi:10.1093/annonc/mdl498). 43 Prozent aller Krebsfälle könnten durch einen in der Kindheit erlernten gesunden Lebensstil vermieden werden, lautet demgemäß die Botschaft der International Union Against Cancer (UICC). Die Non-profit-Organisation hat in der Vorwoche in weltweit 86 Ländern eine Kampagne gestartet, die auf Gesundheitsexperten und -behörden abzielt und Maßnahmen zur gesunden Lebensführung propagieren will. Die Mutter des amerikanischen Präsidenten und Ex-First-Lady Barbara Bush sowie Tennis-As Steffi Graf unterstützen die Kampagne.

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