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Innere Medizin 14. Dezember 2006

Atemmuskeltraining – sinnvoll in der Praxis?

Lange Zeit umstritten, können wissenschaftliche Studien heute nachweisen, dass gezieltes Atemmuskeltraining einen wesentlichen Faktor in der pulmonalen Rehabilitation darstellt.

Europaweit gelten Erkrankungen der Atmungsorgane zunehmend als Gesundheitsproblem. Daher ist es erforderlich, bei Patienten mit Ventilationsstörungen zur Verbesserung der Lebensqualität und Steigerung der Leistungsfähigkeit Maßnahmen zu setzen, welche die Funktion der muskulären Atempumpe, Zwerchfell und Atemhilfsmuskulatur, verbessern.
Zu den therapeutischen Verfahren, welche die Kapazität der muskulären Atempumpe beeinflussen können, zählen Sauerstoffzufuhr, hochkalorische Nahrung, Pharmaka und ein Trainingsprogramm zur Kräftigung der inspiratorischen Atemmuskulatur. Bei diesen Übungen, die mehrmals wöchentlich mit Hilfe eines Gerätes erfolgen, muss der Patient gegen einen hohen Widerstand atmen, um so Kraft und Ausdauer der Muskulatur zu stärken.
Für Doz. Dr. Theodor Wanke, Oberarzt an der Abteilung für Atmungs- und Lungenkrankheiten Krankenhaus Hietzing, ist es keine Frage, dass dieses gezielte Training für die Praxis sehr zielführend ist. „Angesichts der Tatsache, dass bei Patienten mit chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD) und bei neuromuskulären Erkrankungen eine Schwäche der inspiratorischen Atempumpe vorherrscht, ist es notwendig, geeignete Gegenmaßnahmen zu setzen“, erklärte Wanke in einem Vortrag beim Jahreskongress 2006 der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. Eine solche Gegenmaßnahme ist das Atemmuskeltraining. Es ist ein Faktum, dass bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen wie Morbus Duchenne oder spinaler Muskelatrophie mit zunehmendem Lebensalter die inspiratorische Vitalkapazität und der inspiratorische Druck dramatisch abnehmen, sodass es zu einer Zunahme respiratorischer Insuffizienz kommt.

Äußerst effektive Methode

Eine Studie an Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen zeigte in der Trainingsgruppe nach zehn Monaten eine signifikante Verbesserung der Atemmuskelfunktion. Diese Plateauphase konnte konstant über zwei Jahre aufrechterhalten werden. In einer weiteren Studie wurden Patienten mit COPD ein Jahr lang einem inspiratorischen Atemmuskeltraining unterzogen. Die körperliche Aktivität der Patienten stieg an, sie hatten unter respiratorischem Stress weniger Atemnotsymptomatik und wurden seltener hospitalisiert. Ebenso konnte die Liegedauer im Spital wesentlich verkürzt werden. „Ich kenne keine andere therapeutische Maßnahme, die sowohl bei COPD-Patienten als auch bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen derart effektiv die inspiratorische Atempumpkapazität in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren verbessern kann“, betonte der Lungenfacharzt.
Einen wesentlichen Faktor für die Wirksamkeit des Atemmuskeltrainings stellen Intensität und Dauer des Trainingsprogrammes dar. Eine gute Steigerung der Leistungsfähigkeit lässt sich auch durch Kombination von Atemmuskel- und Ergometertraining erzielen. In einer Untersuchung an 21 Patienten mit Fahrradergometer- und Atemmuskeltraining kam es, verglichen mit einer Kontrollgruppe, die nur ein Ergometertraining absolvierte, nach acht Wochen in beiden Gruppen zu einer Verbesserung des maximalen Sauerstoffvolumens und der Leistung. Unter der kombinierten Therapieform konnte die Leistungsfähigkeit jedoch noch mehr gesteigert werden.
Das Atemmuskeltraining, dessen positive Wirkung heute unbestritten ist, sollte, so Wanke, unbedingt unter Supervision und so lange als möglich erfolgen. „Ziel wäre, das Übungsprogramm lebenslang durchzuführen“, so der Lungenfacharzt. Damit könnten sowohl Patienten mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung als auch solche mit neuromuskulären Erkrankungen langfristig eine Reduktion der Atemnotsymptomatik und damit eine Verbesserung der Lebensqualität erreichen.

IW

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