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Innere Medizin 6. Dezember 2006

Magnetische Strahlung lässt Knorpel regenerieren

Eine neue Methode soll dem Knorpelschwund Einhalt gebieten. Das Verfahren, das aus der Kernspintomographie entwickelt wurde, regt mittels hochspezifischer, pulsierender elektromagnetischer Felder den Knorpelgewebemetabolismus an und fördert so die Knorpelregeneration. Das Verfahren ist umso effektiver, je mehr Restknorpel vorhanden ist. Obwohl die Therapie bei unserem Nachbarn Deutschland bereits etabliert ist, zieht man in Österreich nur zögerlich nach.

Die Hauptaufgabe des Facharztes für Orthopädie und orthopädische Chirurgie ist es, den Bewegungsapparat eines Patienten schmerzfrei und funktionsfähig zu erhalten. Während die orthopädischen Abteilungen der Krankenhäuser dieser Aufgabe in erster Linie über operative Eingriffe am Bewegungsapparat nachkommen, ist es vorwiegend den niedergelassenen Fachärzten vorbehalten, das oben genannte Ziel auf konservativem Weg zu erreichen, der jedoch einem steten Wandel unterliegt. Lange Jahre standen vor allem balneologische Anwendungen, Massagen, Elektrotherapien, Wärmeapplikationen, aber auch Ruhigstellungen im Vordergrund. Dem Fleiß und Engagement von Leuten wie Prof. Dr. Hans Tilscher oder Prof. Dr. Rudolf Lackner ist es zu verdanken, dass das Wissen um die Funktionsstörungen des Bewegungsapparates und deren Therapiemöglichkeiten zum orthopädischem Grundrüstzeug wurden. Auch wenn sich mittlerweile eine Vielzahl artverwandter Therapiemaßnahmen auf dem Gesundheitsmarkt behaupten, ohne Arbeit dieser Pioniere wäre die konservative Therapie unendlich ärmer.
Aber auch auf dem Sektor der apparativen Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten zehn Jahren zwei Formen aufgedrängt. Die Extrakorporale Stoßwellen-Therapie (ESWT) mit der fokussierten und der radialen Applikation und die MBST®-Kernspinresonanztherapie, ein in Österreich im Gegensatz zu Deutschland weitgehend unbekanntes Verfahren.

Studien zu wenig bekannt

Beiden Therapieformen ist eines gemeinsam: Sie funktionieren und lindern Schmerzen. Aber die vorliegende Literatur ist noch nicht geeignet, diesen Behandlungsformen einen Evidenced-based-Status zuzuerkennen. Liegt es im Zusammenhang mit der ESWT an bislang wenig aussagekräftigen Studiendesigns (ein Faktum, das auf der letzten Sitzung der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie bitter beklagt wurde), so liegen zur MBST®-Kernspinresonanz mittlerweile einige aussagekräftige Arbeiten vor, die jedoch offenbar noch zu unbekannt sind, um das Interesse führender Häuser Österreichs zu wecken. Allerdings ist man durch einen Fachvortrag zu einer Studie der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Münster mit dem Titel „Does have low-energy NMR an effect on moderate gonarthrosis?“ auf dem 52. Kongress der amerikanischen Orthopaedic Research Society im März 2006 in Chikago weltweit auf die Therapie aufmerksam geworden. Dadurch sind auch namhafte Universitäten in Deutschland, Österreich und England zu weitergehenden Forschungen angeregt worden.

Österreich noch abwartend

Die Markteinführung der MBST® erfolgte 1999 in der Bundesrepublik Deutschland. Mittlerweile wird diese Therapie in rund 120 Zentren angeboten. Auf Österreich ist dieser Funke allerdings noch nicht übergesprungen. Zwei Forschungseinheiten und zwei kommerzielle Zentren arbeiten weitgehend unter Ausschluss ärztlichen Interesses, allerdings zum Vorteil der Patienten.

