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Innere Medizin 13. Februar 2007

Pandemie COPD im Mittelpunkt

Aktuelle epidemiologische Daten belegen, dass der Früherkennung und rechtzeitigen Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ein höherer Stellenwert als bisher einzuräumen ist, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Eine Dauerbehandlung mit lang wirksamen Bronchodilatatoren wie Spiriva® sollte bereits bei einer Einschränkung der Lungenfunktion auf 80 Prozent des Sollwertes beginnen.

Seit 2002 gibt es mit dem „World COPD Day“ einen jährlichen Ak­tionstag, der sich der Problematik der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit annimmt. Im Jahr 2006 standen die Daten aus der internationalen BOLD-Studie (Burden of Obstructive Lung Disease) im Mittelpunkt der Diskussionen um die zunehmende gesundheits- und gesellschaftspolitische Bedeutung der COPD. Den Ergebnissen dieser Studie zufolge sind mehr als zehn Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung im Alter über 40 von dieser Krankheit betroffen. „Die COPD wird im Jahre 2010 weltweit die vierthäufigste Todesursache darstellen“, erklärte Prof. Dr. Michael Studnicka, Vorstand der Univ.-Klinik für Pneumologie, Salzburger Landeskliniken, SALK, anlässlich des World COPD Days 2006, der Mitte November im Konzerthaus in Wien stattfand.

Etwa eine Million COPD-Patienten in Österreich

Die BOLD-Daten für Österreich wurden von Studnicka im Bundesland Salzburg erhoben und sind ernüchternd: „Jede vierte zufällig ausgewählte Person wies eine nicht vollständig reversible obstruktive Ventilationsstörung auf. In rund zehn Prozent der Fälle fand sich sogar eine höhergradige Einschränkung der Lungenfunk­tion im Sinne einer COPD im Stadium II“, berichtete Studnicka. „Rechnet man diese Zahlen für ganz Österreich hoch, so leben in unserem Land rund eine Million COPD-Patienten.“ Von diesen sollten etwa 400.000, so der Studienleiter, einer Dauertherapie zugeführt werden. Die BOLD-Daten weisen eindrucksvoll auf die Wichtigkeit von Früherkennung und rechtzeitiger therapeutischer Intervention hin. So sollte eine regelmäßige Kontrolle der Lungenfunktion bei jedem Raucher ab dem 40. Lebensjahr erfolgen, auch wenn er keine Symptome einer COPD zeigt. Die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) empfiehlt überdies, dass jeder COPD-Patient sowie jeder Patient mit Verdacht auf COPD zumindest einmal von einem Lungenfacharzt diagnostisch abgeklärt werden sollte. Zwar wird dieser Empfehlung bei bereits klinisch manifester Krankheit von den Allgemeinmedizinern in den meisten Fällen Folge geleistet, bei Risikopatienten bzw. Verdacht auf COPD erfolgt die Überweisung jedoch oft erst sehr spät. „Um Spätschäden zu vermeiden, sollte unbedingt eine rechtzeitige Abklärung erfolgen“, forderte Dr. Sylvia Hartl, Oberärztin an der 1. Internen Lungenabteilung, Otto Wagner Spital, Wien, Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und seit kurzem auch Generalsekretärin der European Respiratory Society.

Unbehandelt schreitet die COPD unaufhaltsam fort

Die als Reaktion auf inhalative Noxen entstehende Hyperaktivität des cholinergen Systems führt zu einer Dauerbronchokonstriktion. Steigt die Atemfrequenz, reicht die Zeit nicht mehr aus, um die gesamte Luft durch das verengte Bronchialsystem zu transportieren. Dadurch bleibt am Ende der Exspiration zu viel Luft in der Lunge. Dieser als Air-Trapping bezeichnete Mechanismus tritt im Frühstadium der COPD nur bei körperlichen Belastungen auf und führt zu Dyspnoe. Als Folge vermeiden die Patienten körperliche Aktivitäten weitgehend. Ausdauer und Kraft der Muskulatur nehmen somit ab, was die Belastungstoleranz weiter einschränkt.

Signifikante Reduktion des Air-Trapping durch Spiriva®

Hartl sieht im Air-Trapping „einen der wichtigsten Faktoren für den klinischen Verlauf der COPD, wenn nicht den wichtigsten überhaupt.“ Die Dauerbehandlung mit Spiriva® reduziert das Air-Trapping signifikant. „Dadurch steigt nicht nur das ventilierbare Volumen und somit die Belastungstoleranz an, auch Exazerbationen werden signifikant seltener“, so Hartl. Während COPD-Exazerbationen kommt es, vor allem bei bereits fortgeschrittener Krankheit, bisweilen zu einer derartigen Verschlechterung von Atemmechanik und pulmonalem Gasaustausch, dass ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird. „Diese oft dramatisch verlaufenden Ereignisse schränken nicht nur die Lebensqualität massiv ein, sondern verschlechtern auch die Prognose“, erklärte Prof. Dr. Otto Burghuber, Leiter der 1. Internen Lungenabteilung, Otto Wagner Spital, Wien. Je ausgeprägter der Abfall der Lungenfunktion während einer Exazerbation ist, desto länger dauert die Erholungsphase. Da Patienten mit häufigen Exazerbationen einen rascheren Verlust an Lungenfunktion haben, entwickelt sich eine Spirale nach unten, das heißt, immer mehr und immer schwerere Exazerbationen treten auf. Für die Evaluierung des Therapieerfolges sind die klinischen Verlaufsparameter oft aussagekräftiger als die Lungenfunktion. Die Schwere der Dyspnoe, die Einschränkung der Belastungstoleranz und die Frequenz von Exazerbationen bestimmen die Lebensqualität und erlauben daher verlässliche Rückschlüsse auf die tatsächliche Effektivität einer Behandlung. „Spiriva® beeinflusst all diese klinischen Parameter positiv“, so Hartl. Neben der konsequenten medikamentösen Therapie sollten COPD-Patienten bereits frühzeitig einer strukturierten pulmonalen Rehabilitation unterzogen werden. Diese umfasst neben Raucherentwöhnung ein individuell dosiertes Ausdauer- und Krafttraining. Hartl: „Nur durch ein umfassendes therapeutisches Konzept für jeden einzelnen Patienten lässt sich die COPD in den Griff be­kommen.“

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