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Innere Medizin 14. Dezember 2006

Neue Gesetze machen Rauchern das Leben schwer ...

In Niederösterreich hilft seit 2003 eine mobile Raucherambulanz beim Ausstieg aus der Nikotinsucht. Die NöGKK finanziert das Projekt.

Koordiniert von Doz. Dr. Ernest Groman, Leiter des Nikotininstituts in Wien, wird in Horn, Wr. Neustadt, St. Pölten und Korneuburg ambulante Raucherentwöhnung angeboten (www.nicotineinstitute.com). Außerdem tourt eine mobile Raucherambulanz durch Niederösterreich. Wie solch ein Behandlungsverlauf vor sich geht, erklärt Groman: „Nachdem sich der Patient bei uns angemeldet hat, erhält er fünf Termine jeweils einmal wöchentlich. Die Einzelberatung dauert 15 bis 45 Minuten, bei Bedarf auch länger.“ Je nach Motivation und Leidensdruck gestaltet sich die Intervention unterschiedlich.
„Beim ersten Termin versuchen wir, Vertrauen und Zuversicht des Patienten zu erlangen. Wir legen bewusst keinen fixen Abstinenztermin fest“, so Groman. „Nach einer Basisanamnese mittels Fagerström-Test, führen wir eine CO-Messung durch, erheben Zigarettenzahl sowie Gewichtsverlauf. Wichtig sind für uns auch frühere Entwöhnungsversuche und eine genaue Analyse des Rauchverhaltens.“
Die Behandlung umfasst ein verhaltensmodifikatorisches Programm sowie, wenn gewünscht, Nikotinersatz und andere Medikamente. Über 50 Prozent der Teilnehmer erhalten eine Nikotinersatztherapie, etwa sechs Prozent Bupropion oder Bupropion und Nikotinersatz. Die übrigen 40 Prozent werden ohne Zusatzmedikation behandelt.

STOPP-Datum: Es wird ernst

Erst beim zweiten Termin wird das STOPP-Datum gemeinsam mit dem Patienten festgelegt, CO-Messung, Gewichtsverlauf und Befindlichkeit sind diesmal natürlich ebenfalls von Interesse. Groman: „Wir versuchen, den Patienten in seiner Selbstwirksamkeit zu stärken, das heißt, dass die Entwöhnung vom Teilnehmer als große persönliche Leistung wahrgenommen wird und nicht als Leistung der Ambulanz. Bei den folgenden Terminen werden die genannten Untersuchungen fortgeführt und Befindlichkeit sowie Erfahrungen der Patienten u.a. mit Nikotinersatzpräparaten beachtet.“
Groman: „Die Patienten erhalten Tipps zur Rückfallsprophylaxe. Falls alle Stricke reißen, versuchen wir wenigstens eine Reduktion des Tabakkonsums zu erzielen.“ Männer und Frauen halten sich unter den Patienten in etwa die Waage. Über 88 Prozent der Behandelten haben die Abstinenz als Ziel.
„Im Mittel hat unsere Klientel Fagerström-Werte von 5,22. Der österreichische Schnitt liegt bei 3,6.“ Auch die Langzeitwirksamkeit des Programms wurde evaluiert: nach ein bis drei Jahren sind noch 45 Prozent der Teilnehmer abstinent.
Werbung ist für das Projekt ausgesprochen wichtig. Das Niederösterreichische Nikotininstitut kooperiert aus diesem Grund unter anderem mit der Arbeiterkammer, um der mobilen Ambulanz einen höheren Bekanntheitsgrad zu verschaffen. Die Kommunikation mit den niedergelassenen Ärzten könnte durchaus noch verbessert werden: oft sind die Bezirksärzte über die Präsenz der Ambulanz nicht informiert. Bereits über 3.000 Personen haben die Angebote der Raucherambulanz wahrgenommen. Möchten Bewohner anderer Bundesländer an dem Programm teilnehmen, so ist das kein Problem, da auch hier die Betreuungskosten übernommen werden (Medikamentenkosten tragen die Teilnehmer selbst).

Termine und weitere Informationen zum Projekt unter www.noegkk.at.

RS

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