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Innere Medizin 14. Dezember 2006

Kiss me – smokefree

Erfolgreiche Nikotinsuchtprävention-Programme bei Mittelschülern in Salzburg stimmen zuversichtlich, trotz generell steigender Raucherzahlen und immer früherem Einstiegsalter. „Nichtrauchern den Rücken stärken und Nichtraucherkompetenzen fördern“, das sind für Prof. Dr. Josef Riedler die vorrangigen Ziele seines aktuellen Anti-Raucher-Projektes an zwei Berufsschulen in Salzburg.

„Österreich liegt ganz weit vorn, was die Nikotinsucht unter Jugendlichen betrifft“, so Prof. Dr. Josef Riedler, Leiter der Kinder- und Infektionsabteilung, Kardinal Schwarzenberg‘sches Krankenhaus, Schwarzach im Pongau, Salzburg. „20 Prozent der 15-jährigen Burschen und 25 Prozent der Mädchen rauchen täglich.“ Aber das ist noch nicht alles: „Noch einmal so viele Jugendliche beiderlei Geschlechts rauchen gelegentlich.“ Insgesamt qualmt also fast die Hälfte der Schulpflichtigen. Dies geht aus den Daten der WHO (Health Behaviour in School-aged Children, 2002 ) hervor. Und: Zigarettenrauchen rückt als Krankheits- und Todesursache weiter vor. Jährlich sterben etwa 1,5 Millionen Europäer an den Folgen des Zigarettenrauchens. In Österreich waren es 2004 14.000 Menschen. „Wenn junge Menschen erst gar nicht nikotinabhängig werden, ersparen wir uns später die Suchtbehandlung und/oder die Folgekrankheiten“, so Riedler. In diesem Sinn hat Riedler 2002 bis 2005 bereits das Projekt „Ich bRauch’s nicht – ich rauch nicht“ durchgeführt, in dessen Rahmen über 2.000 Salzburger Mittelschüler im Alter von 12 bis 14 Jahren betreut wurden. Als erfreuliches Ergebnis des Unterfangens konnte die Zahl der Rauchanfänger um ein Viertel reduziert werden.
Als nächste Zielgruppe hat Riedler nun die Berufsschüler ausgemacht: „Einerseits, weil es die direkt anschließende Altersgruppe ist, und andererseits, weil diese jungen Menschen bereits voll im Berufsleben stehen und oft hohem Druck ausgesetzt sind.“ Denn häufig werden ja erst unter Belastung aus Gelegenheitsrauchern Kettenraucher.
Die Ziele seines Projektes formuliert Riedler so: „Als Erstes stärken wir den Nichtrauchern den Rücken. Wir fördern Nichtraucherkompetenzen. Dann helfen wir Rauchern beim Ausstieg und sensibilisieren das Arbeitsumfeld der Lehrlinge zum Thema Nichtrauchen. Mittels Fragebögen führen wir in den Schulen eine Evaluation auf anonymer Basis durch.“

Dem Rauchen den rebellischen Nimbus nehmen

Wie die Erfahrung zeigt, sind Jugendliche jedoch für Ermahnungen und Verbote wenig zugänglich: „Wir verzichten in der Aufklärung daher auf den erhobenen Zeigefinger, machen Angebote und üben keinen Zwang aus. Mit attraktiven Ausstiegsszenarien versuchen wir Jugendliche, die bereits rauchen, zu erreichen. Und wer ganz mit dem Rauchen aufhört, kann spannende Preise gewinnen“, so Riedler.
Im Rahmen des Projektes „Kiss me – smokefree“ werden verschiedene konkrete Maßnahmen gesetzt. Neben einer Website, über die Schüler und Lehrer betreut werden, finden drei „Unterrichtseinheiten“ pro Jahr statt. „Dabei klären wir die Schüler über alle relevanten Aspekte des Rauchens auf – und versuchen gleichzeitig Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung der Schüler zu heben.“
Eine ständige Ansprechperson im Schulbetrieb ist vorgesehen. Riedler schlägt hier das Fach politische Bildung vor. Die Schüler werden über die gesamte Berufsschulzeit, das sind drei Jahre, hinweg betreut, wobei konkrete „Rauchaufhörhilfe“ (Anti-Raucherprogramme) ab dem 2. Betreuungsjahr angeboten wird: „Schließlich wollen wir, dass die Betroffenen sich innerlich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt haben und hinter dem Entschluss, aufzuhören, auch stehen können.“
Soziale und psychologische Aspekte der Nikotinsucht sollen besprochen werden, auch um dem Glimmstengel den rebellischen Nimbus zu nehmen. Damit nicht genug, werden die Schüler über motivierende SMS betreut.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einbeziehung der Arbeitgeber: Nicht rauchende „Mentoren“ innerhalb der Betriebe sollen die Jugendlichen unterstützen. Als vorbildliches Beispiel beteiligt sich beispielsweise die Firma „Spar“ an dem Mentorensystem. Verzichten die Lehrlinge hier auf den blauen Dunst, können zusätzliche Urlaubstage und andere Vergünstigungen eingeheimst werden. Auch andere Betriebe folgen diesem Vorbild: „Nichtraucher sind produktivere und gesündere Angestellte, das hat sich herumgesprochen.“

Infos unter: www.kissme-smokefree.eu

Quelle: Jahreskongress 2006 der ÖGP

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 26/2004

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