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Innere Medizin 14. Dezember 2006

Hartnäckig gegen die Vernunft ...

Es vergeht kein Tag, an dem derzeit nicht irgendwo über Rauchverbote diskutiert wird. Man könnte fast sagen, es ist zum „IN“-Thema geworden. Ich persönlich verstehe ja nicht nur, warum es so lange gebraucht hat. Kürzlich hörte ich eine Politi-kerin sagen, dass das Umdenken in unseren Köpfen stattfinden muss, denn „normal“ sei das „Nicht Rauchen“ - Na „no, na“. Als überzeugte Nichtraucherin frage ich mich schon lange, wie ich eigentlich dazu komme, nach einem Lokalbesuch stinkende Haare und Kleidung ertragen zu müssen – ganz zu schweigen davon, was meine Lunge abbekommen hat!
Aber so einfach scheint das Problem nicht gelagert, wie uns weiterhin steigende Raucherzahlen vor Augen führen. Da läuft immer noch einiges falsch – in den Köpfen! Bedenklich stimmen sollte auch:
Das Einstiegsalter geht, vor allem bei den Mädchen, immer weiter nach unten!
Hallo Mädels!! Das ist meines Erachtens nach falsch verstandene Emanzipation. Wir müssen es nicht den Männern gleich tun – oder vermeintlich „cooler“ sein als sie! Solche Verhaltensmuster sollten dringendst durchbrochen werden.
Pneumologen sind auf dem Gebiet der Aufklärung und Raucherprävention insbesondere bei Jugendlichen seit Jahren sehr engagiert. Doch was nützt das alles, wenn wir Erwachsene weiterhin „schlechtes Vorbild“ sind? Selbst mittlerweile bestätigte Zusammenhänge zwischen Rauchverhalten und der Inzidenz so genannter „Killerkrankheiten“, unter denen Bronchus-Karzinom und COPD ganz vorne rangieren, scheinen uns wenig zu berühren.
In diesem Zusammenhang paradox erscheint mir die viel zitierte „Genuss-Zigarette“. Die meisten Raucher, die ich kenne, wirken für mich gestresst und unter Zwang stehend. Doch wie in vielen anderen Bereichen müssen die Betroffenen erst selbst zur Einsicht kommen, um ihr Verhalten zu ändern. Seitens der Pneumologen werden jedenfalls entsprechende Programme zur Unterstützung angeboten.
Was jedoch das Durchsetzen von Maßnahmen, wie ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen, betrifft, rangiert Österreich europaweit weit hinten. „Vorerst wird es hier ohne Verbote nicht gehen“, ist Doz. Dr. Günther Forche, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, überzeugt ...
... bis wir gelernt haben, dass Vernunft und Genuss kein Widerspruch sein müssen – im Gegenteil!

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein frohes, genussvolles und so richtig vernünftiges Weihnachtsfest, die besten Vorsätze für das Neue Jahr und natürlich eine informative FOKUS-Lektüre.

Dr. Myriam Hanna-Klinger, und das Redaktionsteam

Dr. Myriam Hanna-Klinger, Ärzte Woche 26/2004

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