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Innere Medizin 14. Dezember 2006

Auch bei Kindern an Atmungsstörung denken

Bei Vorsorge-Untersuchungen sollten Eltern immer auch gefragt werden, ob ihr Kind oft schnarcht. Wird die Frage bejaht, gilt es zu prüfen, ob eine Atmungsstörung, etwa ein obstruktives Schlafapnoesyndrom, vorliegt und behandelt werden muss.

Etwa zehn Prozent aller Kinder schnarchen häufig, wie Prof. Dr. Christian Poets aus Tübingen berichtet hat. Bei den meisten Kindern sei dies unbedeutend. Bei etwa jedem fünften ständig schnarchenden Kind müsse aber mit einer interventionsbedürftigen schlafbezogenen Atmungsstörung gerechnet werden.

Schnarchen und weitere Auffälligkeiten

Der Verdacht erhärtet sich, wenn Eltern zusätzlich zum Schnarchen weitere Auffälligkeiten angeben, berichtete Poets beim Kongress der European Respiratory Society (ERS) in München. Verdächtig beim Schlaf sind Atemstillstände, Anstrengungen beim Atmen oder Atmung mit ständig offenem Mund. Auch unübliche Haltungen im Schlaf wie überstreckter Nacken, Schlafen im Sitzen oder in Knie-Ellenbogen-Lage sind suspekt, ebenso vermehrtes Schwitzen, unruhiger Schlaf, Bettnässen, Alpträume und am Morgen Schwierigkeiten beim Wachwerden.
Verdächtig am Tag sind Morgenmüdigkeit, morgendliche Verstimmungen, Kopfweh, trockener Mund und näselnde Sprache. Auch Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und schlechte schulische Leistungen können auf nächtliche Atmungsstörungen hinweisen, soPoets.

Zunächst Pulsoximetrie, dann Polysomnografie

Bei schnarchenden, aber körperlich gesund erscheinenden Kindern mit solchen Auffälligkeiten rät Poets primär zu einer einfachen nächtlichen Pulsoximetrie zu Hause. Bei wiederholten hypoxischen Episoden sei eine Therapie angebracht. Wegen der geringen Sensitivität des Verfahrens sei ein negativer Befund bei Symptomen noch keine Entwarnung. Poets rät dann zu einer Polysomnografie. Bei auffälligem Befund mit einem RDI (respiratorischer Gesamtindex, Zahl von Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf) über fünf sollte ebenfalls behandelt werden.
Über die richtige Therapie bestehe noch kein Konsens. Nach Poets Angaben biete die Adenotonsillotomie die besten Ergebnisse. Bei 80 bis 90 Prozent aller Kinder ließen sich damit – unabhängig von einer pathologischen Tonsillengröße – schlafbezogene Atmungsstörungen und ihre Folgen einschließlich schulischer Defizite anhaltend bessern, so Poets.

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