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Innere Medizin 14. Dezember 2006

Multi-resistente Tuberkulose: Selten, aber gefährlich

Mit zwei bis 18 Fällen jährlich ist die Multi-resistente Tuberkulose in Österreich eine Seltenheit. Dennoch war in den vergangenen Jahren ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen.

Die Multi-resistente Tuberkulose (kurz: MDR-TB für multi drug resistant TB) ist eine Erkrankung, die auf die zwei wichtigsten Medikamente der ersten Wahl in der TB-Therapie, Rifampizin (RFA) und Isoniazid (INH), resistent ist. Dies hat in der Praxis sowohl für das behandelnde Team als auch für PatientInnen und das Gesundheitssystem weit reichende Konsequenzen. Personal und MitpatientInnen müssen durch besondere Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung geschützt werden. Die PatientInnen selbst haben – im Vergleich zu anderen TB-Formen – mit längeren stationären Aufenthalten, langer Behandlungsdauer und häufiger auftretenden, unerwünschten Medikamentenwirkungen zu rechnen. Insgesamt besteht ein erhöhtes Risiko für Therapieversagen und Tod.
Die Diagnose einer TB ist meist mit Vorliegen ZN-positiver Sputumausstriche (Ziehl-Nielsen Färbung) rasch gestellt. Ob es sich allerdings um eine MDR-TB handelt, können erst die Kulturergebnisse aus Sputum oder Bronchialsekret definitiv klären. Vorläufige Ergebnisse sind nach frühestens drei bis vier Wochen zu erwarten, der endgültige Befund liegt frühestens nach fünf bis acht Wochen vor.
Deshalb sollte bereits früher an die Möglichkeit einer MDR-TB gedacht und eine INH- und RFA-Resistenzgen-PCR durchgeführt werden, um nach etwa fünf Tagen den Verdacht gegebenenfalls zu erhärten. Auch andere Hinweise auf eine möglicherweise vorliegende Multiresistenz sind bekannt (s. Tab.).
Wie auch bei anderen Tuberkuloseformen, ist die MDR-TB bei ZN-positiven Sputum-Befunden als ansteckend zu betrachten. Bis Sputa nachweislich ZN-negativ sind, muss Ansteckung anderer mittels Schutzmaßnahmen (Isolierung, Schutzmasken in geschlossenen Räumen) vermieden werden. Das Therapieregime einer MDR-TB sollte zu Beginn fünf wirksame Tuberkulostatika entsprechend dem Befund aus Kultur und Resistenzbestimmung enthalten, darunter ein injektibles Medikament und ein Flourchinolon. Nach einer intensiven Therapiephase von drei bis sechs Monaten erfolgt eine Reduzierung auf drei Medikamente. Die Therapiedauer beträgt insgesamt zumindest 18 Monate, in den meisten Fällen über zwei Jahre.

 Multi-resistente Tuberkulose in Österreich
Die Kurve zeigt einen signifikanten Anstieg von MDR-TB-Fällen in den vergangenen Jahren.

Labor- und klinische Kontrollen zur Therapieüberwachung

An unerwünschten Medikamentenwirkungen der eingesetzten Tuberkulostatika stehen neben Erhöhung der Transaminasen vor allem neurologische Nebenwirkungen (periphere Neuropathie) im Vordergrund, weiters kommen Blutbildveränderungen und dermatologische Nebenwirkungen vor. Regelmäßige Labor- und klinische Kontrollen sind daher zur Therapieüberwachung notwendig, ebenso eine augenfachärztliche Vorstellung.
Jährlich werden in Österreich insgesamt etwa 900 bis 1.000 neue Tuberkulosefälle gemeldet. Die MDR-TB-Fälle machen davon insgesamt nur eine kleine Gruppe aus (zwei bis 18 Fälle jährlich, siehe Abb.). Dennoch war in den vergangenen Jahren ein signifikanter Anstieg an gemeldeten MDR-TB-Fällen zu verzeichnen. Die Behandlung sollte in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.
MDR-TB-PatientInnen in Österreich kommen in erster Linie als Asylsuchende und MigrantInnen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, allen voran Tschetschenien (russische Föderation). Für eine effektive Behandlung dieser PatientInnen müssen auch soziale Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Nach Entlassung sollte neben der fachärztlichen Weiterbetreuung geklärt sein, inwieweit Grundbedürfnisse wie Unterkunft und Ernährung abgedeckt sind. Dazu bedarf es der Zusammenarbeit mit der Tuberkulosefürsorgestelle. Auch in der ambulanten Weiterbetreuung sind eine engmaschige Kontrolle und meist auch eine überwachte Therapie indiziert.

Dr. Marcel Rowhani,
Tuberkulosestation Karlhaus I (OA Dr. R. Rumetshofer)
1. Lunge, Otto Wagner Spital, Wien

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