Bewährte MRT-Technik

Das Wirkprinzip der MBST® beruht auf dem Effekt der Kernspin- oder Magnetresonanz, bekannt durch den Siegeszug des MRT. Ein permanentes elektromagnetisches Feld richtet die Wasserstoffprotonen aus. Durch Einspeisen einer Radiofrequenz mit einmodulierter Behandlungssequenz werden die Protonen um bis zu 180° gedreht. Nach diesem Impuls wandern die sie wieder auf ihr ursprüngliches Energieniveau zurück. Die über die Radiofrequenz zugeführte Energie wird dadurch ins umliegende Gewebe freigesetzt. Gemäß dem Funktionsprinzip der Kernspinresonanz sind drei aufeinander abgestimmte Magnetfelder unterschiedlichen Typs hierfür nötig:
• Typ (a) statisches Hauptmagnetfeld
• Typ (b) variables Sweep-Feld dB0/dt parallel zu Feld (a)
• Typ (c) elektromagnetisches Wechselfeld B1(t), das der Lamorbedingung genügen und senkrecht zu den Feldern des Typs (a) und (b) stehen muss.

Die dabei verwendeten Behandlungssequenzen scheinen mit körpereigenen Schwingungsfrequenzen derart übereinzustimmen, dass eine Wachstumsstimulation auf Knorpel- und Knochengewebe stattfindet. Gegenstand der gegenwärtigen Forschung ist die Ursachenfindung für die oft rasch einsetzende Verringerung von Schmerzen in der behandelten Region.

Gepulste Magnetfelder

Der technologische Unterschied zu den in Österreich ebenfalls bekannten Systemen mit pulsierenden elektromagnetischen Feldern (PEMF) und der PST® besteht in der Verwendung dreier verschiedener orthogonal stehender elektromagnetischer Felder – eines permanenten und eines gepulsten –, während die zuvor genannten Systeme ausschließlich mit elektromagnetischen Impulsen in einer Raumrichtung arbeiten.
Die klassischen Indikationen sind die Behandlung von degenerativen Gelenkveränderungen bis maximal Arthrose Grad 3, sowohl an peripheren Gelenken wie auch an der Wirbelsäule und die lokale (Morbus Sudeck) und generalisierte Osteoporose. Bei diesen Indikationen darf mit einer Verbesserung der Gewebequalität und auch zu einem hohen Grad mit einer deutlich messbaren Reduktion der Beschwerden gerechnet werden. Ebenso zuverlässig funktioniert ­diese Behandlung beim Vorliegen von Stressfrakturen und Knochenmarksödemsyndromen, auch wenn hier noch keine nennenswerte Literatur vorliegt. Als weitere Indikationen gelten die Behandlungen von Tendopathien an Achillessehne, im Fersenbereich, am Ellbogen sowie inkomplette Bandverletzungen.
Die Behandlungen erfolgen entweder in entsprechenden Röhren (Gelenke, Wirbelsäule), die über eine Chipkarte im Steuergerät gesteuert werden oder offen (generalisierte Osteoporose). Als Standardbehandlungsdauer gelten bei Wirbelsäule und Gelenken fünf oder neun Sitzungen mal eine Stunde an aufeinander folgenden Tagen. Nur bei generalisierter Osteoporose beläuft sich ein Behandlungszyklus auf zehn Stunden.
Die im Sinne einer umfassenden Dokumentation und Qualitätssicherung erforderlichen Untersuchungen des Patienten erfolgen vor und unmittelbar nach der Behandlung sowie sechs Wochen, sechs und zwölf Monate nach Ende der Behandlung. Für die Praxis eines vorwiegend konservativ tätigen Facharztes für Orthopädie stellt die MBST®-Kernspinresonanztherapie eine Erweiterung seiner therapeutischen Möglichkeiten dar. Gerade in der Behandlung der beginnenden Arthrose – in Kombination mit Chondroitin-, Glucosaminsulfatmischpräparaten wie Arthrobene® –, der generalisierten, aber auch lokalen Osteoporose in Kombination mit bewährten Medikationen liegen die Stärken dieser Behandlung.

Dr. Wolfgang Klapsch, Ärzte Woche 49/2006

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