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Innere Medizin 14. Dezember 2006

Pneumologische Rehabilitation ist in Bewegung

Eine schlechte Lungenfunktion geht bei COPD-Patienten mit weniger Bewegung einher. Geringe körperliche Aktivität ist ein Risikofaktor für die Hospitalisierung der Betroffenen. Rehabilitation und Training sollen luft- und lustlos Gewordene wieder in Schwung bringen.

Trägheit macht krank – Krankheit macht träge. Ein Teufelskreis, der wissenschaftlich belegt ist. „COPD-Patienten mit sehr geringer Aktivität sind in Bezug auf Exazerbationen und Hospitalisierung klar benachteiligt. Umgekehrt führen ­Exazerbationen zu weiterer Inaktivität“, resümierte Prof. Dr. Rik Gosselink, Respiratory Rehabilitation and Respiratory Devision, Univ.-Hospital Gasthuisberg, anlässlich des Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.
Gosselink über die Bedeutung einer langfristigen Betreuung: „Erfahrungen der kardiologischen Rehabilitation zeigen, dass eine Lebensstilveränderung viele Monate braucht.“ Das Ansprechen auf diese Komponente der Rehabilitation hängt wahrscheinlich nicht vom Schweregrad der COPD ab. So stehen mitunter gut motivierbare aktive Patienten mit schlechter Lungenfunktion trägen und passiven Menschen mit weniger fortgeschrittener Krankheit gegenüber.
Doz. Dr. Milo Puhan, Univ.-Spital Zürich: „Konsequentes Ausdauertraining stellt eine Gratwanderung zwischen Wirksamkeit und Tolerierbarkeit für den Patienten dar.“ Krafttraining verbessert die maximale Leistungsfähigkeit und sollte bei einem ausgeglichenen Trainingsprogramm nicht fehlen.
Eine Schweizer Studie stellte Kraft- und Ausdauertraining einander gegenüber und fand einen möglichen Kompromiss zwischen beiden Methoden. „Anstelle der kontinuierlichen Ausdauerleistung wurde eine Patientengruppe mit Intervalltraining belastet. Eine 30 Minuten dauernde Trainingseinheit mit nur 20 Prozent der Maximalleistung wurde durch kurze Phasen mit 100 Prozent Leistung unterbrochen. Der Trainingseffekt war bei deutlich besserer Verträglichkeit dem konventionellen Training gleichwertig. Besonders Personen mit schlechten Ausgangsbedingungen wie geringer Gehstrecke oder chronischer Hypoxämie profitierten“, berichtete Puhan.

Der geeignete Zeitpunkt

Bei der Frage nach dem Rehabilitationsbeginn stoßen zwei Konzepte aneinander. Das in den USA, Kanada oder Frankreich gebräuchliche Modell fokussiert auf einen raschen Trainingsbeginn, sobald der Patient stabilisiert ist. Demgegenüber steht das in Österreich, der Schweiz und Deutschland angewandte Konzept einer Rehabilitation im Anschluss an die Exazerbation. Puhan: „Die Compliance ist hier besser, das Training ist gezielt auf Risikopatienten ausgelegt und dürfte wahrscheinlich wirksamer als bei der frühen Rehabilitation sein.“
„Die aktuellen Leitlinien der ÖGP zur Pulmonalen Rehabilitation liefern bewusst pointierte Antworten für die Praxis“, betonte Prof. Dr. Hartmut Zwick, Medical Fitness Team, Wien: „Mobilität ist zentrales Element der Lebensqualität. Rehabilitation soll die Pflegebedürftigkeit reduzieren, die Arbeitsfähigkeit erhalten und den Krankheitsfortschritt verlangsamen.“
Zu den gesicherten Indikationen für eine Pulmonale Rehabilitation gehören neben der COPD ab Stadium Gold II das Chronische Asthma bronchiale, die Cystische Fibrose und Situationen nach Volumen-reduzierenden Operationen oder Lungentransplantation. Als mögliche Anwendungsgebiete werden in den Richtlinien alle anderen Lungenerkrankungen genannt, bei denen eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit auftritt. Kontraindiziert sind Rehabilitation und Training in akuten und dekompensierten Situationen, aber auch wenn dem Patienten Wille oder Fähigkeit zur Kooperation fehlen.
Neben der betreuten Rehabilitation tragen patientengerechte Schulungen wesentlich zum Erhalt des Therapieerfolges bei. Zwick: „Die ÖGP bietet zertifizierte Zusatzausbildungen für verschiedene Berufsgruppen. Neben Fachärzten für Pneumologie, Physikalische oder Innere Medizin und Allgemeinmedizinern werden nichtärztliche Berufsgruppen wie Sportwissenschafter und Physiotherapeuten angesprochen.“ Die Ausbildungsinhalte für Lungenfachärzte werden in acht Fortbildungsmodulen zu zehn Stunden transportiert, für andere Fachgebiete sind entsprechend umfassendere Vorbereitungen erforderlich.

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