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Innere Medizin 13. Dezember 2006

Vom Burnout zur Begeisterung

Burnout scheint ansteckend zu sein, wie epidemiologische Untersuchungen nahelegen. Wem es gelingt, Mitarbeiter zu wahrem Engagement anzustacheln, der hat auch schon den ersten Kampf gegen das Ausgebranntsein gewonnen.

Ein Perspektivenwechsel von Burnout zu Arbeitsengagement öffnet neue Wege für Forschung und Praxis. Darauf verwies Prof. Dr. Wilmar Schaufeli, Arbeitspsychologe an der Universität Utrecht, beim Internationalen Kongress für Burnout und Jobengagement, organisiert von der Webster University Vienna.
„Es ist Zeit für eine Wende“, fordert Schaufeli. Die Psychologie sei überwiegend eine negative Wissenschaft, die sich mit Krankheit, Störung, Schaden und Behinderung beschäftigt. Arbeits- und Gesundheitspsychologie thematisieren vor allem Ungesundheit und Unwohlbefinden. Das Verhältnis positiver zu negativer Artikel in der Literatur liege bei 1:17.

Positiv gesund

So konzentriert sich auch die Burnout-Forschung fast ausschließlich auf die negativen Seiten. „Das ist der falsche Ansatz“, meint Schaufeli, „denn gefordert ist keine symptomfreie, sondern eine ‚positiv gesunde’ Belegschaft, sowie Prävention, Verbesserung und Optimierung anstelle von Behandlung. Und zu guter Letzt: Eine positive Botschaft verkauft sich besser.“ Deshalb sei es wichtig, es erst gar nicht zum Burnout kommen zu lassen.
Ursachen der Entstehung von Burnout gibt es viele. So spielen neben Arbeitsanforderungen wie quantitativer Überlastung auch Work-Home-Konflikte oder Rollenprobleme sowie vor allem mangelnde Ressourcen wie nicht ausreichende Regulationsmöglichkeiten im Job oder fehlende Sozialunterstützung vom Vorgesetzten eine große Rolle.
Die Folgen des Ausgebranntseins sind beträchtlich. So kommt es nicht nur zu erlebter schlechter Gesundheit wie vermehrten Infektionserkrankungen, Depressionen sowie psychosomatischen Beschwerden, sondern auch die Haltung wird zunehmend negativ, es mehrt sich Arbeitsunzufriedenheit und das Commitment verringert sich. Schlussendlich hat das negative Auswirkungen auf das gesamte Organisationsverhalten. Die Arbeitsleistung geht drastisch zurück, die Anzahl der Krankentage nimmt zu.

Sinnvolle Gruppenprophylaxe

Erschwerend kommt dazu, dass Burnout ansteckend zu sein scheint. So zeigt sich, dass auf manchen Stationen fast alle Krankenschwestern betroffen sind, auf anderen wieder kaum eine. Hier scheint individuelle und Gruppenprophylaxe wirkungsvoll. Eine Schlüsselrolle in der Entstehung von Burnout spielt jedoch laut Schaufeli mangelnde Reziprozität. Und zwar sowohl auf der interpersönlichen als auch auf der Team- sowie auf der Organisationsebene.
Trotz aller bisherigen Bemühungen bleibt die Zahl der Betroffenen seit Jahren relativ unverändert. Deshalb, so Schaufeli, sei ein Perspektivenwechsel angesagt: „Weg vom Burnout hin zum Arbeitsengagement.“ Ergebnisse aus Tiefeninterviews zeigen, dass engagierte Mitarbeiter proaktiv sind und sich ihr eigenes Feedback generieren können. Sie haben Wertvorstellungen, die denen der Organisation entsprechen. Interessant ist, dass sich diese Menschen auch in ihrer Freizeit engagieren, sei es bei Sport oder auf interpersönlicher Ebene.

Konkrete Förderung

Eine internationale Erhebung an mehr als 30.000 Personen ergab, dass es ganz konkrete Faktoren gibt, die Arbeitsengagement fördern. So sind Autonomie, soziale Unterstützung und Coaching, Feedback, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten, Aufgabenvielfalt sowie Verantwortung innerhalb des Betriebes die wesentlichen Elemente.
Warum sollte man Arbeitsengagement fördern? Schaufeli: „Arbeitsengagement führt zu besserer persönlicher Leistung und damit verbesserter Leistung von Unternehmensabteilungen. Es wirkt sich positiv auf die Teamatmosphäre aus, steckt andere an und garantiert das Behalten von talentierten und geschätzten Mitarbeitern. Die geistige Gesundheit ist gewährleistet und verringert letztlich das Burnoutrisiko.“

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