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Innere Medizin 14. Dezember 2006

Ambulante Schlafapnoe-Diagnostik auf Steirisch

Ein veritabler Erfolg: 90 Prozent der an Lungenfachärzte überwiesenen Schnarcher sparen sich aufgrund der ambulanten Untersuchung den Weg ins Schlaflabor.

„Immerhin sind nicht nur 50 Prozent aller erwachsenen Männer Schnarcher“, berichtet Dr. Robert Voves, Facharzt für Lungenkrankheiten in Feldbach, „sondern zehn Prozent setzen auch über 15-mal pro Stunde für mehr als zehn Sekunden mit der Atmung aus und vier Prozent leiden an einem mit nasaler Überdruckbeatmung zu behandelnden schweren obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom.“ Das Angebot der ambulanten Abklärung – wie in der Steiermark – ist für diese Erkrankung eine optimale Lösung.
Anfang der 1980-er Jahre kam das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) weder im Medizinstudium noch in Lehrbüchern vor. Im selben Jahrzehnt wurden am LKH Graz erste Schlaflaborversuche durchgeführt. In weiterer Folge erkannten auch die Spitalserhalter das Potenzial dieser Erkrankung.

Erste Schlaflabors Anfang 1990

Bereits Anfang der 1990-er Jahre wurden zwei pneumologische Schlaflabors an den Lungenabteilungen in Enzenbach und Leoben/Eisenerz eingerichtet. Die damalige Grazer Lungenabteilung beschränkte sich auf die Diagnostik mit den ersten kompakten Screening-Geräten.
Von 1995 bis 2000 machten viele junge LungenfachärztInnen in der damals pneumologisch noch unterversorgten Steiermark von der Möglichkeit Gebrauch, einen §2-Kassenvertrag anzunehmen. Die meisten von ihnen hatten ausbildungsbedingt bereits Schlaflabor­erfahrung, und einige begannen vorerst auf eigene Kosten ambulante OSAS-Diagnostik in ihren Ordinationen anzubieten. Durch die rasch steigende Nachfrage wurden die Wartezeiten auf einen Platz im Schlaflabor immer länger.
In Verhandlungen mit der steirischen GKK konnte schließlich im Jahr 1999 über die Position „ambulante Schlafapnoe-Diagnostik“ als Bestandteil des Honorarkataloges für Lungenfachärzte Einigung erzielt werden. „Der Startschuss für ein österreich-, aber auch europaweites Herzeigeprojekt zur flächendeckenden ambulanten OSAS-Diagnostik war gefallen“, so Voves.
Der nächste Schritt war die Gründung der „ARGE der steirischen Lungenfachärzte“, eines gemeinnützigen Vereins mit dem Ziel der ärztlichen Fortbildung und Patientenaufklärung. Die zahlreichen und kontinuierlich umgesetzten Aktivitäten bestätigen das Konzept. „Rückblickend dürfen wir steirischen LungenfachärtzInnen mit Stolz behaupten, ein nahezu perfekt funktionierendes ambulantes Diagnosesystem für unser Bundesland auf die Beine gestellt zu haben“, resümiert Voves.
Die ambulante Untersuchung erspart 90 Prozent der an Lungenfachärzte überwiesenen Schnarcher den Weg ins Schlaflabor. 80 Prozent der von den Pneumologen an ein Spital überwiesenen Patienten müssen tatsächlich auf ein CPAP-Gerät eingestellt werden. „Damit konnte die Wartezeit auf einen Schlaflaborplatz und vor allem auf den Therapiebeginn erheblich reduziert und die Effizienz der Schlaflabore deutlich gesteigert werden“, so Voves. Mittlerweile haben Kärnten, Burgenland und Oberösterreich das steirische Modell übernommen. HH n

Infos unter: www.lunge-stmk.at/voves

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